GoodWeave ist heute das international bekannteste Siegel gegen Kinderarbeit in der Teppichproduktion. Die Organisation hat sich 2009 aus der RugMark Foundation entwickelt und arbeitet in Indien, Nepal, Afghanistan und Pakistan. Unabhängige Inspektoren besuchen zertifizierte Werkstätten unangekündigt; entdeckte Kinder werden in von GoodWeave finanzierte Schulen vermittelt. Ein Teil jeder Lizenzgebühr fließt direkt in Bildungsprogramme. Wichtig zu wissen: GoodWeave zertifiziert die gesamte Lieferkette eines Teppichs, vom Webstuhl bis zum Händler. Ein echtes GoodWeave-Etikett trägt eine eindeutige Seriennummer, die Sie auf goodweave.org überprüfen können.
Teppichsiegel & Zertifikate
Welches Siegel garantiert was? Ein Überblick über die wichtigsten Zertifizierungen für faire Produktion, kinderarbeitsfreie Knüpfung und schadstoffgeprüfte Materialien, mit den Punkten, auf die Sie beim Kauf wirklich achten sollten.
#Warum Teppichsiegel wichtig sind
Orientteppiche entstehen oft in Ländern mit weniger strikten Arbeitsschutzgesetzen als hierzulande. Knüpfen ist Handarbeit, und in einzelnen Werkstätten weltweit ist es bis heute auch Kinderarbeit. Hinzu kommen Fragen nach gerechter Bezahlung, sicheren Arbeitsplätzen und unbedenklichen Farbstoffen. Teppichsiegel sind unabhängige Prüfzeichen, die einzelne dieser Aspekte garantieren. Kein Siegel deckt alle Themen gleichzeitig ab. Wer bewusst kauft, sollte deshalb wissen, was hinter den wichtigsten Logos steht.
Die wichtigsten Siegel im Überblick
Vier Siegel begegnen Ihnen beim Teppichkauf am häufigsten. Jedes garantiert einen anderen Aspekt: Kinderarbeitsfreiheit, soziale Strukturen in den Herkunftsregionen, fairer Handel oder Schadstoffsicherheit. Hier finden Sie sie auf einen Blick.
Care & Fair ist eine 1994 gegründete Initiative deutscher und europäischer Teppichimporteure. Anders als GoodWeave inspiziert Care & Fair nicht jeden einzelnen Webstuhl, sondern bekämpft Kinderarbeit über strukturelle Maßnahmen. Mitgliedsfirmen zahlen einen kleinen Prozentsatz ihres Umsatzes in einen gemeinsamen Fonds, aus dem Schulen, Krankenstationen und soziale Projekte in den Knüpferregionen Indiens, Pakistans und Nepals finanziert werden. Inzwischen wurden über 100 Bildungs- und Gesundheitsprojekte umgesetzt. Das Siegel zeigt, dass der Importeur Mitglied der Initiative ist.
STEP ist eine 1995 in der Schweiz gegründete Stiftung, die fair gehandelte Teppiche zertifiziert. Im Unterschied zu GoodWeave geht STEP über Kinderarbeit hinaus. Geprüft werden auch faire Löhne für Erwachsene, sichere Arbeitsbedingungen und ökologische Standards in der Färberei. STEP-Inspektoren begleiten Lieferanten in Indien, Nepal, Pakistan, Iran, Afghanistan, Marokko und China. Wer ein STEP-Etikett am Teppich findet, kann sich der Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards entlang der Lieferkette sicher sein.
Öko-Tex Standard 100 ist kein Sozialsiegel, sondern ein Schadstoffsiegel. Es prüft Textilien, also auch Teppiche, auf gesundheitsschädliche Substanzen wie Pestizide, Schwermetalle, Formaldehyd, AZO-Farbstoffe und Phthalate. Ein Öko-Tex-zertifizierter Teppich enthält in den getesteten Parametern keine gefährlichen Schadstoffe oberhalb der gesetzten Grenzwerte. Das Siegel ist besonders wichtig, wenn der Teppich im Kinderzimmer liegt oder Allergiker im Haushalt leben. Über die sozialen Bedingungen der Produktion sagt es allerdings nichts aus.
#Wie Sie ein echtes Siegel erkennen
Ein Etikett ist schnell genäht, ein echtes Zertifikat hingegen nicht. So überprüfen Sie ein Siegel: Suchen Sie zunächst nach einer Seriennummer auf dem Etikett, denn GoodWeave und RugMark vergeben pro Teppich eine eindeutige Nummer. Diese geben Sie dann auf der Website der Organisation ein (goodweave.org, rugmarkindia.de). Fragen Sie zusätzlich den Händler nach dem Zertifikatsnachweis. Seriöse Händler haben ihn vorrätig. Misstrauen Sie pauschalen Aussagen wie „fair gehandelt", wenn kein konkretes Siegel genannt wird. Bei Care & Fair und STEP ist nicht jeder einzelne Teppich zertifiziert, sondern der Händler oder Importeur. Hier hilft die Frage nach der Mitgliedsnummer.
#Worauf Siegel keine Antwort geben
Auch das beste Siegel bewertet nur einen Ausschnitt der Teppich-Qualität. Was Siegel nicht garantieren: die handwerkliche Knüpfqualität (Knotendichte, Materialqualität), die Verwendung natürlicher Pflanzenfarben, die regionale Authentizität (ein in Pakistan geknüpfter „persischer" Stil bleibt Pakistan-Ware), die langfristige Wertstabilität. Ein Teppich ohne Siegel ist nicht automatisch schlecht. Viele kleine Manufakturen können sich Zertifizierungsgebühren schlicht nicht leisten. Umgekehrt schützt ein Siegel nicht vor schlechter Verarbeitung. Siegel sind ein wichtiger Baustein, ersetzen aber nicht den Blick auf Knüpfung, Material und Händler-Reputation.
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