Teppich FibelTeppich Fibel

Glossar

Die wichtigsten Fachbegriffe rund um orientalische Teppiche, kurz und verständlich erklärt.

A

Abrash
Natürliche Farbabweichungen innerhalb einer Teppichfläche, die durch unterschiedliche Färbechargen oder Wollsorten entstehen. Bei handgeknüpften Teppichen ein Qualitätsmerkmal.
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Alaun-Beize
Klassischste Naturbeize, zieht den Farbstoff in die Faser, ohne sie zu schädigen.
Allover-Muster
Durchgehendes Muster ohne zentrales Medaillon, wiederholende Motive füllen die gesamte Teppichfläche gleichmäßig aus.
Antik-Finish
Chemische oder thermische Behandlung, die neuen Teppichen ein gealtertes Aussehen verleiht. Nicht zu verwechseln mit echten Antikteppichen.
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Arabeske
Geschwungenes, rankenartiges Ornament aus floralen Motiven und Blattwerk, häufiges Gestaltungselement in persischen Werkstatt-Teppichen.
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Art Silk
Sammelbegriff für Seideimitate aus Viskose, Polyester oder Bananenfaser. Im Handel oft irreführend als Seide ausgewiesen.
Asymmetrischer Knoten
Oberbegriff für den Senneh-Knoten. Schlingt nur einen Kettfaden voll, der zweite trägt den Faden lose. Erlaubt feinere kurvige Muster.

B

Baummotiv
Lebensbaum als zentrales Bildmotiv. Symbolisiert Fruchtbarkeit, Paradies und kosmische Achse, häufig in Gebets- und Bilderteppichen.
Beize
Metallsalzlösung, die den Farbstoff auf der Faser fixiert. Alaun für klare Töne, Eisen für dunkle, Chrom für synthetische Farben.
Bilderteppich
Figürlich gemusterter Teppich mit Jagdszenen, Porträts oder Erzählmotiven. Häufig zur Wandbehängung bestimmt, weniger zum Begehen.
Bordüre
Umlaufender Rahmen eines Teppichs, meist aus mehreren parallelen Streifen mit unterschiedlichen Mustern, der das Mittelfeld einfasst.
Boteh
Tropfen- oder mandelförmiges Motiv mit gebogener Spitze, in Europa als Paisley bekannt. Stammt ursprünglich aus persischer Tradition.
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Brücke
Format zwischen Yastik und Dosar, etwa 100 × 150 cm. Klassisches Vorlegerformat für Wohnräume.

C

Care & Fair
Deutsche Fair-Trade-Initiative europäischer Teppichimporteure, 1994 von Manfred Kern gegründet. Umsatzbeiträge der Mitglieder finanzieren Schulen und Sozialprojekte in den Knüpferregionen.
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Chemiewäsche
Industriewaschverfahren mit Chlor oder Tee, das Glanz und Farbtonung reguliert. Norm im Hamburger Speicherstadt-Showroomprozess.
Chromfarben
Synthetische Farbstoffe, die mit Chromsalzen auf der Wolle fixiert werden. Sehr lichtecht, aber weniger lebendig als Pflanzenfarben.
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Cochenille
Tierischer Farbstoff aus Schildläusen, erzeugt karminrote bis purpurne Töne. In Anatolien und im Kaukasus seit dem 16. Jahrhundert eingesetzt.

D

Dosar
Persisches Format um 200 × 300 cm, „zwei Zar“ für das Wohnzimmer. Gegenstück zum kleineren Dozar.
Dozar
Persisches Standardformat von etwa 130 × 200 cm ("zwei Zar"). Einer der klassischen Größenstandards für Zimmerteppiche.
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Duktus
Charakteristische Knüpfhandschrift einer Region oder eines Knüpfers, erkennbar an Linienführung, Konturen und Mustertreue.

E

Eichengallen
Gerbsäurereiche Auswüchse, erzeugen Schwarz und Dunkelbraun. Frisst auf Dauer die Wolle (Eisenmordant), typisch für eingesunkene schwarze Konturen.
Eisenbeize
Beize aus Eisensulfat, dunkelt Töne und kann auf Dauer die Wolle korrodieren. Erkennbar an eingesunkenen schwarzen Linien.
Elefantenfuß
Westlicher Handelsname für den Tekke-Gül, weil das Motiv an Elefantenabdrücke erinnert.
Embossed
Englische Bezeichnung für reliefartig nachgeschorene Teppiche. Ursprünglich Handarbeit, heute auch maschinell als Marketingbegriff verwendet.
Eslimi
Persischer Begriff für die geschwungene Arabeskenranke. Trägt Palmetten und Rosetten und füllt das Feld als gleichmäßiges Geflecht.

F

Falscher Knoten
Sammelbegriff für Sparknoten wie Jufti. Überspringt Kettfäden, halbiert die Arbeitszeit, halbiert die Lebensdauer.
Farsibaff
„Persisch geknüpft“. Feine Dorfwerkstattqualität zwischen Stadtarbeit und Nomadenarbeit.
Feldermuster
Aufteilung der Innenfläche in gleichgroße rechteckige oder rautenförmige Felder, die jeweils ein eigenes Motiv tragen.
Flor
Die Oberfläche des Teppichs, die durch die geschnittenen Knotenenden gebildet wird. Die Florhöhe variiert je nach Stil von kurz (Nain) bis lang (Gabbeh).
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Flüchtige Farbe
Synthetischer Frühfarbstoff (besonders Anilin um 1880), der bei Licht oder Waschen rasch ausblasst. Wertmindernd.
Fransen
Enden der Kettfäden, die an den beiden kurzen Seiten des Teppichs sichtbar sind. Ihre Länge und Zustand geben Hinweise auf Alter und Qualität.
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G

Galerie-Teppich
Extra langer Läufer ab etwa 300 cm Länge, für Korridore und Treppenabgänge. Verwandt mit dem Kenareh-Format.
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Gebetsteppich
Kleinformatiger Teppich mit einer Nische (Mihrab) als zentrales Motiv, die beim Beten Richtung Mekka zeigt. Häufig bei türkischen und afghanischen Teppichen.
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Ghazni-Wolle
Berghochlandwolle aus Afghanistan, lanolinreich und elastisch. Standardmaterial für Ziegler- und Chobi-Teppiche.
Ghiordes-Knoten
Symmetrischer Doppelknoten, benannt nach der türkischen Stadt Gördes. Wird vor allem in türkischen und kaukasischen Teppichen verwendet.
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Gol Farangh
"Europäische Blume", naturalistisches Rosenmotiv nach westlichem Vorbild. Zeigt den europäischen Einfluss auf persische Knüpfkunst des 19. Jahrhunderts.
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Goldwäsche
Spezielle Nachbehandlung, die warmes goldgelbes Leuchten erzeugt. Häufig bei Ziegler-Teppichen für den westlichen Markt.
GoodWeave
Internationale NGO und Siegel gegen Kinderarbeit in der Teppichproduktion. Unangekündigte Inspektionen sichern eine transparente Lieferkette; jedes Etikett trägt eine prüfbare Seriennummer.
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Grundgewebe
Tragendes Geflecht aus Kette und Schuss, in das die Knoten eingebunden werden. Bestimmt Stabilität und Form des Teppichs.
Gul
Achteckiges oder rautenförmiges Medaillon-Motiv, das typisch für turkmenische Teppiche ist. Jeder Stamm hat sein eigenes Gul-Muster.
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H

Handgeknüpft
Traditionelle Fertigungstechnik, bei der jeder einzelne Knoten per Hand um Kettfäden geschlungen wird. Erkennbar an leichten Unregelmäßigkeiten auf der Rückseite.
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Handgewebt
Flachgewebe ohne Knoten, Muster entstehen durch farbige Schussfäden. Typisch für Kelim-Teppiche.
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Handtufting
Halbmaschinelles Verfahren, bei dem Schlaufen mit einer Pistole von hinten in ein Trägergewebe geschossen und mit Latex fixiert werden. Keine echten Knoten, kein Knüpfteppich.
Hatschlu (Ensi)
Turkmenischer Türbehang in Teppichform mit charakteristischem Kreuz-Feld. Diente in Nomadenzelten als Eingangsvorhang.
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Heatset
Thermisches Fixierverfahren für Synthetikgarne (meist Polypropylen). Stabilisiert die Schnittpole und sorgt für Volumen und Standfestigkeit.
Henna
Orange-roter Pflanzenfarbstoff, in Belutsch- und Turkmenenteppichen für warme Akzenttöne verwendet.
Herati
Klassisches Muster aus einem Rautenrahmen mit zentraler Rosette und vier gebogenen Blättern (Fisch-Motiv). Sehr verbreitet in persischen Dorfteppichen.
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I

Indigo
Pflanzlicher Farbstoff aus der Indigopflanze, der tiefe Blautöne erzeugt. Einer der wichtigsten Naturfarbstoffe orientalischer Teppiche.
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J

Jagdteppich
Klassisches persisches Sujet mit Reitern und Wildtieren im Feld. Hauptwerke entstanden im 16. Jahrhundert in Tabriz und Kashan.
Jufti-Knoten
Sparknoten, bei dem ein Knoten vier statt zwei Kettfäden umschlingt. Reduziert Arbeitszeit und Knotenzahl, typisch für Mashhad und Kaschmar.
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K

Kahlstellen
Bereiche mit komplett abgelaufenem Flor, meist auf Lauflinien. Ohne Repilage irreparabel.
Kalligraphie
In den Teppich eingewebte arabische oder persische Schriftzeichen, häufig Verse, Datierungen oder Signaturen des Knüpfers.
Kammschlag
Verdichten der Schussreihe mit dem eisernen Kamm nach jeder Knotenreihe. Bestimmt die Festigkeit des Gewebes.
Karatschoph
Kazak-Untergruppe mit großem Mittelmedaillon und vier Eckquadraten. Eines der bekanntesten Kazak-Designs.
Karton (Teppichentwurf)
Maßstabsgetreue Musterzeichnung auf kariertem Papier, jedes Kästchen entspricht einem Knoten. Grundlage für Werkstatt-Teppiche.
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Kartusche
Längliches, oft gewölbtes Mustermedaillon in der Bordüre, das Inschriften oder eigenständige Ornamente aufnimmt.
Kelim
Flachgewebe ohne Flor, bei dem Muster durch farbige Schussfäden erzeugt werden. Leichter und dünner als geknüpfte Teppiche.
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Kellegi
Persisches Langformat, etwa 150-200 × 350-500 cm, klassisch für die Kopfposition in der Drei-Teppich-Anordnung.
Kenareh
Schmaler, langer Läufer (etwa 80–120 × 300–500 cm). Traditionell entlang Wänden oder im Korridor persischer Wohnräume platziert.
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Kermes
Älterer tierischer Rotfarbstoff aus Schildläusen der Eichen, vor Cochenille die wichtigste Quelle für tiefes Rot.
Kette (Warp)
Die senkrecht gespannten Fäden auf dem Webstuhl, um die die Knoten geschlungen werden. Meist aus Baumwolle, bei edlen Stücken aus Seide.
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Kettspannung
Spannung der senkrechten Kettfäden auf dem Webstuhl. Ungleichmäßige Spannung erzeugt schiefe Teppiche und Wellenbildung.
Knotendichte
Anzahl der Knoten pro Quadratmeter. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal, höhere Dichte ermöglicht feinere Muster und deutet auf aufwendigere Handarbeit hin.
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Krapp
Pflanzlicher Farbstoff aus der Krappwurzel (Rubia tinctorum), der satte Rottöne erzeugt. Klassischer Naturfarbstoff für Teppiche aus Iran und Afghanistan.
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Kufi-Bordüre
Bordürenmotiv aus stilisierter arabischer Kufi-Schrift, in kaukasischen Stücken besonders kraftvoll vereinfacht.
Kurkwolle
Besonders weiche Wolle vom Bauch und Hals junger Schafe. Wird in den feinsten persischen Teppichen wie Isfahan oder Täbriz verwendet.
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L

La-Klassifizierung
Qualitätssystem für Nain-Teppiche: Die Zahl (4la, 6la, 9la, 12la) gibt die Anzahl der Kettfäden pro Knoten an. Je niedriger, desto feiner der Teppich.
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Lammwolle
Wolle aus der ersten Schur eines Schafs unter sieben Monaten. Besonders weich, häufig in feinen persischen Werkstattteppichen.
Lanolin
Natürliches Wollfett, das die Faser geschmeidig hält und Schmutz abweist. Aggressives Waschen entfernt es und verkürzt die Lebensdauer.
Laufender Hund
T-förmiges Wellenband als Bordürenmotiv, griechischer Ursprung, häufig in kaukasischen und persischen Teppichen.
Lechek-Toranj
Persisches Standardlayout mit zentralem Medaillon und vier Eck-Spandrels. Grundriss vieler Tabriz- und Isfahan-Teppiche.
Loribaff
„Lori geknüpft“. Nomaden- und Halbnomadenqualität im Zagros-Bergland, oft mit Gabbeh-Charakter.
Lul
Innere Schussreihe zwischen zwei Knotenreihen, fixiert die Knoten vor dem Anschlagen. Sichtbar als feiner Querfaden auf der Rückseite.

M

Mafrasch
Großformatige Aufbewahrungstasche der Nomaden, geknüpft oder im Sumakh-Verfahren gewebt. Diente dem Transport von Habseligkeiten.
Mahi
„Fisch“-Variante des Herati-Musters mit langgezogenen Blättern. Typisch für Bidjar und Hamadan.
Manchester-Wolle
Hochwertige englische Kammgarnwolle, im 19. Jahrhundert nach Persien importiert. Heute Synonym für besonders glänzende, gleichmäßige Wolle.
Medaillon
Zentrales Motiv im Teppichfeld, meist oval oder rautenförmig. Eines der häufigsten Designelemente in persischen Teppichen.
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Mercerisierte Baumwolle
Mit Natronlauge behandelte Baumwolle, glänzt fast seidig und wird in Gebetsteppichen als Seide-Imitat verwendet.
Mihrab
Bogenförmige Gebetsnische, typisches Motiv auf Gebetsteppichen. Zeigt beim Beten in Richtung Mekka.
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Mina Chaneh
Allover-Rapport aus Rosetten in geometrischer Rasterung. Eng verwandt mit dem Mina-Khani-Muster, jedoch strenger gegittert.
Mina Khani
Allover-Muster aus rautenförmig angeordneten Blüten mit kleinen Zwischenblüten. Typisch für Teppiche aus Waramin und Veramin-Region.
Mir-e-boteh
Allover-Muster aus eng gesetzten kleinen Boteh-Motiven, das dem Mir-Teppich seinen Namen gab.
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Mottenfraß
Fraßspuren der Kleidermottenlarven am Wollflor und an der Kette. Erkennbar an Lochmustern und Flormulden.

N

Nachgeschoren
Florhöhe nach Fertigung künstlich verkürzt, entweder zur Musterklarheit oder um Verschleiß zu kaschieren.
Neuseelandwolle
Helle, langfaserige Schurwolle mit hohem Lanolinanteil. Wegen Reinheit und Färbbarkeit für hochwertige Knüpfteppiche geschätzt.
Niedriger Flor
Spürbar abgenutzter, aber intakter Flor. Mindert den Wert moderat, verhindert Restauration nicht.
Nimbaff
Persische Klassifikation für mittlere Knüpfdichte. Bezeichnet Teppiche mit etwa der halben Knotenzahl eines Shahrbaff oder Farsibaff.
Nomadenteppich
Auf tragbaren Horizontalwebstühlen von Nomadenstämmen geknüpft, oft aus reiner Wolle mit natürlichen Farben und freien Mustern ohne Karton.
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O

Offener Knoten
Knoten, bei dem die Wolle nach links oder rechts geneigt austritt. Verrät die Knüpfrichtung und damit oft die Herkunftsregion.
Oxidierte Konturen
Eingesunkene schwarz oder dunkelbraun konturierte Linien durch Eisenbeize. Charakteristisches Reliefspiel auf alten Teppichen.

Ö

Öko-Tex Standard 100
Schadstoffsiegel für Textilien, das auch auf Teppiche angewendet wird. Prüft Pestizide, Schwermetalle, Formaldehyd, AZO-Farbstoffe und Phthalate, sagt aber nichts über soziale Produktionsbedingungen aus.
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P

Palmette
Stilisierte Lotusblütenform als zentrales Medaillon-Element. Klassisches Motiv persischer Werkstatt-Teppiche seit dem 16. Jahrhundert.
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Patina
Natürliche Alterungsspuren eines Teppichs: leichte Farbverblassung, seidiger Glanz und weichere Wolle. Bei antiken Stücken wertsteigernd.
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Patrone
Gerasterte Knüpfvorlage auf Karopapier, in der jedes Quadrat einem Knoten und einer Farbe entspricht. Brücke zwischen Entwurf und Knüpfstuhl.
Pazyryk
Der älteste erhaltene Knüpfteppich der Welt, 1947 in einem skythischen Kurgan in Sibirien entdeckt. Datiert auf etwa 400 v. Chr.
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Persischer Knoten
Synonym für den Senneh-Knoten, im Handel häufig dem türkischen Knoten gegenübergestellt.
Pflanzenfarben
Natürliche Farbstoffe aus Pflanzen wie Krapp (rot), Indigo (blau), Reseda (gelb) oder Walnussschale (braun); auch "vegetabil gefärbt" genannt. Erzeugen lebendige, mit der Zeit sanft verblassende Töne.
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Poschti
Kleinformatiger Teppich (etwa 60 × 90 cm), ursprünglich als Kissenunterlage oder Rückenlehne in persischen Wohnräumen verwendet.
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Provenienz
Lückenlose Herkunfts- und Besitzgeschichte eines Teppichs. Bei Antikstücken wertbestimmend.

R

Raj
Maßeinheit für die Knotenfeinheit bei Täbriz-Teppichen. Gibt die Anzahl der Knoten auf 7 cm Breite an. 50 Raj gilt als fein, 70+ Raj als sehr fein.
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Rand
Schmale Abschlusskante an den Längsseiten eines Teppichs, meist überknotet oder überwendlich genäht zum Schutz der Knoten.
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Rapportmuster
Sich gleichmäßig wiederholende Mustereinheit, die das gesamte Teppichfeld füllt. Grundprinzip vieler Allover-Designs.
Reliefschur
Nachträgliches Heraustrennen einzelner Konturen mit der Schere, das dem Muster eine plastische Tiefe verleiht. Klassisch in Pekinger und Tabriz-Werkstätten.
Repilage
Restaurationstechnik, bei der fehlende Knoten in Originalfarbe nachgeknüpft werden. Bei Antikteppichen wertstabilisierend.
Reseda
Pflanzlicher Farbstoff aus dem Färberwau (Reseda luteola), der leuchtende Gelbtöne erzeugt. Einer der ältesten natürlichen Farbstoffe.
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Restaurieren
Fachgerechte Wiederherstellung beschädigter Teppiche durch Nachknüpfen, Fransen- und Kantenarbeit. Bewahrt Wert und Substanz alter Stücke.
Rittersporn
Pflanzlicher Gelbfarbstoff, neben Reseda zweitwichtigste Gelbquelle in persischen Teppichen.
Rosette
Stilisierte Blütenform in Aufsicht, Grundbaustein vieler Allover-Muster und Bordürenmotive.
RugMark
Erstes Siegel gegen Kinderarbeit in der Teppichknüpfung, 1994 in Indien gegründet. International 2009 in GoodWeave aufgegangen; in Indien weiter als RugMark India aktiv.
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S

Salor-Gül
Älterer Gül der Salor-Turkmenen, häufig in dunklem Rot. Oft als Hauptgül in Hatschlu-Türbehängen.
Sardar
Bezeichnung für den breiten Hauptstreifen der Bordüre, der meist die aufwendigste Mustergestaltung des Rahmens trägt.
Schah-Abbas
Klassisches persisches Mustersystem aus großen Palmetten, Wolkenbändern und verschlungenen Arabesken, benannt nach Schah Abbas I. (1571 bis 1629). Es entstand in den safawidischen Hofmanufakturen und prägt bis heute feine Stadtteppiche aus Isfahan, Nain und Kaschan. Verbreitete Varianten sind Schah-Abbas-Ranken und das Schah-Abbas-Palmettenmotiv.
Schurwolle
Wolle vom lebenden Schaf, im Gegensatz zu Sterbe- oder Gerberwolle. Garantiert Lanolin und längere Faserstruktur.
Schuss (Weft)
Die waagerechten Fäden, die nach jeder Knotenreihe durch die Kette gezogen werden, um die Knoten zu fixieren.
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Seide
Edelstes Material für Teppichknüpfung. Erzeugt feinsten Flor mit charakteristischem Glanz und Farbtiefe. Typisch für Ghom, Hereke und Kaschmir.
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Senneh-Knoten
Asymmetrischer Einzelknoten, benannt nach der Stadt Sanandaj. Wird vor allem in persischen Teppichen verwendet und ermöglicht besonders feine Muster.
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Shahrbaff
"Stadt-geknüpft", Qualitätsbezeichnung für feine Werkstattarbeit in persischen Städten. Gegensatz zu Farsibaff (dörflich) und Loribaff (nomadisch).
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Shirazi
Technik der Kantenumwicklung an den Längsseiten des Teppichs. Schützt die Webkante und ist nicht mit den Fransen (Kettenden) zu verwechseln.
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Signatur
In Knüpfschrift eingearbeiteter Name des Meisters oder der Manufaktur, meist in einer Kartusche am oberen Feldrand.
Spandrel / Zwickel
Dreieckige Eckfelder eines Teppichs, die oft ein Viertel des Medaillons spiegeln oder eigene Motive tragen.
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STEP Fair Trade
Schweizer Zertifizierung für fair gehandelte Teppiche, gegründet 1995. Prüft faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen, ökologische Standards in der Färberei und das Verbot von Kinderarbeit.
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Stockflecken
Schimmelbedingte braune Flecken durch Feuchtigkeit in Lagerung. Schwer entfernbar, oft wertmindernd.
Sumach / Soumak
Flachgewebe-Technik, bei der farbige Schussfäden um die Kettfäden gewickelt werden. Erzeugt eine reliefartige Oberfläche; typisch für kaukasische Teppiche.
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Symmetrischer Knoten
Oberbegriff für den Ghiordes-Knoten. Wolle umschlingt zwei Kettfäden gleichmäßig. Robust, etwas grober im Musterbild.

T

Talim
Schriftliche Musteranleitung, die beim Knüpfen vorgelesen wird. Kodiert Farbe und Anzahl der Knoten pro Reihe.
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Tekke-Gül
Stammes-Gül der Tekke-Turkmenen, oktagonal mit Vierteilung. Das bekannteste turkmenische Stammeszeichen.
Tencel / Lyocell
Modernere Viskose-Variante mit geschlossenem Lösungsmittelkreislauf. Im Hochpreis-Designteppich als Seideersatz im Einsatz.
Tibetische Wolle
Hochlandwolle mit dickem Faserquerschnitt und hohem Lanolinanteil. Charakteristisch für Tibet- und Nepalknüpfungen.
Tibetischer Knoten
Knüpftechnik, bei der die Wolle um einen Hilfsstab gelegt wird. Ermöglicht sehr gleichmäßige Knüpfung, typisch für Nepal-Teppiche.
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Tiermotiv
Stilisierte oder realistische Darstellungen von Vögeln, Hirschen, Löwen oder Drachen. Oft mit symbolischer Bedeutung für Schutz und Macht.
Tschintamani
"Drei Kugeln und Streifen", uraltes buddhistisches Motiv, das über die Seidenstraße in osmanische und persische Teppiche gelangte.
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Tschitschi
Kaukasischer Stil aus dem nordöstlichen Aserbaidschan mit feiner Diagonalbordüre.

U

Unikat
Handgeknüpfter Teppich, dessen Muster, Farbgebung und Format nur einmal existieren. Resultat individueller Entwürfe und Knüpferhandschriften.

Ü

Überfärbt
Nachträglich mit kräftigem Farbton (meist grau, blau oder anthrazit) gefärbter Vintage-Teppich. Designprodukt, kein Original.

V

Vasenmotiv
Zentrale Vase, aus der florale Ranken in das Feld wachsen. Leitmotiv der klassischen Vasenteppiche aus Kerman im 17. Jahrhundert.
Vierjahreszeiten-Teppich
Persischer Bildteppich mit vier Feldern, die jeweils eine Jahreszeit durch Vegetation, Tiere und Tätigkeiten symbolisieren.
Vintage-Teppich
Älterer Gebrauchsteppich, oft überfärbt oder nachträglich dekontrastiert für modernen Wohnstil. Nicht identisch mit echten Antikteppichen.
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Viskose
Halbsynthetische Faser aus Holzzellulose, oft als „Bambusseide“ oder „Kunstseide“ verkauft. Glänzt, ist aber wenig strapazierfähig.
Vollflor
Teppich mit unverbrauchtem, vollständigem Flor. Höchste Zustandskategorie für gebrauchte Stücke.

W

Wagireh
Musterteppich mit mehreren unterschiedlichen Mustervarianten auf einem Stück. Diente Werkstätten zur Präsentation ihres Repertoires an Kunden.
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Walnussschale
Pflanzlicher Farbstoff aus der grünen Schale, erzeugt warmes Braun bis Schwarzbraun. Klassisch für Konturlinien.
Washed / gewaschen
Nachbehandlung, bei der der fertige Teppich chemisch oder mit Tee gewaschen wird, um einen sanfteren, vintageartigen Farbton zu erzielen.
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Weinglas-Bordüre
Bordürenmuster aus stilisierten Kelchen mit aufsteigenden Ranken. Verbreitet in kaukasischen und nordwestpersischen Teppichen.
Wolkenband
Chinesisches Motiv geschwungener Wolkenlinien, das über die Seidenstraße in Ming- und spätere persische Teppiche gelangte.
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Wollqualität
Bewertungsmerkmale wie Faserlänge, Lanolingehalt, Glanz und Elastizität, die Haltbarkeit und Optik eines Wollteppichs bestimmen.

Y

Yastik
Türkisches Kissenformat (etwa 50 × 90 cm), ursprünglich für Diwankissen geknüpft.
Yatak
Türkischer Schlafteppich, dicker Flor, oft Yörük-Nomadenarbeit.

Z

Zil-i-Sultan
"Schatten des Sultans", persisches Musterfeld mit sich wiederholenden Vasen und Vögeln. Benannt nach einem Qajar-Gouverneur.

148 Begriffe erfasst. Dieses Glossar wird laufend ergänzt.

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