Seiden-Kelim: feinste Schlitzwirkerei aus Persien und der Türkei
Seiden-Kelims sind die edelsten Flachgewebe, leicht, glänzend und mit feinsten Musterdetails.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Seidenteppiche
- Herstellung
- Handgewebt
- Knotendichte
- Flachgewebe (feinste Struktur)
Steckbrief
- Herstellung
- Handgewebt
- Herkunft
- Iran / Indien — Hauptproduktion
- Flormaterial
- Seide
- Knotendichte
- Flachgewebe (feinste Struktur)
- Besonderheiten
- Glänzende Seide, feine Detailmuster, leichtes Gewicht




Foto: Morgenland Teppiche
Ein Seiden-Kelim ist ein flachgewebter, florloser Teppich, dessen musterbildender Schuss vollständig oder überwiegend aus Seide besteht. Weil kein Knoten darin sitzt, trägt das Datenblatt dieser Seite im Feld Knotendichte keinen Zahlenwert, sondern den Eintrag "Flachgewebe (feinste Struktur)"; als Material nennt es schlicht Seide, als Herkunft Iran und Indien nebeneinander. Technisch ist er ein Kelim, im Register steht er aus Handelsgründen unter den Seidenteppichen, und dort gehört er zu den leichtesten und feinsten Stücken. Wer ihn kaufen will, lässt sich die Faser im Klartext benennen, denn unter dem Wort Seide laufen im Handel drei verschiedene Materialien.
Was ist ein Seiden-Kelim?
Ein Seiden-Kelim ist ein handgewebter Flachteppich ohne Flor und ohne Knoten, dessen Muster durch farbige Seidenschüsse in Schlitzwirkerei entsteht. Anders als ein geknüpfter Seidenteppich hat er keinen Pol: Die Oberfläche bleibt vollständig flach. Wie jeder Kelim ist er voll wendbar, weil Vorder- und Rückseite nahezu identisch gemustert sind.
Der Unterschied zum Wollkelim liegt nicht in der Technik, sondern im Material. Feine Seidengarne lassen deutlich mehr Schussfäden pro Zentimeter zu als die Hochlandwolle eines Kelim Maimene oder Kelim Fars. So lassen sich Muster weben, die für ein Wollflachgewebe unerreichbar sind: feine Boteh, schmale Bordürenbänder, dichte Streumotive. Hinzu kommt der Seidenglanz, der je nach Blickwinkel die Farben verändert.
Woher kommt ein Seiden-Kelim?
Ein Seiden-Kelim kommt nach dem Datenblatt dieser Seite aus Iran und Indien; beide Länder stehen dort gleichrangig als Hauptproduktion nebeneinander. Regional geführt wird der Stil unter Persien, weil jeder Eintrag im Register genau eine Region trägt. Das ist eine Registerentscheidung und keine Aussage darüber, wo überall gewebt wird.
Auf der iranischen Seite ist der Seiden-Kelim städtische Manufakturware und kein Erzeugnis nomadischer Hauswirtschaft: gewebt wird an feststehenden Webstühlen, nach gezeichneter Vorlage und mit gekaufter, gefärbter Seide, anders als bei den Stammeskelims Südpersiens oder Nordafghanistans. Als persische Adresse der Seidenverarbeitung steht im Register Ghom. Aus dem indischen Raum kommt unter anderem die Kaschmir-Seide, dort allerdings als geknüpfte Ware mit 300.000 – 1.000.000 Knoten/m².
Die Türkei nennt das Datenblatt dieser Seite nicht. Die anatolischen Seidenadressen führt das Register als geknüpfte Ware: die Hereke-Seide mit 800.000 – 2.000.000 Knoten/m² und den Hereke selbst. Ob und in welchem Umfang in Anatolien auch flachgewebte Seide entsteht, ist hier nicht belegt, und diese Seite trägt dazu keine Angabe.
Welche Muster und Farben zeigt ein Seiden-Kelim?
Ein Seiden-Kelim zeigt die Formensprache der städtischen Manufakturen: kleine Medaillons im Mittelfeld, Boteh-Streufüllungen oder feine Ranken, gerahmt von mehrteiligen Bordüren mit Palmetten und Wolkenbändern. Da die Schlitzwirkerei keine runde Kontur zulässt, lösen die Werkstätten florale Motive in feinste Treppen auf, die das Auge aus Distanz als Rundung wahrnimmt.
Die Farbpalette nutzt den Seidenglanz bewusst. Verbreitet sind helle Untergründe in Elfenbein, Champagner und Beige, ergänzt durch Akzente in Türkis, Aubergine, Rosé, Gold, Korallenrot und Salbeigrün. Seide nimmt Farbstoffe intensiv auf, deshalb wirken die Töne kühler und brillanter als bei Wolle. Manche Werkstätten arbeiten mit Naturfarben, andere mit säurefesten Synthesefarben; woran sich beides unterscheiden lässt, steht unter Naturfarben erkennen.
Woraus besteht ein Seiden-Kelim, und wie wird er gewebt?
Ein Seiden-Kelim besteht aus einem musterbildenden Schuss aus Seide auf einer gespannten Kette, die je nach Werkstatt ebenfalls aus Seide oder aus feinem Baumwoll- oder Wollgarn gezogen wird. Das Datenblatt nennt als Material nur Seide und legt die Kette nicht fest. Vor dem Weben wird die Seide degummiert, gehaspelt, gefacht und gefärbt.
Die Webtechnik ist die klassische Schlitzwirkerei wie bei jedem Kelim: Auf dem Webstuhl wird jeder farbige Schuss in seinem eigenen Feld hin- und hergeführt und mit dem Kamm dicht angeschlagen. An senkrechten Farbgrenzen entsteht der typische Kelim-Schlitz. Einen Pol und Knoten gibt es nicht, und damit auch keine Knotendichte. Den Gesamtablauf des Flachwebens erklärt die Seite Weben im Bereich Herstellung.
Da Seide dünner ist als Schurwolle, sind die Schussfäden sehr fein. Das macht das Gewebe leicht und empfindlicher gegenüber Druck und Nässe als ein Wollkelim. Die Oberfläche bleibt flach, hat aber durch die Faserstruktur einen sichtbaren Längsglanz.
Woran misst man die Qualität eines Seiden-Kelims?
Die Qualität eines Seiden-Kelims misst man an der Dichte und Gleichmäßigkeit des Schusses, an der Feinheit der Garne, an der Sauberkeit der Farbgrenzen, an der Klarheit der Bordüren und an der Reinheit der Färbung. Eine Knotenzahl gibt es hier nicht, und sie lässt sich aus der Schussdichte auch nicht umrechnen.
Im Feld Knotendichte steht deshalb der Eintrag "Flachgewebe (feinste Struktur)". Das ist eine Einordnung in Worten und kein Messwert. Messbar am Stück ist die Schussdichte, also die Zahl der Schussfäden pro Zentimeter, die sich auf der Rückseite mit einem Lineal abzählen lässt; eine belegte Zahl für Seiden-Kelims steht im Datenblatt nicht. Verlässlich ist die Richtung: Je dichter und gleichmäßiger der Schuss eingeschlagen ist, desto kleinteiliger lässt sich zeichnen und desto ruhiger liegt das Gewebe.
Bei der Faser selbst gilt: Je länger der Faden, desto stabiler und glänzender das Gewebe. Langfaserige Maulbeerseide reflektiert das Licht in einem schmalen Winkel, kurzfaserige Schappeseide wirkt matter und wird schneller stumpf. Wer sammelt, fragt deshalb nach der Faserqualität und nicht nur nach der Webung.
Wo steht ein Seiden-Kelim zwischen Wollkelim, Seidenteppich und Viskose?
Ein Seiden-Kelim steht zwischen zwei Gruppen: Die Bauart teilt er mit dem Wollkelim, das Material mit dem geknüpften Seidenteppich, und von beiden trennt ihn jeweils das andere Merkmal. Die Spalten Webung und Material geben wörtlich wieder, was das Datenblatt der jeweiligen Stilseite in den Feldern Knotendichte und Material nennt.
| Typ | Webung laut Datenblatt | Material laut Datenblatt | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Kelim Seide | Flachgewebe (feinste Struktur) | Seide | flach, ohne Flor, beidseitig nutzbar, schillernd |
| Ghom-Seide | 600.000 – 1.200.000+ Knoten/m² | Seide auf Seide | geknüpft, weicher Seidenflor, Manufakturware |
| Hereke-Seide | 800.000 – 2.000.000 Knoten/m² | Seide auf Seide | geknüpft, osmanische Zeichnung, häufig signiert |
| Kelim Maimene | Flachgewebe (keine Knoten) | Wolle | flach, geometrische Zeichnung, robust |
| Viskose, mercerisierte Baumwolle | kein Datenblatt im Register | kein Datenblatt | im Handel als Kunst-, Bambus- oder Bananenseide |
Die letzte Zeile ist der Vergleich, auf den es beim Einkauf ankommt, und der Unterschied dort ist chemisch und nicht graduell. Maulbeerseide ist eine Proteinfaser wie Wolle und Haar, Viskose und mercerisierte Baumwolle sind Zellulosefasern wie Baumwolle und Papier. Keine der drei Fasern schmilzt: Wer eine harte Kugel schmelzen sieht, hat eine echte Synthetikfaser wie Polyester oder Polyamid vor sich, das Schmelzverhalten trennt Seide also nicht von ihren beiden häufigsten Imitaten. Viskose ist dabei kein Mangel, sondern ein anderes Material, das licht- und reibungsempfindlicher ist und Feuchtigkeit schlechter verträgt. Entscheidend ist, dass die Faser im Klartext deklariert wird. Welche Prüfungen ohne Schaden am Stück möglich sind und welche die Faser zerstören, beschreibt Seide erkennen, den Materialvergleich zieht Seide oder Wolle.
Was bestimmt den Wert eines Seiden-Kelims?
Den Wert eines Seiden-Kelims bestimmen fünf Dinge: die Faser, die Dichte und Gleichmäßigkeit der Webung, die Reinheit der Färbung, das Format und der Zustand. Alter und Werkstattherkunft kommen hinzu.
Am stärksten wirkt die Faser, und genau dort wird im Handel am häufigsten unscharf formuliert. Ein Stück aus Maulbeerseide, eines aus Viskose und eines aus mercerisierter Baumwolle sind drei verschiedene Klassen, und welche vorliegt, entscheidet sich an der Faser und nicht am Handelsnamen. Deshalb steht die Materialprüfung vor jeder anderen Einordnung. Auch Mischgewebe aus Wolle und Seide oder aus Baumwolle und Seide gehören einzeln benannt und nicht pauschal unter das Wort Seide.
Wie lange ein einzelnes Stück am Webstuhl steht, lässt sich nicht seriös angeben. An breiteren Formaten sitzen mehrere Weberinnen gleichzeitig, und das Tempo hängt stark von der Erfahrung ab. Verlässlich ist nur die Richtung: je dichter der Schuss und je kleinteiliger das Muster, desto länger die Arbeit.
Zur Einordnung gehört außerdem die Bauart. Ein Seiden-Kelim ist ein leichtes Stück in kleinem Format, das seinen Platz an der Wand oder in wenig begangenen Bereichen hat, und kein Bodenteppich für Laufwege. Orientierung geben Was ist ein Teppich wert? und die Kaufberatung. Aktuelle Stücke mit Maßen und Preisen zeigt das Kelim-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Woran erkennt man einen echten Seiden-Kelim?
Einen echten Seiden-Kelim erkennt man daran, dass er keinen Flor trägt, dass Vorder- und Rückseite dasselbe Muster zeigen, dass an den senkrechten Farbgrenzen die Schlitze der Schlitzwirkerei durchscheinen, dass die Zeichnung aus feinen Treppen und nicht aus Kurven besteht und dass die Fläche beim Wechsel des Betrachtungswinkels zwischen matt und leuchtend springt. Eine Knotenzahl kann hier nichts beweisen, weil kein Knoten im Gewebe sitzt.
- Flachgewebe, kein Flor: Die Oberfläche ist flach. Ein samtiger Pol gehört zu einem geknüpften Seidenteppich wie der Ghom-Seide, nicht zum Kelim.
- Senkrechte Schlitze an Farbgrenzen: Bei feinen Manufakturstücken klein, gegen das Licht aber sichtbar.
- Beidseitig nahezu identisches Muster: Der Kelim ist wendbar, die Rückseite ist kein zweites, gröberes Gesicht.
- Glanz im Winkel: Das Stück wird ausgerollt und von beiden Schmalseiten angesehen. Maulbeerseide springt beim Winkelwechsel zwischen matt und leuchtend, Viskose glänzt aus fast jedem Winkel gleich stark, mercerisierte Baumwolle bleibt ruhig bis matt.
- Stufen statt Kurven: Runde Konturen sind in Schlitzwirkerei nicht herstellbar, feine Stücke lösen sie in sehr kleine Treppen auf.
- Fransen als verlängerte Kette: Teil des Gewebes, nicht angenäht, mit demselben Glanz wie das Mittelfeld.
Der Griff allein entscheidet nichts, denn Viskose ist ebenfalls glatt, nur etwas weicher und träger. Eindeutig ist erst die Faserprobe im Feuer, sie zerstört aber die geprüfte Faser und steht deshalb am Ende und nicht am Anfang; wo sie entnommen wird und was jedes Material zeigt, beschreibt die Anleitung zu Seide erkennen. Die Schritt-für-Schritt-Prüfung des Teppichs insgesamt gibt Ist mein Teppich echt?, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen.
Seiden-Kelim richtig pflegen
Seiden-Kelims sind die empfindlichsten Stücke der Kelim-Familie. Direkte Sonne lässt die Farben verblassen, Wasser und Reibung schädigen die Fasern dauerhaft. Im Alltag genügt vorsichtiges Absaugen mit Polsterdüse, ohne Bürstwalze und mit reduzierter Saugleistung, nur in Webrichtung. Niemals nass reinigen, niemals scharfe Reiniger.
Flecken mit weichem, feuchtem Tuch abtupfen, nicht reiben. Größere Verschmutzungen oder Wasserschäden gehören ausschließlich in eine spezialisierte Seidenreinigung. Lagerung locker gerollt in säurefreiem Papier, an einem trockenen, dunklen Ort. Eine Antirutschunterlage auf glattem Boden schützt die feinen Fransen. Vollständige Routinen stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Seiden-Kelim und einem geknüpften Seidenteppich?
Ein Seiden-Kelim ist ein Flachgewebe ohne Flor, sein Muster entsteht in Schlitzwirkerei, und beide Seiten sehen nahezu gleich aus. Ein geknüpfter Seidenteppich wie Ghom-Seide oder Hereke-Seide trägt einen Flor aus Seidenknoten, ist nur einseitig nutzbar und wird über eine Knotenzahl beschrieben. Der Kelim ist flacher, leichter und wendbar, dafür lässt seine Technik keine runde Kontur zu.
Hat ein Seiden-Kelim eine Knotendichte?
Nein. Ein Kelim hat keine Knoten, deshalb auch keine Knotendichte; das Datenblatt trägt in diesem Feld den Eintrag "Flachgewebe (feinste Struktur)". Beurteilt wird er über die Schussdichte, also die Zahl der Schussfäden pro Zentimeter. Auch der Name Senneh-Knoten hilft hier nicht weiter: Er bezeichnet nach der kurdischen Stadt Sanandaj eine Knotenart, die die Übersicht der Knotenarten zeigt, während der Kelim Senneh aus derselben Stadt gewebt und nicht geknüpft ist.
Wie erkenne ich echte Seide im Kelim?
Ohne die Faser zu beschädigen am Glanzwinkel und an den Fransen. Maulbeerseide reflektiert Licht in einem schmalen Winkel und springt beim Wechsel des Betrachtungswinkels zwischen matt und leuchtend, Viskose glänzt aus fast jedem Winkel gleich stark, mercerisierte Baumwolle bleibt ruhig bis matt. Die Fransen laufen als verlängerte Kettfäden aus dem Gewebe und sind nicht angenäht. Die Faserprobe im Feuer ist eindeutig, zerstört aber die geprüfte Faser und steht deshalb am Ende; das Vorgehen beschreibt der Beitrag Seide erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Seiden-Kelim und einem Viskose-Kelim?
Maulbeerseide ist eine Proteinfaser wie Wolle und Haar, Viskose eine Zellulosefaser wie Baumwolle und Papier, im Handel als Kunst-, Bambus- oder Bananenseide geführt. Viskose glänzt ähnlich intensiv, ist aber licht- und reibungsempfindlicher und verliert nass an Festigkeit. Im Feuer brennt sie schnell mit klarer Flamme und riecht nach verbranntem Papier, während Seide langsam verschwelt und nach verbranntem Haar riecht. Geschmolzen und getropft wird von keiner der beiden.
Sind Seiden-Kelims alltagstauglich?
Nur bedingt. Für stark genutzte Flächen oder Räume mit Sonneneinstrahlung sind sie schlecht geeignet, weil Reibung, Druck und Licht die Fasern schädigen. Ihr Platz sind repräsentative Bereiche, gerne als Wandbehang oder als dekoratives Stück auf einem Wollteppich.
Was kostet ein echter Seiden-Kelim?
Eine Zahl lässt sich nicht seriös nennen, weil Faser, Format, Schussdichte, Färbung, Alter und Erhaltung jedes Stück einzeln einordnen. Entscheidend ist zuerst das Material: Maulbeerseide, Viskose und mercerisierte Baumwolle sind drei Klassen und nicht eine, und welche vorliegt, entscheidet sich an der Faser und nicht am Handelsnamen. Erst danach zählen Webung und Zeichnung.
Wie pflege ich einen Seiden-Kelim richtig?
Nur trocken pflegen: mit Polsterdüse saugen, ohne Bürstwalze. Direkte Sonne vermeiden, niemals nass reinigen, niemals scharfe Reiniger. Flecken mit feuchtem Tuch abtupfen, größere Verschmutzungen in die spezialisierte Seidenreinigung. Lagerung locker gerollt in säurefreiem Papier, dunkel und trocken.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Kelim Seide-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.


