Usak
Usak-Teppiche (Oushak) aus Westanatolien sind seit dem 15. Jahrhundert berühmt für großformatige Medaillon-Designs in gedeckten Farben.
- Region
- Türkei
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 60.000 – 140.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Türkei — Stadt Uşak, Westanatolien
- Flormaterial
- Wolle auf Wolle oder Baumwolle
- Knotendichte
- 60.000 – 140.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Große Medaillons, gedeckte Pastellfarben, historische Tradition




Foto: Morgenland Teppiche
Usak-Teppiche, im Handel auch Oushak geschrieben, gehören zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Knüpfarbeiten Anatoliens. Sie stammen aus der Stadt Uşak im westanatolischen Hochland der Türkei und prägten über Jahrhunderte das Bild des türkischen Teppichs in Europa. Charakteristisch sind großzügige Stern- und Medaillondessins, ein weicher, glänzender Wollflor und eine gedeckte Farbpalette aus Terrakotta, Senfgelb und Salbeitönen. Historische Usak-Teppiche aus dem 15. bis 17. Jahrhundert zählen heute zu den begehrtesten Sammlerstücken überhaupt und sind in europäischen Renaissancegemälden dokumentiert.
Was ist ein Usak-Teppich?
Ein Usak ist ein handgeknüpfter türkischer Teppich aus der Stadt Uşak und ihrem Umland in Westanatolien. Geknüpft wird mit dem symmetrischen türkischen Knoten, dem Ghiordes-Knoten, auf einer Baumwoll- oder Wollkette mit Wollflor. Der Name steht zugleich für eine ganze Designtradition: Über Jahrhunderte lieferte Uşak großformatige Teppiche mit zentralen Stern- oder Rundmedaillons, die ganze Säle füllten und in osmanische Paläste, Moscheen und europäische Adelshäuser gelangten.
Anders als die feinen Hofmanufakturen von Hereke oder die zentralanatolischen Kayseri-Teppiche ist der Usak ein gröber geknüpfter, dekorativer Flächenteppich. Seine Stärke liegt nicht in höchster Knotendichte, sondern in der großzügigen Komposition, der warmen Wolle und der ruhigen, gedeckten Farbigkeit.
Herkunft
Uşak liegt rund 200 Kilometer landeinwärts von İzmir im westanatolischen Hochland, an alten Handelsrouten zwischen der Ägäisküste und Zentralanatolien. Die Region zählt zu den ältesten Knüpfzentren Anatoliens. Ihre Blütezeit erlebte sie im 15. bis 17. Jahrhundert, als Uşak zum führenden Produktionsort des Osmanischen Reiches für repräsentative Großteppiche aufstieg.
Aus dieser Epoche stammen mehrere Teppichgruppen, die in der Forschung feste Namen tragen. Die frühen geometrischen Muster mit ineinandergreifenden Achtecken werden nach dem Maler Hans Holbein dem Jüngeren als Holbein-Teppiche bezeichnet, weil er sie in seinen Bildern wiedergab. Die etwas späteren Stücke mit versetzt angeordneten Rauten und Kreuzformen heißen nach dem Maler Lorenzo Lotto Lotto-Teppiche. Berühmt sind außerdem die großen Stern-Usak mit gezackten Sternmedaillons sowie die Medaillon-Usak mit einem zentralen, oft ovalen Rundmedaillon vor dunkelrotem oder tiefblauem Grund. Diese historischen Usak-Teppiche gelangten über venezianische und genuesische Händler nach Europa und sind dort auf zahlreichen Gemälden der Renaissance abgebildet, weshalb man im Kunsthandel ganze Mustertypen nach den Malern benennt.
Uşak gehört zur großen Familie der anatolischen Teppiche und stand über Jahrhunderte in direktem Austausch mit den Hofwerkstätten des Reiches. Während die kaiserliche Manufaktur in Hereke erst 1843 entstand, war Uşak da bereits ein etabliertes Zentrum mit jahrhundertealter Tradition.
Muster und Farben
Das prägende Merkmal eines Usak-Teppichs ist die großformatige Medaillonkomposition. Im Zentrum steht meist ein gezacktes Sternmedaillon oder ein ovales Rundmedaillon, das von kleineren geometrischen Nebenformen und stilisierten Ranken umspielt wird. Daneben stehen die durchgemusterten Felder der Holbein- und Lotto-Tradition mit ihren rapportartig wiederholten Achtecken und Rautengittern. Die Zeichnung bleibt insgesamt geometrisch und flächig, nicht fein-kurvlinear wie bei persischen Manufakturmustern.
Die Farbpalette historischer Usak-Teppiche ist warm und satt, mit kräftigem Ziegelrot, tiefem Indigoblau und Goldgelb. Moderne Usak-Produktionen, wie sie heute vielfach als dekorative Wohnteppiche gefertigt werden, zeigen dagegen oft eine bewusst gedeckte, leicht ausgewaschene Palette aus Terrakotta, Senf, Salbeigrün, Grau und Elfenbein. Diese gedämpften Töne und der weiche, seidig schimmernde Flor machen den modernen Usak zu einem gefragten Einrichtungsteppich. Die Bordüren sind meist mehrreihig und greifen geometrische Bänder, Palmetten oder stilisierte Pflanzenmotive auf.
Material und Knüpftechnik
Der Flor eines Usak besteht aus Schurwolle, traditionell aus der glänzenden, langstapeligen Wolle westanatolischer Schafe. Diese Wolle nimmt Farbe gut an und verleiht dem Teppich seinen charakteristischen weichen Schimmer. Kette und Schuss sind meist aus Baumwolle, bei älteren und nomadisch geprägten Stücken auch aus Wolle. Hochwertige Exemplare können Seidenakzente im Flor tragen, die einzelne Musterpartien zusätzlich zum Leuchten bringen. Welche Fasern in Orientteppichen verarbeitet werden, behandelt die Übersicht zu den Materialien.
Geknüpft wird der Usak mit dem symmetrischen türkischen Knoten, auch Ghiordes-Knoten genannt, der für ganz Anatolien charakteristisch ist. Der Flor wird mittellang geschoren, sodass die großflächigen Muster klar hervortreten und die Wolle ihren Glanz behält. Wie die einzelnen Arbeitsschritte vom Spinnen über das Knüpfen bis zum Scheren ablaufen, beschreibt der Beitrag zur Herstellung. Die Webkanten und Fransen sind Teil der Grundkonstruktion und nicht nachträglich angesetzt.
Knotendichte und Qualität
Usak-Teppiche gehören zu den eher grob bis mittelfein geknüpften Anatolen. Die Knotendichte liegt typischerweise zwischen 80.000 und 200.000 Knoten pro Quadratmeter. Dieser Bereich ist bewusst gewählt: Die großzügigen Stern- und Medaillonmuster brauchen keine extreme Feinheit, und die etwas gröbere Knüpfung verleiht dem Teppich seinen robusten, alltagstauglichen Charakter. Wie sich die Knotendichte auf Qualität und Preis auswirkt, behandelt der eigene Artikel im Detail.
Die Qualität eines Usak misst sich daher weniger an der reinen Knotenzahl als an der Wolle, der Färbung und der Sauberkeit der Zeichnung. Hochwertige Stücke zeigen glänzende, handgesponnene Wolle, ein ausgewogenes Farbbild ohne grelle Töne und gleichmäßig durchgezogene Bordüren. Antike Usak-Teppiche aus Naturfarben entwickeln über die Jahrzehnte eine feine Patina und eine charakteristische Abrasch, also leichte Farbschwankungen aus handgefärbten Garnen.
| Merkmal | Ausprägung beim Usak |
|---|---|
| Knotenart | symmetrischer türkischer Knoten (Ghiordes) |
| Knotendichte | ca. 80.000 – 200.000 Knoten/m² |
| Flormaterial | Schurwolle, gelegentlich mit Seidenakzenten |
| Kette und Schuss | meist Baumwolle, älter auch Wolle |
| Florhöhe | mittellang geschoren |
| Typische Muster | Sternmedaillon, Rundmedaillon, Holbein- und Lotto-Felder |
| Farbcharakter | gedeckte Terrakotta-, Senf- und Salbeitöne, historisch satt |
Was ist ein Usak-Teppich wert?
Der Wert eines Usak-Teppichs hängt stark von Alter und Kategorie ab. Antike Stücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind museale Sammlerobjekte und erzielen auf internationalen Auktionen Spitzenpreise; große Stern- und Medaillon-Usak dieser Epoche gehören zu den teuersten Orientteppichen überhaupt. Solche Stücke gelangen nur selten in den Handel und werden in der Regel über spezialisierte Auktionshäuser gehandelt.
Moderne und halbantike Usak-Teppiche bewegen sich dagegen in einem zugänglicheren Rahmen und werden vor allem als dekorative Wohnteppiche gekauft. Hier bestimmen Größe, Wollqualität, Färbung und Zustand den Preis. Für die grundsätzliche Einordnung von Material und Verarbeitung lohnt der Blick auf warum echte Teppiche teuer sind, die Wertübersicht sowie die allgemeine Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Usak-Teppich?
Typische Hinweise auf einen echten, handgeknüpften Usak sind:
- Handgeknüpfte Rückseite: Das Muster ist spiegelbildlich klar erkennbar, einzelne Knoten sind sichtbar; bei Maschinenware fehlt diese Struktur.
- Symmetrischer türkischer Knoten: Der Usak ist mit dem Ghiordes-Knoten gearbeitet, typisch für ganz Anatolien.
- Großformatige Medaillon- oder Felderkomposition: Sternmedaillon, Rundmedaillon oder rapportierte Holbein- und Lotto-Muster.
- Glänzende Schurwolle mit weichem, leicht seidigem Griff statt stumpfer Synthetik.
- Gedeckte, harmonische Farben, bei älteren Stücken aus Naturfarben mit feiner Abrasch.
- Fransen als Teil der Kette, nicht nachträglich angenäht.
Da Uşak heute auch maschinell gefertigte Teppiche im gleichen Stil hervorbringt, sollten Rückseite, Knotenart, Material und Musterführung zusammen betrachtet werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, Hinweise zur regionalen Einordnung der Beitrag Herkunft erkennen.
Pflege
Dank des robusten Wollflors und der mittleren Knotendichte ist der Usak ein pflegeleichter Gebrauchsteppich. Regelmäßiges Saugen in Florrichtung und eine gelegentliche professionelle Reinigung erhalten Glanz und Farben. Flecken werden sofort mit klarem Wasser aufgenommen, ohne zu reiben. Lange direkte Sonneneinstrahlung lässt vor allem naturgefärbte Töne verblassen und sollte vermieden werden. Bei antiken Stücken ist besondere Vorsicht geboten; sie gehören im Zweifel in fachkundige Hände. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Usak und Oushak?
Usak und Oushak bezeichnen denselben Teppich; es handelt sich nur um zwei Schreibweisen des Stadtnamens Uşak. Im deutschsprachigen Handel ist Usak verbreitet, im englischsprachigen Raum und bei Designteppichen meist Oushak.
Sind Usak-Teppiche türkisch oder persisch?
Usak-Teppiche sind eindeutig türkisch. Sie stammen aus Westanatolien und werden mit dem symmetrischen türkischen Knoten geknüpft. Mit den feinen, kurvlinearen Perserteppichen teilen sie nur einzelne Motive, nicht aber Knotenart und Bauweise.
Was macht historische Usak-Teppiche so wertvoll?
Antike Usak-Teppiche aus dem 15. bis 17. Jahrhundert stehen am Anfang des europäischen Orientteppichhandels und sind in zahlreichen Renaissancegemälden abgebildet, etwa als Holbein- und Lotto-Teppiche. Ihre Seltenheit, ihr Alter und ihre kunsthistorische Bedeutung machen gut erhaltene Stücke zu hochpreisigen Sammlerobjekten.
Worin unterscheidet sich ein Usak von einem Hereke-Teppich?
Der Usak ist ein gröber geknüpfter, großflächiger Wollteppich aus Westanatolien mit geometrischen Medaillons. Der Hereke ist eine feine Hofmanufakturware aus reiner Seide oder feinster Wolle mit sehr hoher Knotendichte und kurvigen Hofmustern. Beide sind türkisch, unterscheiden sich aber stark in Feinheit und Charakter.
Welche Farben sind typisch für moderne Usak-Teppiche?
Moderne Usak-Teppiche zeigen meist eine gedeckte, leicht ausgewaschene Palette aus Terrakotta, Senfgelb, Salbeigrün, Grau und Elfenbein. Diese ruhige Farbigkeit und der weiche Wollglanz machen sie zu beliebten Einrichtungsteppichen.
Sind Usak-Teppiche für stark genutzte Räume geeignet?
Ja. Die robuste Schurwolle und die mittlere Knotendichte machen handgeknüpfte Usak-Teppiche strapazierfähig und alltagstauglich. Sie eignen sich gut für Wohn- und Essbereiche; nur antike Sammlerstücke gehören aus konservatorischen Gründen nicht in stark begangene Zonen.
Wie pflege ich einen Usak-Teppich richtig?
Regelmäßiges Saugen in Florrichtung und eine professionelle Reinigung alle paar Jahre genügen. Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, nicht reiben, und lange direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Antike Stücke sollten ausschließlich fachgerecht gereinigt werden.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Usak-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.


