Formate und Größen
Welcher Teppich in welche Größe passt, ist die häufigste Frage beim Kauf. Diese Seite zeigt die klassischen Formate, ihre traditionellen Maße und die richtige Größe für jeden Raum.
#Die klassischen Teppichformate
Im Orientteppich-Handel haben sich über Jahrhunderte feste Formate entwickelt, die ihre Namen meist aus dem Persischen oder Türkischen tragen.
Die wichtigsten: Tabletteppich (etwa 60 × 90 cm, ursprünglich als Sitzkissen), Brücke (etwa 110 × 160 cm, der klassische kleine Wohnraum-Teppich), Galerie (etwa 80 × 250 cm und länger, der schmale Flurteppich), Runner oder Läufer (60 bis 80 cm breit, 200 bis 600 cm lang, für Flure und Treppenhäuser), Salon- oder Mittelteppich (etwa 200 × 300 cm), und Übergrößen ab 250 × 350 cm.
Diese Maße sind keine Norm, sondern gewachsene Konventionen. Antiken Stücken sieht man oft an, dass sie für einen ganz bestimmten Raum geknüpft wurden, weil die Maße nicht in dieses Raster passen.
#Welche Größe für das Wohnzimmer
Im Wohnzimmer ist die Frage selten „welche Größe absolut", sondern „wie soll der Teppich zur Sitzgruppe stehen". Drei Varianten sind etabliert.
Variante eins: Der Teppich liegt komplett unter Sofa und Sesseln, mit mindestens 30 bis 60 Zentimeter Abstand zur Wand auf allen Seiten. Das wirkt großzügig und braucht in einem typischen 4×5-Meter-Wohnzimmer etwa 250 × 350 cm.
Variante zwei: Vorderfüße der Möbel stehen auf dem Teppich, die Rückenlehnen ragen darüber hinaus. Das ist der häufigste Kompromiss. Hier reichen 200 × 300 oder 200 × 290 cm.
Variante drei: Der Teppich liegt vor der Sitzgruppe, ohne dass Möbel auf ihm stehen. Das wirkt nur in sehr großen Räumen oder bei kleinen Sitzgruppen, sonst zerfällt die Gestaltung optisch. Hier passen 170 × 240 cm und kleiner.
#Welche Größe für das Schlafzimmer
Im Schlafzimmer zählt weniger, wie die Möbel stehen, sondern das Gefühl unter den Füßen am Morgen. Drei Lösungen funktionieren gut.
Erstens: ein einzelner großer Teppich, der unter dem unteren Drittel des Bettes hervorschaut und beidseitig sowie am Fußende mindestens 60 cm freigibt. Bei einem 180er-Bett heißt das mindestens 250 × 300 cm.
Zweitens: zwei schmale Brücken, eine auf jeder Bettseite, etwa 80 × 200 cm. Klassisch im persischen Stil und besonders praktisch, weil man morgens auf den Teppich tritt, ohne über das Bettende hinwegzulaufen.
Drittens: ein Galerie- oder Läufer am Fußende, der das Bett quer abschließt. Funktioniert gut in schmalen Räumen.
#Welche Größe für das Esszimmer
Im Esszimmer entscheidet die Stuhlbewegung über die richtige Größe. Wenn jemand vom Tisch aufsteht und den Stuhl nach hinten schiebt, sollten alle vier Stuhlbeine noch auf dem Teppich stehen.
Faustregel: Tischmaß auf jeder Seite um mindestens 60 cm verlängern. Ein Esstisch von 90 × 180 cm braucht also einen Teppich von mindestens 210 × 300 cm, besser 240 × 320 cm. Bei runden oder ovalen Tischen funktionieren entsprechend runde oder ovale Teppiche, die im Durchmesser etwa 120 cm größer sind als der Tisch.
Wichtig: Im Esszimmer ist Pflegeleichtigkeit wichtig. Ein flach gewebter Kelim oder ein robuster Wollteppich mit niedrigem Flor steckt verschüttetes Essen besser weg als ein hochfloriger oder feiner Seidenteppich.
#Runner, Galerie und Sondergrößen
Schmale, lange Teppiche sind eine eigene Kategorie.
Runner oder Läufer (60 bis 80 cm breit) gehören in Flure, vor Küchenzeilen, in Treppenhäuser oder vor lange Sideboards. Sie sollten auf jeder Seite 5 bis 10 Zentimeter Bodenfläche frei lassen, niemals an der Wand bündig anschließen.
Galerie-Teppiche (80 bis 110 cm breit, 250 bis 400 cm lang) sind etwas breiter und passen in größere Eingangsbereiche oder als Akzent in einem langen Raum. Klassische persische Galerien stammen aus Manufakturen wie Heriz oder Bidjar und wurden ursprünglich für Empfangshallen gefertigt.
Sondergrößen wie Quadrat-Teppiche, sehr große Übergrößen oder ungewöhnliche Maße werden meist als Sonderanfertigung geknüpft und sind entsprechend teurer und langlebiger.
#So messen Sie richtig
Bevor Sie kaufen, messen Sie. Drei Punkte sind wichtig.
Erstens: Maßband nehmen, nicht schätzen. Räume wirken visuell anders, als sie real sind.
Zweitens: an mehreren Stellen messen. Altbauten und renovierte Räume sind selten exakt rechtwinklig, und ein Teppich, der an einer Stelle perfekt passt, kann an der anderen anstoßen.
Drittens: den Teppich vor dem Kauf am Boden markieren. Mit Malerkrepp oder einem alten Bettlaken den Bereich auslegen, der vom Teppich bedeckt sein soll. Erst dann sehen Sie, wie der Raum mit dem Teppich tatsächlich wirkt.
Bei Online-Kauf zusätzlich: das Liefermaß abklären. Manche Teppiche werden gerollt geliefert, andere gefaltet, und die Falten brauchen einige Tage zum Aushängen.
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