Kelim Seide
Seiden-Kelims sind die edelsten Flachgewebe, leicht, glänzend und mit feinsten Musterdetails.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Seidenteppiche
- Herstellung
- Handgewebt
- Knotendichte
- Flachgewebe (feinste Struktur)
Steckbrief
- Herstellung
- Handgewebt
- Herkunft
- Iran / Indien — Hauptproduktion
- Flormaterial
- Seide
- Knotendichte
- Flachgewebe (feinste Struktur)
- Besonderheiten
- Glänzende Seide, feine Detailmuster, leichtes Gewicht




Foto: Morgenland Teppiche
Ein Seiden-Kelim ist die luxuriöseste Spielart der Schlitzwirkerei: ein flachgewebter, florloser Teppich, dessen musterbildender Schuss vollständig oder überwiegend aus Seide besteht. Er entsteht in Manufakturen Persiens und der Türkei, erreicht eine ungewöhnlich feine Webdichte, schillert je nach Lichteinfall und gehört zur Spitze der Seidenteppiche. Gleichzeitig ist kein anderer Kelim-Typ so oft von Viskose-Imitaten begleitet. Wer ihn kaufen will, braucht ein klares Auge für Material und Herkunft.
Was ist ein Seiden-Kelim?
Ein Seiden-Kelim ist ein handgewebter Flachteppich ohne Flor und ohne Knoten, dessen Muster durch farbige Seidenschüsse in Schlitzwirkerei entsteht. Anders als der geknüpfte Seidenteppich hat er keinen Pol: Die Oberfläche bleibt vollständig flach. Wie alle Kelims ist er voll wendbar, weil Vorder- und Rückseite nahezu identisch gemustert sind.
Der Unterschied zum klassischen Wollkelim liegt nicht in der Technik, sondern im Material. Die feinen Seidengarne erlauben deutlich mehr Schussfäden pro Zentimeter als die Hochlandwolle eines Kelim Maimene oder Kelim Fars. So lassen sich Muster weben, die für ein Wollflachgewebe unerreichbar sind: feine Boteh, schmale Bordürenbänder, dichte Streumotive. Hinzu kommt der Seidenglanz, der je nach Blickwinkel die Farben verändert.
Herkunft: Manufakturen in Persien und Anatolien
Klassische Zentren liegen in den persischen Manufakturen rund um Ghom, Kashan und Isfahan sowie in den anatolischen Werkstätten um Hereke und Kayseri. Anders als die Stammeskelims Nordafghanistans oder Südpersiens ist der Seiden-Kelim kein Erzeugnis nomadischer Hauswirtschaft, sondern städtische Manufakturware. Die Tradition entwickelte sich vor allem im 19. und 20. Jahrhundert, als die Seidenproduktion in Persien und Anatolien einen Höhepunkt erreichte.
Daneben werden Seiden-Kelims heute in indischen und kashmirischen Werkstätten gefertigt, vor allem für den Export. Diese Stücke imitieren oft persische Muster, fallen aber in Garnstärke und Färbung anders aus. Die Seidenteppich-Übersicht ordnet die Produktionslandschaft im Gesamtkontext ein.
Typische Muster und Farben
Seiden-Kelims orientieren sich an den persischen und osmanischen Manufakturtraditionen. Im Mittelfeld erscheinen kleine Medaillons, Boteh-Streufüllungen oder feine Rankenmuster, gerahmt von mehrteiligen Bordüren mit Palmetten und Wolkenbändern. Da die Schlitzwirkerei keine kurvige Linie erlaubt, lösen die Manufakturen florale Motive in feinste Treppen auf, die das Auge aus Distanz als runde Form wahrnimmt.
Die Farbpalette nutzt den Seidenglanz bewusst. Verbreitet sind helle Untergründe in Elfenbein, Champagner und Beige, ergänzt durch Akzente in Türkis, Aubergine, Rosé, Gold, Korallenrot und Salbeigrün. Seide nimmt Farbstoffe intensiv auf, deshalb wirken die Töne kühler und brillanter als bei Wolle. Manche Werkstätten arbeiten mit Naturfarben, viele kommerzielle Produktionen mit säurefesten Synthesefarben.
Material und Webtechnik
Das definierende Material ist Maulbeerseide. Bei klassischer Manufakturware bestehen Kette, Schuss und musterbildender Faden vollständig aus Seide. Bei einigen Produktionen wird die Kette aus feinem Baumwoll- oder Wollgarn gespannt, der musterbildende Schuss bleibt aber aus Seide. Vor dem Weben wird die Seide degummiert, gehaspelt, gefacht und gefärbt.
Die Webtechnik ist die klassische Schlitzwirkerei wie bei jedem Kelim: Auf dem Manufakturwebstuhl wird jeder farbige Schuss in seinem Feld hin- und hergeführt und mit dem Kamm dicht angeschlagen. An senkrechten Farbgrenzen entsteht der typische Kelim-Schlitz. Anders als beim geknüpften Teppich gibt es keinen Pol und keine Knoten. Ein Seiden-Kelim besitzt deshalb auch keine Knotendichte, er ist ein Flachgewebe und wird wie alle Kelims über die Schussdichte beurteilt. Den Gesamtablauf des Flachwebens erklärt die Seite Weben im Bereich Herstellung.
Da Seide dünner ist als Schurwolle, sind die Schussfäden sehr fein. Das macht das Gewebe leicht und empfindlicher gegenüber Druck und Nässe als ein Wollkelim. Die Oberfläche bleibt flach, hat aber durch die Faserstruktur einen sichtbaren Längsglanz.
Webdichte und Qualität
Statt einer Knotendichte beurteilen Fachleute Seiden-Kelims über die Schussdichte. Hochwertige Stücke aus Ghom oder Kashan erreichen 20 bis 40 Schussfäden pro Zentimeter, ein Vielfaches eines durchschnittlichen Wollkelims. Diese Feinheit erlaubt den malerischen Detailreichtum. Wichtige weitere Qualitätsmerkmale sind die Gleichmäßigkeit der Webung, die Klarheit der Bordüren und die Reinheit der Färbung.
Bei der Seide selbst gilt: Je länger der Faden, desto stabiler und glänzender das Gewebe. Hochwertige Maulbeerseide ist langfaserig und reflektiert das Licht warm. Kurzfaserige Schappeseide wirkt matter und wird schneller stumpf. Wer sammelt, fragt deshalb auch nach der Faserqualität, nicht nur nach der Webdichte.
Seiden-Kelim im Vergleich
Im Handel begegnen einem unter dem Schlagwort Seide sehr unterschiedliche Produkte. Die folgende Tabelle ordnet den Seiden-Kelim neben den wichtigsten Vergleichsstücken ein.
| Typ | Bauart | Material | Typische Merkmale |
|---|---|---|---|
| Kelim Seide | Flachgewebe, Schlitzwirkerei | Maulbeerseide, kein Flor | flach, beidseitig nutzbar, sehr feine Schussdichte, schillernd |
| Ghom-Seide | geknüpft, mit Flor | reine Seide auf Seidenkette | sehr feine Knotendichte, weicher Seidenflor, Manufakturware |
| Hereke-Seide | geknüpft, mit Flor | reine Seide, Manufaktur | osmanische Designs, höchste Knotendichten der Welt |
| Wollkelim (z. B. Kelim Maimene) | Flachgewebe, Schlitzwirkerei | Schurwolle | tribal-geometrisch, robust, gröbere Webdichte |
| Viskose-Imitat | Flachgewebe oder geknüpft | Viskose, Polyester | leuchtender Glanz, billig, sehr saugfähig, statisch aufgeladen |
Der wichtigste Vergleich ist die Abgrenzung zur Viskose. Im Handel wird Viskose, eine aus Holzzellulose erzeugte Chemiefaser, gerne als Kunstseide oder Bambusseide vermarktet. Sie glänzt ähnlich intensiv wie echte Seide, ist aber bauphysikalisch ein anderes Material: weniger reißfest, kaum lichtbeständig, extrem saugfähig und im nassen Zustand instabil. Eine ausführliche Anleitung, wie sich echte Seide von Viskose und anderen Faserimitaten unterscheidet, steht im Beitrag Seide erkennen.
Was ist ein Seiden-Kelim wert?
Echte Seiden-Kelims aus persischen oder anatolischen Manufakturen gehören zu den teuersten Flachgeweben des Marktes. Den Preis bestimmen Faserqualität, Schussdichte, Alter, Reinheit der Färbung und Werkstattprovenienz. Ein feiner Kelim aus Ghom oder Hereke kann je nach Format und Zustand vier- bis fünfstellige Beträge erreichen. Indische und kashmirische Seiden-Kelims sind günstiger, weil ihre Werkstätten weniger spezialisiert produzieren.
Ein wichtiger Wertfaktor ist die Ehrlichkeit der Materialangabe. Stücke, die als Seide angeboten werden, in der Brennprobe aber Plastikgeruch zeigen, sind Viskose-Imitate und gehören in eine viel niedrigere Preisklasse. Auch Mischgewebe aus Wolle und Seide oder Baumwolle und Seide werden teils als Seide vermarktet, sind aber keine reinen Seiden-Kelims. Eine Einordnung bietet Was ist ein Teppich wert?, zu Händlerauswahl die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Seiden-Kelim?
Ein echter Seiden-Kelim verbindet die Merkmale eines Kelims mit denen einer echten Seide. Die wichtigsten Prüfpunkte:
- Flachgewebe, kein Flor: Die Oberfläche ist flach. Ein samtiger Pol gehört zu einem geknüpften Seidenteppich wie Ghom-Seide, nicht zum Kelim.
- Senkrechte Schlitze an Farbgrenzen: Bei feinen Manufakturstücken klein, aber vorhanden.
- Beidseitig nahezu identisches Muster: Der Kelim ist wendbar.
- Längsglanz und Farbspiel: Maulbeerseide reflektiert warm und verändert die Farben je nach Blickwinkel. Viskose glänzt kalt und gleichmäßig.
- Haptik: Echte Seide fühlt sich kühl an und erwärmt sich schnell in der Hand. Viskose bleibt lauwarm und wirkt weicher.
- Brennprobe: Seide riecht nach verbrannten Haaren und hinterlässt zerreibbare Asche. Viskose riecht nach Papier, Polyester schmilzt zu Kugeln. Details unter Seide erkennen.
- Fransen als verlängerte Kette: Teil des Gewebes, nicht angenäht, mit demselben Glanz wie das Mittelfeld.
Die vollständige Echtheitsprüfung bieten Orientteppich erkennen und Ist mein Teppich echt?.
Pflege
Seiden-Kelims sind die empfindlichsten Stücke der Kelim-Familie. Direkte Sonne lässt die Farben verblassen, Wasser und Reibung schädigen die Fasern dauerhaft. Im Alltag genügt vorsichtiges Absaugen mit Polsterdüse, ohne Bürstwalze und mit reduzierter Saugleistung, nur in Webrichtung. Niemals nass reinigen, niemals scharfe Reiniger.
Flecken mit weichem, feuchtem Tuch abtupfen, nicht reiben. Größere Verschmutzungen oder Wasserschäden gehören ausschließlich in eine spezialisierte Seidenreinigung. Lagerung locker gerollt in säurefreiem Papier, an einem trockenen, dunklen Ort. Eine Antirutschunterlage auf glattem Boden schützt die feinen Fransen. Vollständige Routinen stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Seiden-Kelim und einem geknüpften Seidenteppich?
Ein Seiden-Kelim ist ein Flachgewebe ohne Flor, das Muster entsteht in Schlitzwirkerei. Ein geknüpfter Seidenteppich wie Ghom-Seide oder Hereke-Seide hat dagegen einen Flor aus Seidenknoten. Der Seiden-Kelim ist flacher, leichter, wendbar und meist günstiger als ein vergleichbarer geknüpfter Seidenteppich.
Hat ein Seiden-Kelim eine Knotendichte?
Nein. Ein Kelim hat grundsätzlich keine Knoten, deshalb auch keine Knotendichte. Beurteilt wird er über die Schussdichte, also die Anzahl der Schussfäden pro Zentimeter. Feine Seiden-Kelims aus Ghom oder Kashan erreichen 20 bis 40 Schüsse pro Zentimeter, was den charakteristischen Detailreichtum erst möglich macht.
Wie erkenne ich echte Seide im Kelim?
Maulbeerseide ist kühl in der Hand, erwärmt sich schnell und reflektiert das Licht warm. Die Brennprobe an einer Franse ergibt Geruch nach verbrannten Haaren und zerreibbare Asche. Viskose riecht nach Papier und ist das häufigste Imitat. Schritt für Schritt erklärt das der Beitrag Seide erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Seiden-Kelim und einem Viskose-Kelim?
Viskose ist eine Chemiefaser aus Holzzellulose, oft als Kunst- oder Bambusseide vermarktet. Sie glänzt ähnlich intensiv wie Seide, ist aber weniger reißfest, kaum lichtbeständig und nass instabil. Ein Viskose-Kelim fühlt sich wärmer und weicher an, glänzt kühl statt warm und reagiert in der Brennprobe wie Papier oder Plastik.
Sind Seiden-Kelims alltagstauglich?
Nur bedingt. Für stark genutzte Flächen oder Räume mit Sonneneinstrahlung sind sie schlecht geeignet, weil Reibung, Druck und Licht die Fasern schädigen. Ihr Platz sind repräsentative Bereiche, gerne als Wandbehang oder als dekoratives Stück auf einem Wollteppich.
Was kostet ein echter Seiden-Kelim?
Ein hochwertiger Seiden-Kelim aus persischer oder anatolischer Manufaktur beginnt im hohen drei- bis vierstelligen Bereich. Feinste Stücke aus Ghom, Hereke oder Kashan können fünfstellige Beträge erreichen. Indische und kashmirische Werkstattware liegt darunter. Viskose-Imitate kosten nur einen Bruchteil und sind kein vergleichbares Material.
Wie pflege ich einen Seiden-Kelim richtig?
Nur trocken pflegen: mit Polsterdüse saugen, ohne Bürstwalze. Direkte Sonne vermeiden, niemals nass reinigen, niemals scharfe Reiniger. Flecken mit feuchtem Tuch abtupfen, größere Verschmutzungen in die spezialisierte Seidenreinigung. Lagerung locker gerollt in säurefreiem Papier, dunkel und trocken.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Kelim Seide-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.