Herstellung orientalischer Teppiche
Vom Rohstoff zum fertigen Kunstwerk — jeder handgeknüpfte Orientteppich durchläuft einen aufwendigen Herstellungsprozess, der Monate oder sogar Jahre dauern kann.
#Material
Die Grundlage jedes Orientteppichs sind sorgfältig ausgewählte Rohstoffe. Schafwolle bildet den häufigsten Flor — je nach Region kommen Korkwolle, Ghazni-Wolle oder Merinowolle zum Einsatz. Baumwolle dient meist als Kette und Schuss, da sie formstabil und reißfest ist. Seide verleiht feinen Teppichen ihren charakteristischen Glanz und ermöglicht extrem hohe Knotendichten, etwa bei Isfahan- oder Ghom-Teppichen. Die Qualität der Rohstoffe bestimmt maßgeblich Griff, Haltbarkeit und Wertentwicklung eines Teppichs.
#Färbung
Traditionell werden Orientteppiche mit Pflanzenfarben gefärbt: Krapp liefert warme Rottöne, Indigo das typische Blau, Reseda (Wau) ein leuchtendes Gelb. Die natürlichen Farbstoffe reagieren unterschiedlich auf Wolle und Seide und erzeugen dadurch lebendige Farbverläufe — sogenannte Abrasch. Seit dem 19. Jahrhundert kommen auch synthetische Farben zum Einsatz, die eine gleichmäßigere Färbung ermöglichen. Hochwertige Teppiche verwenden häufig Chromfarben, die besonders lichtbeständig und waschecht sind.
#Musterentwurf
Der Musterentwurf ist die künstlerische Seele des Teppichs. In Manufakturen arbeiten Knüpfer nach einem Karton — einer millimetergenauen Vorlage auf Papier, bei der jeder Knoten als farbiges Kästchen dargestellt ist. In Iran wird diese Notation als Talim bezeichnet. Nomadische Knüpferinnen hingegen arbeiten häufig aus dem Gedächtnis und geben tradierte Muster von Generation zu Generation weiter. Die Muster reichen von streng geometrischen Formen (typisch für Nomadenteppiche) bis zu fließenden Arabesken und Blumenranken (typisch für Stadtmanufakturen).
#Knüpfung
Beim Handknüpfen wird jeder einzelne Florfaden um zwei Kettfäden geschlungen und mit einem Messer abgeschnitten. Die zwei wichtigsten Knotenarten sind der symmetrische Ghiordes-Knoten (türkisch) und der asymmetrische Senneh-Knoten (persisch). Der persische Knoten erlaubt filigranere Muster und höhere Knotendichten. Ein einzelner Knüpfer schafft etwa 8.000 bis 12.000 Knoten pro Tag — ein feiner Isfahan mit einer Million Knoten pro Quadratmeter kann so mehrere Jahre Arbeit erfordern. Die Knotendichte ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale und wird in Knoten pro Quadratmeter angegeben.
#Fertigstellung
Nach dem Knüpfen wird der Teppich vom Webstuhl geschnitten und durchläuft mehrere Veredelungsschritte. Das Scheren gleicht die Florhöhe an und bringt das Muster zur Geltung. Anschließend wird der Teppich gewaschen — dies entfernt Staub und überschüssige Farbe und verleiht dem Flor seinen seidigen Glanz. Nach dem Trocknen und Spannen werden Fransen und Kanten gesichert. Bei manchen Stilen, etwa Ziegler oder Vintage, folgt eine zusätzliche Wäsche mit speziellen Lösungen, um den charakteristisch gedeckten Farbton zu erzielen.
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