Knotenarten
Vier Knotenarten dominieren den klassischen Orientteppich. Welche ein Knüpfer verwendet, prägt Musterauflösung, Lebensdauer und Preis. Diese Seite zeigt die vier Knoten im direkten Vergleich.
#Was ein Knoten im Teppich bedeutet
Ein Knüpfknoten ist die kleinste Einheit eines handgeknüpften Teppichs. Jeder Florfaden wird einzeln um zwei oder vier Kettfäden geschlungen, in der nächsten Reihe folgt der nächste Knoten, bis am Ende mehrere hunderttausend bis über eine Million Knoten pro Quadratmeter zusammengekommen sind.
Welche Knotenart ein Knüpfer verwendet, prägt das gesamte Erscheinungsbild des Teppichs: die Feinheit des Musters, die Robustheit, sogar die Lebensdauer.
Vier Knotenarten dominieren den klassischen Orientteppich. Der türkische Ghiordes-Knoten, der persische Senneh-Knoten, der ungeliebte Jufti und der eigenständige tibetische Loop-Knoten.
#Ghiordes-Knoten: der türkische Knoten

Foto: Wikimedia Commons
Der Ghiordes-Knoten, benannt nach der westanatolischen Stadt Gördes, ist symmetrisch. Der Florfaden wird um zwei Kettfäden geführt und beidseitig zwischen ihnen zur Vorderseite gezogen. Beide Enden des Knotens sind gleich lang sichtbar.
Diese Symmetrie macht den Ghiordes-Knoten besonders robust und gut sichtbar. Die einzelnen Knoten sind groß, der Flor wirkt kräftig. Türkische, kaukasische, kurdische und nordwestpersische Teppiche verwenden fast ausschließlich diesen Knoten. Beispiele sind Bergama, Kazak, Heriz und viele kurdische Stücke.
Seine Schwäche ist die begrenzte Detailauflösung. Filigrane Muster mit feinen Bögen lassen sich mit dem Ghiordes-Knoten kaum sauber knüpfen.
#Senneh-Knoten: der persische Knoten

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Der Senneh-Knoten, benannt nach der westiranischen Stadt Sanandaj (früher Senneh), ist asymmetrisch. Der Florfaden wird einmal um einen Kettfaden geschlungen und nur unter dem zweiten hindurchgeführt. So liegt nur ein Ende des Knotens an der Oberfläche, das andere ist verdeckt.
Diese Asymmetrie erlaubt deutlich höhere Knotendichten und feinere Musterdetails. Persische Stadtmanufakturen wie Isfahan, Nain, Ghom, Täbriz oder Keschan verwenden ausschließlich den Senneh-Knoten. Auch indische Knüpfer und ein Großteil der modernen pakistanischen Produktion arbeiten asymmetrisch.
Wer feine Arabesken, Medaillons mit präzisen Bögen oder figurative Darstellungen sehen will, sieht Senneh-Knoten.
#Jufti: der schnelle Doppelknoten

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Der Jufti-Knoten ist eine Variante, die Zeit spart und Qualität opfert. Der Knüpfer wickelt den Florfaden nicht um zwei, sondern um vier Kettfäden gleichzeitig. Damit halbiert sich die Knotenzahl pro Quadratmeter, und der Knüpfer kommt etwa doppelt so schnell voran.
Optisch wirkt ein Jufti-Teppich auf den ersten Blick wie ein normaler persischer Senneh-Knüpfteppich, ist aber lockerer und weniger haltbar. Der Flor lässt sich leichter aus dem Grundgewebe herausziehen, der Teppich verliert schneller seine Form. Jufti-Knoten sind in einigen Teppichen aus dem persischen Khorasan, in günstigen indischen Massenprodukten und in vielen Importwaren des unteren Preissegments verbaut.
Ein einfacher Test: Drehen Sie den Teppich um und zählen Sie die Knoten in einem Zentimeter-Streifen. Bei vergleichbarer Faserstärke liegt die Knotenzahl bei einem Jufti-Teppich deutlich unter dem Üblichen für die behauptete Provenienz.
#Tibetischer Loop-Knoten
Tibetische Teppiche werden mit einem ganz eigenen Verfahren geknüpft. Der Florfaden wird nicht um die Kette gewickelt, sondern in einer durchgehenden Schlaufe um einen Metallstab geführt, der parallel zur Kette gespannt ist. Sobald die Schlaufenreihe fertig ist, schneidet der Knüpfer die Schlaufen mit einem Messer auf, und der Stab wird für die nächste Reihe versetzt.
Das Ergebnis ist ein gleichmäßiger Flor mit einer charakteristisch dichten, fast samtigen Oberfläche. Der tibetische Loop-Knoten ist für moderne, oft minimalistische Designs typisch geworden, weil er sich für ungewöhnliche Florhöhen, Reliefstrukturen und große Farbflächen besonders gut eignet.
In Hand-Tibetan-Manufakturen aus Nepal, Indien und Tibet selbst entstehen heute viele zeitgenössische Designerteppiche.
#Knotendichte: was die Zahlen bedeuten
Foto: Wikimedia Commons
Die Knotendichte ist das wichtigste objektive Qualitätsmerkmal eines handgeknüpften Teppichs. Sie wird in Knoten pro Quadratmeter angegeben (oft kurz: K/m²).
Drei grobe Bereiche helfen bei der Einordnung. Bis 200.000 K/m²: einfache Stammes- und Nomadenteppiche, robuste Massenware aus Indien und Pakistan. 200.000 bis 500.000 K/m²: gute Manufakturteppiche, feine persische Provenienzen wie Heriz oder Bidjar, gehobene moderne Produktion. 500.000 K/m² und darüber: feinste Manufakturteppiche, klassische Isfahan, Nain mit Seide, Hereke. Spitzenstücke aus Hereke oder Ghom erreichen 1,5 bis 2 Millionen K/m² und mehr.
Eine höhere Knotendichte bedeutet feinere Musterdetails und längere Lebensdauer, aber auch deutlich höheren Preis und längere Knüpfzeit. Ein einzelner Knüpfer schafft 8.000 bis 12.000 Knoten am Tag. Bei einer Million Knoten pro Quadratmeter sind das mehrere Jahre Arbeitszeit für einen Teppich mittlerer Größe.
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