Handgeknüpfte Teppiche aus Anatolien, der Heimat des symmetrischen türkischen Knotens. Von den großformatigen Usak-Medaillons bis zur feinen Manufakturware aus Kayseri.
Foto: Morgenland Teppiche
Türkische Teppiche sind im deutschen Handel eine Warengruppe und kein Stil. Unter dem Wort liegen die grobe Dorfware aus Westanatolien, die Manufakturteppiche aus Kayseri und die Seidenknüpfung aus Hereke, und zwischen den Enden dieser Spanne liegen Welten. Wer im Laden nach einem türkischen Teppich fragt, bekommt deshalb zuerst eine Gegenfrage.
Diese Seite nimmt den Blick des Käufers ein: was der Begriff im Handel abdeckt, welche vier Provenienzen die Fibel als eigene Typen führt, wie sich ein Anatole ohne Umdrehen von einem Perser unterscheiden lässt, warum der Gebetsteppich hier zu Hause ist und welche Fragen vor dem Kauf geklärt sein sollten. Die Knüpflandschaft selbst, also Geografie, Geschichte und Knotentradition, steht auf der Herkunftsseite Türkei.
Gemeint sind handgeknüpfte Teppiche aus Anatolien, gebunden mit dem symmetrischen Ghiordes-Knoten. Als Anatole, Anatolien-Teppich oder Türkei-Teppich läuft dieselbe Warengruppe, wobei Anatole im Sprachgebrauch der Branche eher die dörfliche und nomadische Ware bezeichnet als die Manufakturteppiche.
Zwei Dinge tragen dasselbe Wort und gehören nicht dazu. Das erste ist maschinelle Ware. Die Türkei produziert maschinell gewebte Teppiche in großem Umfang, und die Herkunftsangabe auf dem Etikett trennt Fabrikware nicht von Knüpfware. Ein Blick auf Rückseite und Fransen tut das sofort: Beim Knüpfteppich sind die Fransen verlängerte Kettfäden, bei der Webware ein angenähter oder umgeschlagener Abschluss. Wie diese Gewebe aufgebaut sind, steht unter Webteppiche, die Gegenüberstellung unter Handgeknüpft oder maschinell.
Das zweite ist der Ortsname als Designbezeichnung. Usak steht im Möbel- und Onlinehandel längst auch für einen Musterstil, der die gedeckten Töne und das große Medaillon zitiert, ohne dass das Stück in Westanatolien entstanden sein muss. Deklariert ist das kein Problem. Der Name allein beantwortet die Herkunftsfrage aber nicht, und wie man sie selbst einordnet, steht unter Herkunft erkennen.
Vier: Hereke, Hereke Seide, Kayseri und Usak. Jede hat eine eigene Feinheitsspanne und ein eigenes Materialprofil, und der Abstand zwischen der obersten und der untersten ist größer als in jeder anderen Herkunftsgruppe des Sortiments.
| Provenienz | Flor und Kette | Knoten/m² | Was sie im Handel ausmacht |
|---|---|---|---|
| Hereke | Seide auf Seide oder Wolle auf Baumwolle | 500.000 – 1.500.000+ | osmanische Hofmuster, höchste Feinheit, zwei Bauweisen |
| Hereke Seide | Seide auf Seide | 800.000 – 2.000.000 | reine Seidenlinie derselben Tradition, Manufakturmarke |
| Kayseri | Wolle, Baumwolle oder Kunstseide auf Baumwolle | 100.000 – 400.000 | breitestes Programm, Gebetsnischen, klassische Formate |
| Usak | Wolle auf Wolle oder Baumwolle | 60.000 – 140.000 | große Stern- und Rundmedaillons, gedeckte Terrakottatöne |
Eine Eigenheit der Systematik gehört dazu: Hereke und Hereke Seide sind im Datenbestand der Fibel den Seidenteppichen zugeordnet, obwohl für Hereke ausdrücklich auch Wolle auf Baumwolle geführt wird. Wer einen wollenen Hereke in der Hand hält, hat keinen Fehlkauf gemacht, sondern die zweite Bauweise derselben Provenienz.
Die untere Zahl in der Tabelle ist keine Schwäche. Ein Usak mit 60.000 bis 140.000 Knoten pro Quadratmeter ist so gebaut, wie er gebraucht wurde: Ein Sternmedaillon, das über drei Meter läuft, braucht keine hohe Auflösung, wohl aber einen Flor, der Jahrzehnte hält. Die Medaillonform und ihre Verwandten sind unter Medaillon beschrieben, was die Knotenzahl aussagt und was nicht unter Knotendichte erklärt.
Alle übrigen anatolischen Namen, Konya, Gördes, Milas, Bergama, Yagcibedir, werden als regionale Ware gehandelt und haben in der Fibel keine eigene Klassifizierung. Eingeordnet sind sie auf der Herkunftsseite.
An der Zeichnung. Ein türkischer Teppich gliedert die Fläche in geschlossene, klar abgegrenzte Formen mit gestuften Kanten, ein persischer Stadtteppich lässt Ranken durch das ganze Feld laufen.
Im Laden schauen wir in dieser Reihenfolge:
Die wichtigste Ausnahme heißt Hereke, wo dieselbe Bindung kurvige Hofmuster trägt. Die Rückseite ist die Bestätigung und nicht der erste Schritt: Welche Bindung dort sitzt, zeigt Knotenarten, die vollständige Prüfung Ist mein Teppich echt?. Wo der Sammelbegriff Orientteppich in all das gehört, klärt Perserteppich oder Orientteppich.
Weil Anatolien ihn in einer Menge und Formenvielfalt hervorgebracht hat, für die es im persischen Sortiment kein Gegenstück gibt. Im deutschen Handel ist der Gebetsteppich praktisch eine türkische Angelegenheit. Persische Stücke mit Gebetsnische existieren, sie sind aber die Ausnahme.
Das Format folgt seinem Zweck. Im Feld sitzt die Mihrab, eine spitz zulaufende Nische, die beim Gebet nach Mekka gerichtet wird. Über ihrer Spitze hängt eine stilisierte Ampel, in den Zwickeln neben der Nische stehen Blütenzweige, bei den Säulenvarianten flankieren zwei Pfeiler die Nische und machen sie zu einem Tor. Ein Kamm oder ein Kannenmotiv am Rand verweist auf die Waschung vor dem Gebet. Die Formate sind klein und schmal, weil ein Mensch darauf knien soll, und nicht weil das Material knapp war.
Zwei Bauarten unterscheidet der Handel. Das Einzelstück heißt im Türkischen Seccade. Der Saf ist ein langes Gewebe mit mehreren Nischen nebeneinander, auf dem eine Reihe von Betenden Platz findet; Safs tauchen fast nur im Sammlerbereich auf.
Gekauft werden diese Teppiche heute als Wohnteppiche, und dagegen spricht nichts. Praktisch zu bedenken ist die Blickrichtung: Die Nische gibt dem Muster ein Oben und ein Unten. In Flur und Diele arbeitet das für Sie, quer unter einer Sitzgruppe gegen Sie. Welche Maße in welchen Raum passen, steht unter Formate.
Nicht zwangsläufig Maulbeerseide. Beim Kayseri kommen Wolle, Baumwolle oder Kunstseide auf Baumwolle vor, und Kunstseide ist Viskose. Sie ist eine Zellulosefaser wie Baumwolle und Papier, echte Seide dagegen eine Proteinfaser wie Wolle und Haar. Zwischen beiden liegt kein Qualitätsgrad, sondern ein anderes Material.
Das ist die häufigste Verwechslung in dieser Warengruppe. Florettseide, Bambusseide, Bananenseide und Kunstseide bezeichnen alle keine Maulbeerseide. Ein Kayseri in Kunstseide ist deswegen keine schlechte Ware, er gehört nur in eine andere Klasse als ein Stück mit Seidenflor und verträgt weniger: Viskose reagiert empfindlicher auf Licht, Reibung und Feuchtigkeit und wird im Laufweg schneller stumpf. Wie sich die Fasern ohne Schaden am Teppich auseinanderhalten lassen, steht unter Seide erkennen.
Umgekehrt gilt für Hereke: Die Provenienz führt Seide auf Seide oder Wolle auf Baumwolle. Ein wollener Hereke ist reguläre Ware und kein abgewertetes Stück.
Über den Seeweg, und das seit Jahrhunderten. Die großformatige westanatolische Ware ging ab dem 15. Jahrhundert über die Ägäishäfen und europäische Handelshäuser nach Westen. Welche Nation dabei die Hauptrolle spielte, wird in der Literatur unterschiedlich angegeben, weshalb hier keine genannt wird.
Für den deutschen Markt läuft die Linie über Hamburg. In der Speicherstadt lagerten über Jahrzehnte die Orientteppiche für den nordeuropäischen Handel, und ein großer Teil der anatolischen Ware in deutschen Wohnungen ist durch eines dieser Lager gegangen. Wie dieser Weg im Einzelnen aussieht, von der Knüpferei über den Zoll bis in den Laden, beschreibt Der Weg eines Teppichs nach Deutschland.
Das entscheidet die Provenienz mit, weil Flor und Feinheit innerhalb der Gruppe weit auseinanderliegen.
Usak ist die robusteste Wahl. Die feste, lanolinreiche Schurwolle des anatolischen Hochlands und die niedrige Knotenzahl ergeben einen Teppich für Wohn- und Esszimmer, der Stuhlbeine und Hundekrallen wegsteckt. Große Formate sind hier die Regel.
Kayseri deckt die klassischen Wohnformate ab, oft mit Gebetsnische im Feld. Die wollene Ausführung ist alltagstauglich. Die Ausführung in Kunstseide gehört nicht in einen Laufweg und nicht in den Eingangsbereich.
Hereke und Hereke Seide sind ruhige Plätze zugedacht: Schlafzimmer, Arbeitszimmer, die Wand. Der Flor ist kurz geschoren, die Zeichnung fein, und beides lebt von gleichmäßigem Licht. Unter einen Esstisch gehört ein dichter, kurzer Wollflor und kein Seidenstück. Was welche Ausführung im Alltag verträgt, steht in der Pflegeübersicht.
Vier, und keine davon lautet, wie viele Knoten der Teppich hat.
Erstens: handgeknüpft oder maschinell. Das ist an Rückseite und Fransen in Sekunden entschieden und keine Verhandlungssache.
Zweitens: welche Provenienz, und woran festgemacht. Wer eine Herkunft nennt, sollte sie am Stück zeigen können, an Bindung, Material, Zeichnung und Kantenausführung, nicht am Anhänger.
Drittens: welches Material in Flor und Kette, in klaren Worten. Wolle, Maulbeerseide, Kunstseide und mercerisierte Baumwolle sind vier Dinge und nicht eines.
Viertens: der Zustand. Anatolische Ware ist zu einem großen Teil Gebrauchsware, die tatsächlich gelegen hat. Drei Stellen genügen: die Florhöhe in den Laufwegen, denn ein durchgelaufener Flor lässt die Kette durchscheinen und ist nicht reparabel, dazu die Enden und die Webkanten, beides reparabel, solange man früh hinsieht.
Wie sich diese Punkte zu einer Bewertung zusammensetzen, ordnet die Wertübersicht ein, die Reihenfolge der Entscheidungen die Kaufberatung. Aktuelle türkische Stücke mit Maßen und Fotos zeigt das Sortiment von Morgenland Teppiche.
Nein. Die Türkei fertigt maschinell gewebte Teppiche in großem Umfang, und die Angabe Made in Turkey unterscheidet beides nicht. Handknüpfung erkennt man an der Rückseite mit ihren einzeln sichtbaren Knoten und an Fransen, die als verlängerte Kettfäden aus dem Gewebe laufen.
Nicht zwangsläufig. Ein Kayseri trägt Flor aus Wolle, Baumwolle oder Kunstseide auf einer Kette aus Baumwolle, bei 100.000 – 400.000 Knoten/m². Kunstseide ist Viskose und damit keine Maulbeerseide. Wo Kunstseide, Florettseide, Bambus- oder Bananenseide im Etikett steht, liegt keine echte Seide vor.
Weil die Provenienz über ihre Seidenlinie bekannt geworden ist. Im Datenbestand sind Hereke und Hereke Seide der Kategorie Seidenteppiche zugeordnet, obwohl für Hereke auch Wolle auf Baumwolle geführt wird. Anatolisch bleibt die Herkunft in beiden Fällen.
Das hängt am Raum und nicht an einer Rangfolge, denn eine gibt es nicht. Für Flächen, die Belastung aushalten müssen, und für ein grafisches, ruhiges Bild spricht anatolische Ware. Für eine fließende Zeichnung mit vielen Farbabstufungen spricht persische Stadtware. Unsere Empfehlung für den ersten handgeknüpften Teppich im Haus: ein Wollteppich aus Usak oder Kayseri, robust, verzeihend und in großen Formaten verfügbar.
Am Stück, nicht am Namen, denn Usak zirkuliert auch als Designbezeichnung. Für die westanatolische Provenienz sprechen die symmetrische Bindung, Wolle auf Wolle oder Baumwolle, 60.000 – 140.000 Knoten/m² und ein großzügiges Stern- oder Rundmedaillon in gedeckten Terrakotta-, Senf- und Salbeitönen. Bleibt es unklar, muss der Händler die Herkunft belegen.
Ja, das ist im deutschen Handel die übliche Verwendung. Zu bedenken ist allein die Blickrichtung: Die Mihrab gibt dem Muster ein Oben und ein Unten. Im Flur und vor einer Wand funktioniert das gut, quer unter einer Sitzgruppe wirkt es unruhig.

Kayseri-Teppiche aus Zentralanatolien werden in Wolle, Baumwolle und Seide geknüpft und bieten klassische türkische Designs.

Usak-Teppiche (Oushak) aus Westanatolien sind seit dem 15. Jahrhundert berühmt für großformatige Medaillon-Designs in gedeckten Farben.