Flachgewebe ohne Flor, Kelims bestechen durch grafische Muster und vielseitige Einsatzmöglichkeiten.
Foto: Morgenland Teppiche
Ein Kelim ist ein Flachgewebe: kein Flor, kein Knoten, nur Kette und Schuss. Damit fällt bei dieser Kategorie fast alles weg, womit man geknüpfte Ware sonst beschreibt. Es gibt keine Knoten pro Quadratmeter, keine Florhöhe, keinen Unterschied zwischen Ober- und Rückseite. Die Technik läuft in einem zusammenhängenden Gürtel von Marokko über die Türkei und den Kaukasus bis nach Persien, Afghanistan und Zentralasien. Innerhalb der Teppicharten ist sie die älteste Linie, älter als der Florknoten.
Diese Seite erklärt die Schlitzwirkerei, an der ein Kelim technisch hängt, welche Stile die Teppich Fibel unter dieser Kategorie führt, warum in den Datenblättern statt einer Knotenzahl ein Textbaustein steht und woran sich an einem florlosen Gewebe überhaupt Qualität ablesen lässt.
Ein Kelim ist ein handgewebter, florloser Teppich, dessen Muster allein durch farbige Schussfäden entsteht, die die gespannte Kette vollständig abdecken. Geknüpft wird dabei nichts.
Das Wort kommt aus dem Persischen, gelim, und meint das flache Weben. Flachgewebe gehören zu den ältesten Textilerzeugnissen überhaupt, weil sie ohne Knüpfmesser und ohne gezeichnete Vorlage auskommen: ein gespanntes Kettfeld, ein Schussfaden, ein Kamm zum Anschlagen. Gewebt wurde nicht nur für den Boden. Aus derselben Technik kamen Wandbehänge, Sitz- und Schlafunterlagen, Satteltaschen und der Mafrash, der große Vorratssack der Nomaden. Diese Begriffe stehen im Glossar.
Praktisch heißt florlos: dünn, leicht, faltbar und in den meisten Fällen von beiden Seiten nutzbar. Ein geknüpfter Teppich trägt einen Wollpol, der ihn schwer und einseitig macht. Das eine Verfahren beschreibt Knüpfen, das andere Weben, beide nebeneinander stehen im Bereich Herstellung. Dass das Knüpfen aus dem Weben hervorgegangen ist und nicht umgekehrt, ordnet Ursprung der Knüpfkunst ein.
Durch Schlitzwirkerei. Der Schussfaden läuft nicht über die ganze Breite des Teppichs, sondern nur durch sein eigenes Farbfeld, kehrt an der Farbgrenze um den letzten Kettfaden um und läuft zurück.
Der Faden im Nachbarfeld tut dasselbe. An dieser senkrechten Grenze verbindet also kein Querfaden die beiden Felder, und es bleibt eine schmale Öffnung von wenigen Millimetern, gegen das Licht deutlich sichtbar. Daher der Name. Dieser Schlitz ist die Signatur der Technik, kein Mangel.
Daraus folgt die ganze Formensprache. Eine senkrechte Farbgrenze darf nicht beliebig lang werden, sonst reißt das Gewebe an dieser Linie auf. Die Weberin versetzt den Umkehrpunkt deshalb Reihe für Reihe um einen Kettfaden. Aus der Senkrechten wird eine Treppe, aus der Treppe die Raute. Genau daran erkennt man ein Flachgewebe schon von zwei Metern Entfernung: Stufen statt Kurven. Die runden Konturen eines feinen Stadtteppichs sind in Schlitzwirkerei nicht herstellbar.
Für längere Grenzen gibt es zwei Auswege. Beim Verzahnen, im Handel Dovetailing genannt, teilen sich beide Farben denselben Kettfaden. Der Schlitz verschwindet, die Grenze wird dafür leicht zackig. Bei feiner Ware werden längere Öffnungen nach dem Abnehmen von hinten diskret vernäht. Beides ist Handwerk und kein Pfusch, und beides gehört zu den Stellen, die man vor dem Kauf ansieht.
Fünf Stile tragen die Kategoriezuordnung Kelim, ein sechster steht aus Handelsgründen woanders. Die Spalte Webung gibt wörtlich wieder, was das Datenblatt der jeweiligen Stilseite im Feld Knotendichte nennt.
| Stil | Herkunft | Webung laut Datenblatt | Aufbau | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|---|---|
| Kelim | Persien, Afghanistan, Türkei, Kaukasus | Flachgewebe (keine Knoten) | Flachgewebe (kein Flor) | Sammelbegriff der ganzen Familie |
| Kelim Fars | Iran, Provinz Fars, Qashqai und Lori | Flachgewebe (keine Knoten) | Wolle | Stammesmotive, lebhafte Farben |
| Kelim Senneh | Iran, Sanandaj, Provinz Kurdestan | Flachgewebe (extrem dicht) | Wolle auf Baumwolle | dichte kurdische Webung, präzise Muster |
| Kelim Afghan | Afghanistan, Nord- und Westprovinzen | Flachgewebe (keine Knoten) | Wolle | geometrische Streifen, erdige Töne |
| Kelim Maimene | Afghanistan, Maimana, Provinz Faryab | Flachgewebe (keine Knoten) | Wolle | kräftige Rottöne, turkmenische Motive |
| Kelim Seide | Iran und Indien laut Datenblatt | Flachgewebe (feinste Struktur) | Seide | Seidenschuss, hoher Glanz, kleine Formate |
Der Seiden-Kelim ist in den Daten unter Seidenteppiche einsortiert und nicht hier. Technisch ist er ein Flachgewebe wie die anderen fünf, im Handel läuft er über das Material, und die Zuordnung folgt dem Handel. Wer nach Kelims sucht, findet ihn deshalb unter der anderen Überschrift. Das ist eine Schwäche der Sortierung und kein Hinweis auf ein anderes Gewebe.
Geografisch tragen die Einträge zwei Räume: den südpersischen Fars und den kurdischen Westiran, dazu die Nordprovinzen Afghanistans. Vier der fünf Stile kommen aus Stammes- und Dorfproduktion und stehen damit dicht neben den Nomadenteppichen. Die Qashqai-Verbände, deren geknüpfte Ware unter Ghashghai läuft, weben ihre Kelims auf demselben Webstuhl. Verwechseln sollte man das nicht mit dem Gabbeh: der wirkt grob und flach, ist aber geknüpft und damit kein Flachgewebe.
Zwei bekannte Gruppen fehlen als eigene Stilseiten. Die anatolischen Gebetskelims mit ihrer Mihrab-Nische laufen bei den türkischen Teppichen, die kaukasischen Rautengitter mit Drachen- und Tierfeldern in den Regionenseiten. Alle erfassten Stile listet die Stilübersicht.
Weil es keine Knoten gibt. Das Feld Knotendichte ist für geknüpfte Ware gebaut, und bei den Kelims trägt es deshalb keinen Zahlenwert, sondern eine Einordnung in Worten.
Vier Einträge nennen dort "Flachgewebe (keine Knoten)": der Sammelstil Kelim, der Kelim Fars, der Kelim Afghan und der Kelim Maimene. Der Senneh-Kelim trägt "Flachgewebe (extrem dicht)", der Seiden-Kelim "Flachgewebe (feinste Struktur)". Das sind Qualitätsstufen, keine Messwerte, und sie sind mit Absicht so formuliert. Eine Zahl daraus zu machen, wäre eine Umrechnung, die es nicht gibt.
Messbar ist am Kelim etwas anderes: die Schussdichte, also die Zahl der Schussfäden pro Zentimeter. Sie lässt sich auf der Rückseite mit einem Lineal abzählen, taucht in Verkaufstexten aber kaum auf, weil sie sich mit den Knotenzahlen geknüpfter Ware nicht vergleichen lässt. Wer an einem Kelim eine Knotenzahl liest, liest eine Verwechslung. Was diese Zahl bei geknüpfter Ware aussagt und was nicht, erklärt Knotendichte erklärt.
An der Dichte des Schusses, an der Wolle, an der Färbung, an der Sauberkeit der Farbgrenzen und daran, ob das Stück wirklich von beiden Seiten trägt. Fünf Punkte, und keiner davon ist eine Zahl.
Ein fest angeschlagener Schuss liegt schwer in der Hand, klappt an der Kante nicht weg und erlaubt kleinteilige Zeichnung. Locker gewebte Marktware fühlt sich papierartig an, bleibt im Muster großflächig und verzieht sich unter der Sohle. Der Unterschied ist mit zwei Handflächen in Sekunden zu spüren.
Die Wolle entscheidet am Ende länger als alles andere. Handgesponnenes Garn schwankt sichtbar in der Dicke und nimmt Pflanzenfarben tiefer an. Fettreiche Hochlandwolle glänzt nach Jahrzehnten noch, mürbe Wolle aus schneller Produktion wird in den Laufwegen stumpf und flusig. Weil kein Flor die Abnutzung verdeckt, sieht man das an einem Flachgewebe früher als an einem geknüpften Teppich.
Bei den Farbgrenzen geht es um Gleichmaß: viele kurze Schlitze statt einzelner langer Öffnungen, nachvernähte Stellen flach liegend und ohne Zug. Und dann die Rückseite. Bei sauberer Schlitzwirkerei ist sie das Bild der Vorderseite, und genau das trennt den Kelim von den anderen Flachgeweben im Regal.
Drei verschiedene Dinge, die im Laden alle als flach durchgehen. Nur beim Kelim sind beide Seiten gleich.
Beim Sumak wird der farbige Faden um die Kettfäden gewickelt statt einfach durchgeführt. Das ergibt eine körnige, reliefartige Oberfläche, häufig bei kaukasischen Stücken, und lose Fadenenden auf der Rückseite. Ein Sumak ist deshalb einseitig, seine Rückseite ist Arbeitsseite und kein zweites Gesicht. Viele Stücke im Handel mischen beides: Kelimfelder mit eingelegten Sumak-Motiven, und die afghanische Ware im Sortiment läuft oft unter genau dieser Doppelbezeichnung.
Die dritte Gruppe ist der industriell gefertigte Webteppich, und dort sitzt die häufigste Verwechslung. Er wird maschinell gewebt, hat millimetergenaue Kanten, meist eine angenähte Fransenborte und auf der Rückseite eine Latex- oder Kleberschicht. Die Verfahren stehen unter Maschinell gefertigte Teppiche, die Prüfung Handarbeit gegen Maschine unter handgeknüpft gegen maschinell.
Nichts, und das ist die häufigste Begriffsfalle in dieser Kategorie. Drei ganz verschiedene Dinge tragen denselben Ortsnamen.
Sanandaj, früher Senneh, ist eine kurdische Stadt im Westiran. Von dort kommt erstens der Name des asymmetrischen persischen Knotens, im Handel Senneh-Knoten genannt, der die feine geknüpfte Stadtware bindet; die Bindungsarten stehen unter Knotenarten. Zweitens der geknüpfte Senneh, ein Teppich mit Flor. Und drittens der Senneh-Kelim, der überhaupt nicht geknüpft, sondern gewebt wird.
Ein Senneh-Kelim mit Senneh-Knoten wäre also ein Widerspruch in sich. Was der Ort tatsächlich beigetragen hat, ist Präzision: Die kurdischen Weber arbeiten ihre Flachgewebe so dicht und kleinteilig, dass Boteh- und Herati-Muster darin lesbar bleiben, was in gröberer Schlitzwirkerei zu Klötzchen zerfällt. Das Mandelmotiv ordnet Boteh ein.
Kette aus fester Schurwolle oder Baumwolle, Schuss aus gefärbter Wolle, bei Spitzenstücken aus Seide. Ein Flormaterial gibt es nicht, weil es keinen Flor gibt.
Die Kette muss Zug halten und verschwindet vollständig unter dem Schuss, das Gewebe ist schussgesichtig. Baumwolle liegt stabiler und verzieht sich weniger, Wolle ist elastischer und typisch für Stammesarbeit. An den Webkanten kommt Ziegenhaar vor, das härter ist als Schafwolle und der Reibung länger standhält. Der Seiden-Kelim ist dabei ein eigenes Produkt und kein besserer Wollkelim: leicht, glänzend, in kleinen Formaten, für den Boden ungeeignet und meist als Wandstück gedacht. Den Materialvergleich zieht Seide gegen Wolle, die Echtheitsprüfung Seide erkennen.
Gefärbt wurde traditionell in kleinen Partien: Krappwurzel für Rot, Indigo für Blau, Wau und Granatapfelschale für Gelb, Walnussschale für Braun. Zwei Bäder aus derselben Wurzel treffen dieselbe Sättigung nie exakt, und im Feld entstehen daraus wandernde helle und dunkle Bahnen, der Abrash. An einem Flachgewebe fällt er stärker auf als in einem Flor, weil die glatte Fläche das Licht nicht bricht. Die Farbstoffkunde steht unter Teppichfarben, die Prüfung am Stück unter Naturfarben erkennen.
Weil die Technik keine Kurve zulässt. Das ist keine Stilentscheidung, sondern eine Folge der Schlitzwirkerei, und sie prägt jede Zeichnung von der einfachen Streifenbahn bis zum Gebetsfeld.
Was daraus entsteht: gestufte Rauten, achtzackige Sterne, Haken- und Kammreihen, Mäanderbänder, Widderhörner, stilisierte Skorpione und Vögel. Alles baut auf dem rechtwinkligen Raster aus Kette und Schuss auf. Ein zentrales Medaillon kommt vor, sitzt aber als Stufenform im Feld und nicht als runde Rosette. Die anatolischen Gebetsstücke setzen die Nische als Richtungsmotiv. Was die Zeichen bedeuten, ordnet die Symbolübersicht ein, die Abwehrmotive stehen unter Schutzsymbole.
Auch das Format kommt aus der Technik. Die Webstuhlbreite begrenzt die Breite des Stücks, und größere Formate entstehen häufig in zwei Bahnen, die in der Mitte zusammengenäht werden. Diese Naht ist normal. Sie sollte nur gerade laufen, flach liegen und das Muster ohne Sprung fortsetzen. Gängige Maße ordnet die Formatübersicht ein.
An den Schlitzen, an der Rückseite, an den Fransen und an Kanten, die nicht schnurgerade laufen. Fünf Prüfungen reichen im Laden, und keine braucht Werkzeug.
Die Frage im Laden ist selten die nach einer Fälschung, sondern die nach dem Herkunftsland. Afghanische, pakistanische und indische Flachgewebe teilen Muster und Farbklang, und die Etiketten im Handel sind großzügig. Bei der Zuordnung hilft Herkunft erkennen, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen, die Schritt-für-Schritt-Prüfung unter Ist mein Teppich echt?.
Wollqualität, Färbung, Dichte des Gewebes, Alter und die Kraft der Zeichnung. Dass ein Kelim keinen Flor hat, macht ihn nicht zur einfachen Ware: In einem dicht gewebten kurdischen Stück steckt mehr Arbeit als in mancher geknüpften Brücke.
Pflanzengefärbte Stücke mit ruhigem Abrash stehen über gleich dicht gewebter Ware mit synthetischen Farbstoffen. Den Unterschied und seine Folgen erklärt Naturfarben gegen Chemiefarben. Der vierte Punkt, die Zeichnung, lässt sich nicht messen, entscheidet aber am Ende: ein klarer Rhythmus, sicher gesetzte Felder, ruhige Farbführung. Ein dichteres Gewebe mit lebloser Zeichnung steht darunter.
Bei alter Ware zählt zusätzlich, wie viel vom Original noch da ist. Flachgewebe wurden benutzt und nicht aufbewahrt. Löcher an Faltkanten, aufgerissene Schlitze und abgelaufene Schmalseiten kommen häufig vor, und eine großflächige Restaurierung ist an einem florlosen Gewebe schwer zu verstecken. Die Einordnung geben Alte Teppiche werden wertvoller und Wie alt ist mein Teppich?, den Sammlerbereich die Kategorie Antike Teppiche.
Junge Wollkelims sind Gebrauchsware mit langer Lebensdauer und kein Anlageobjekt, eine Garantie auf Wertsteigerung gibt es nicht. Zur Einordnung helfen die Wertübersicht, die Kaufberatung, der Stil-Vergleich und Wie lange hält ein Teppich. Wie Ware aus dem Herkunftsland in den Hamburger Handel kommt, beschreibt der Bereich Speicherstadt. Aktuelle Stücke mit Maßen und Fotos zeigt das Kelim-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Saugen mit reduzierter Kraft, ausgeschalteter Bürstwalze und Abstand zu den Fransen. Das ist die ganze Routine. Ein Kelim lässt sich außerdem aufnehmen und ausschütteln, was bei einem geknüpften Zimmerteppich niemand versucht.
Zwei Dinge sind beim Flachgewebe anders. Erstens nimmt die dünne Struktur Flüssigkeit sofort in ganzer Dicke auf und trocknet langsam von innen heraus: Flecken werden abgetupft und nicht gerieben, größere Verschmutzungen gehören in den Fachbetrieb. Zweitens rutscht ein Kelim auf glattem Boden, weil ihm das Eigengewicht fehlt. Eine Antirutschunterlage gehört dazu, sonst wandert das Stück und wirft Falten, die mit der Zeit stehen bleiben.
Wenden Sie das Stück regelmäßig, das verteilt die Abnutzung auf beide Seiten und ist der eigentliche praktische Vorteil dieser Bauweise. Was schadet: Dampfreiniger, Teppichschaum aus dem Baumarkt und Sonne, die jahrelang auf dieselbe Bahn fällt, denn das Krapprot bleicht aus. Die Routinen stehen in der Pflegeübersicht, die Handwäsche unter Wollteppich reinigen, die Fleckenarbeit unter Teppich reinigen.
Ein Kelim ist ein handgewebter Teppich ohne Flor und ohne Knoten. Das Muster entsteht durch farbige Schussfäden, die die gespannte Kette vollständig abdecken und jeweils nur in ihrem eigenen Farbfeld hin- und herlaufen. Deshalb ist ein Kelim dünn, leicht, faltbar und in der Regel von beiden Seiten nutzbar.
Weil kein einziger Knoten darin sitzt. Die Datenblätter der Teppich Fibel schreiben im Feld Knotendichte deshalb "Flachgewebe (keine Knoten)", beim Senneh-Kelim "Flachgewebe (extrem dicht)" und beim Seiden-Kelim "Flachgewebe (feinste Struktur)". Die vergleichbare Größe ist die Schussdichte, also die Zahl der Schussfäden pro Zentimeter, und sie lässt sich nicht in eine Knotenzahl umrechnen.
Nein, sie sind das Ergebnis der Technik. Weil jeder Farbschuss an der senkrechten Farbgrenze umkehrt, verbindet dort kein Querfaden die beiden Felder. Zu lange Öffnungen werden beim Weben verzahnt oder nachträglich von hinten vernäht. Ein aufgerissener, ausgefranster Schlitz ist dagegen ein Schaden und keine Technik.
Nein. Ein klassischer Kelim in Schlitzwirkerei ist beidseitig nahezu gleich und voll wendbar. Sumak-Gewebe und Stücke mit eingelegten Sumak-Motiven haben lose Fadenenden auf der Rückseite und sind einseitig. Ein Blick auf die Rückseite klärt das in zwei Sekunden.
Beim Kelim läuft der Schussfaden zwischen den Kettfäden durch, beim Sumak wird er um sie herumgewickelt. Der Sumak bekommt dadurch eine körnige, reliefartige Oberfläche und eine unsaubere Rückseite, wirkt fester und ist nicht wendbar. Im Handel werden beide Techniken oft in einem Stück kombiniert.
Eine Zahl in Wochen oder Monaten pro Quadratmeter lässt sich nicht seriös nennen. An breiteren Stücken sitzen mehrere Weberinnen gleichzeitig am Webstuhl, und das Tempo hängt stark von der Erfahrung ab. Verlässlich ist nur die Richtung: je dichter der Schuss und je kleinteiliger das Muster, desto länger die Arbeit.
Ja, mit zwei Einschränkungen. Ein dicht gewebtes Wollstück verträgt Laufwege gut und lässt sich zusätzlich wenden, aber es braucht auf glattem Boden eine Antirutschunterlage, und Flüssigkeit muss sofort abgetupft werden, weil die dünne Struktur sie in ganzer Dicke aufnimmt. Für Nassbereiche und für stark beanspruchte Esszimmer unter dem Tisch ist ein geknüpfter Teppich die robustere Wahl.

Afghanische Kelims sind gewebte Flachteppiche mit geometrischen Mustern in erdigen Farbtönen.

Fars-Kelims werden von Qashqai- und Lori-Nomaden in Südiran gewebt und zeigen lebhafte Stammesmotive.

Senneh-Kelims aus Sanandaj gelten als die feinsten kurdischen Flachgewebe mit extrem dichter Webstruktur.

Maimene-Kelims aus Nordafghanistan zeigen markante geometrische Muster in kräftigen, erdigen Rottönen.

Kelim ist der gewebte Teppich des Orients ohne Flor, beidseitig nutzbar. Überblick über die wichtigsten Stilrichtungen aus Persien, Afghanistan, Anatolien und dem Kaukasus.