Die Türkei blickt auf eine jahrtausendealte Knüpftradition zurück und ist bekannt für den symmetrischen Ghiordes-Knoten.
Die Türkei, das historische Anatolien, ist eine der ältesten Teppichregionen der Welt. Schon im 13. Jahrhundert beschrieb Marco Polo die anatolischen Teppiche als die schönsten der Welt, und im 15. und 16. Jahrhundert tauchten sie so häufig auf europäischen Gemälden auf, dass ganze Mustergruppen heute nach den Malern Lotto und Holbein benannt sind. Anatolien ist zugleich die mutmaßliche Wiege des Knüpfteppichs: Die ältesten geknüpften Fragmente vom Fundort Çatalhöyük und die Seldschuken-Teppiche aus den Moscheen von Konya gehören zu den frühesten erhaltenen Zeugnissen der Technik überhaupt.
Türkische Teppiche stehen für eine eigenständige, klar von der persischen unterscheidbare Ästhetik. Sie arbeiten überwiegend mit dem symmetrischen Knoten und einer geometrischen, oft archaisch wirkenden Mustersprache, die sich aus dem Gebetsteppich, dem Stammeszeichen und der dörflichen Webtradition speist. Daneben steht die höfische Linie der osmanischen Seidenmanufakturen, die in Hereke ihre Vollendung fand. Diese Seite ordnet die Region geografisch und beschreibt ihre Knüpfzentren von der Ägäis bis nach Zentralanatolien.
Die türkische Teppichproduktion verteilt sich über das gesamte anatolische Hochplateau und die westlichen Küstenregionen. Das kontinentale Klima mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern, dazu Höhenlagen zwischen etwa 800 und 1.500 Metern, begünstigt eine zugfeste, glänzende Schafwolle. Die Wolle aus dem westanatolischen Bergland gilt als besonders lanolinreich und langlebig, was den türkischen Dorfteppichen ihre sprichwörtliche Strapazierfähigkeit gibt. Wichtige Knüpforte ziehen sich von der Ägäisküste bei Milas und Ushak über das zentrale Anatolien um Konya und Kayseri bis nach Kappadokien.
Die türkische Knüpftradition basiert auf dem symmetrischen Knoten, dem türkischen oder Ghiordes-Knoten, benannt nach dem westanatolischen Ort Gördes. Er schlingt den Florfaden um beide Kettfäden und ergibt einen besonders festen, gegen Abnutzung widerstandsfähigen Flor. Diese Bindung legt geometrische Muster nahe und erklärt, warum türkische Teppiche seltener die fein geschwungenen Ranken persischer Stadtware zeigen. Den Unterschied der beiden Grundknoten behandelt die Seite Knotenarten, den vollständigen Fertigungsweg die Seite Herstellung.
Verarbeitet wird traditionell lokale Schurwolle, in den Seidenzentren auch reine Seide, gefärbt mit Pflanzenfarben aus der regionalen Flora: Krapp für Rot, Indigo für Blau, Reseda und Wau für Gelb. Viele westanatolische Dörfer pflegen diese Naturfärbung bis heute, unter anderem im Rahmen des DOBAG-Projekts, das die alten Rezepturen wiederbelebt hat. Wie sich Pflanzenfarben von synthetischen Farbstoffen unterscheiden, erklärt Naturfarben erkennen.
Anatolien gliedert sich in eine höfische Seidenlinie und eine breite dörfliche Wolltradition. Die folgende Übersicht ordnet die bekanntesten Zentren ein.
| Knüpfzentrum | Bekannt für | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Hereke | osmanische Hofqualität | feinste Seide und Korkwolle, florale Muster, höchste Knotendichten |
| Kayseri | Seiden- und Kunstseideware | persisch inspirierte Muster, Medaillons, große Produktionsbreite |
| Ushak | älteste Tradition | großformatige Medaillon- und Sternteppiche, weiche Wolle, gedämpftes Rot |
| Konya | Seldschuken-Erbe | frühe Gebetsteppiche, klare Geometrie, warme Erdtöne |
| Milas | Ägäis-Dorfware | schmale Formate, charakteristische Mihrab, Gelb- und Rosttöne |
| Bergama | Westanatolien | quadratnahe Formate, archaische Medaillons, kräftiges Rot und Blau |
| Yagcibedir | Nomadentradition | dunkles Blau und Rot, geometrische Gebetsfelder, robuste Wolle |
| Gördes | namengebend für den Knoten | klassische Gebetsteppiche, Säulen-Mihrab, feine Bordüren |
Hereke gilt als Königin der türkischen Zentren. Die einst kaiserliche Manufaktur, 1843 gegründet, knüpfte für den Sultanshof und erreicht bei Seide bis zu einer Million Knoten pro Quadratmeter. Die Hereke-Seide steht damit an der Spitze türkischer Knüpfkunst. Kayseri entwickelte sich zum vielseitigen Zentrum mit persisch geprägten Mustern, Ushak blickt auf die älteste durchgehende Tradition zurück: Bereits im 15. und 16. Jahrhundert entstanden hier die großen Medaillon- und Sternteppiche, die in europäischen Gemälden verewigt sind. Alle registrierten türkischen Typen stehen in der Stilübersicht.
Die anatolische Knüpfkunst hat zwei große Quellen. Die erste sind die Seldschuken, die im 11. und 12. Jahrhundert aus Zentralasien nach Anatolien einwanderten und ihre Knüpftradition mitbrachten. Aus den Moscheen von Konya und Beyşehir stammen die ältesten datierbaren anatolischen Teppiche, die sogenannten Seldschuken-Teppiche des 13. Jahrhunderts mit ihren streng geometrischen Feldern und kufischen Bordüren.
Die zweite Quelle ist das Osmanische Reich. Unter den Sultanen entstand ab dem 16. Jahrhundert eine höfische Manufakturkunst, die Seide und feine Wolle zu floralen Mustern im Stil der osmanischen Buch- und Fliesenkunst verarbeitete. Parallel blühte in Westanatolien die Produktion der großen Ushak-Teppiche, die über Izmir und die genuesischen Handelshäuser nach Europa exportiert wurden. Auf den Bildern von Hans Holbein, Lorenzo Lotto und anderen erscheinen sie als Tisch- und Bodenteppiche der Reichen, weshalb die Mustergruppen ihre Malernamen tragen.
Mit dem Niedergang des Reiches ging auch die höfische Produktion zurück, bis im 19. Jahrhundert die europäische Nachfrage neue Zentren wie Hereke und Kayseri groß machte. Die dörfliche und nomadische Knüpferei in Anatolien lief davon weitgehend unberührt weiter und bewahrte ihre alten Muster bis heute. Die lange Linie der Technik zeichnet die Seite Ursprung der Knüpfkunst nach.
Das prägende Format Anatoliens ist der Gebetsteppich mit seiner Mihrab, der stilisierten Gebetsnische, die nach Mekka gerichtet wird. Daneben stehen großflächige Medaillon- und Sternkompositionen, Felder mit versetzten Stammeszeichen und mehrfach gestufte Bordüren mit Mäander-, Wellen- und Hakenmustern. Anders als die kurvilineare persische Stadtware bleibt das türkische Muster fast immer geometrisch und in klaren Flächen organisiert.
Diese Geometrie folgt dem symmetrischen türkischen Knoten, der den Florfaden um beide Kettfäden legt. Die Knotendichten der Wollteppiche liegen meist zwischen 100.000 und 300.000 Knoten pro Quadratmeter, bei den Seidenmanufakturen von Hereke und Kayseri deutlich darüber. Neben dem geknüpften Teppich hat Anatolien eine reiche Kelim-Tradition: flach gewebte Teppiche in Schlitzwirktechnik mit kräftigen geometrischen Streifen- und Rautenmustern, die ohne Flor auskommen. Wie sich türkische und persische Knüpfung im Detail unterscheiden, behandelt der Stil-Vergleich.
Zu den eigenständigen türkischen Stilen zählen die Seidentypen Hereke, Hereke-Seide und Kayseri sowie die historische Großware aus Ushak. Hinzu kommen die anatolischen Dorf- und Nomadentraditionen aus Milas, Bergama, Konya und Yagcibedir, die als regionale Gebets- und Wohnteppiche gehandelt werden, und die Kelim-Linie der Flachgewebe. Wer die türkische Geometrie der persischen Florale gegenüberstellen will, findet im Bereich Teppicharten den größeren Rahmen, in dem die Perserteppiche als Gegenpol stehen.
Den Wert eines türkischen Teppichs bestimmen Herkunft, Material, Knotendichte, Alter und Erhaltungszustand. Hochwertige Seidenteppiche aus Hereke und antike anatolische Dorf- und Gebetsteppiche gelten als wertstabil. Vor dem Kauf helfen die Kaufberatung und der Aufsatz Warum echte Teppiche teuer sind. Wie man Echtheit und Herkunft selbst prüft, steht unter Orientteppich erkennen und Herkunft erkennen. Die Pflege beschreibt die Pflegeübersicht.
Ein türkischer Teppich ist meist mit dem symmetrischen Knoten geknüpft und zeigt eine geometrische, klar in Flächen gegliederte Mustersprache, oft mit einer Mihrab als Gebetsnische. Die Wolle ist fest und glänzend, das Muster zeichnet sich spiegelbildlich auf der Rückseite ab. Wie sich die Herkunft bestimmen lässt, behandelt Herkunft erkennen.
In der Türkei dominiert der symmetrische Knoten, auch türkischer oder Ghiordes-Knoten genannt, benannt nach dem Ort Gördes. Er umschlingt beide Kettfäden und ergibt einen besonders festen, abriebbeständigen Flor. Den Vergleich mit dem persischen Knoten zeigt die Seite Knotenarten.
Türkische Teppiche zeichnen sich durch den symmetrischen Knoten, eine geometrische Mustersprache und das traditionelle Gebetsteppichformat aus. Sie sind sehr haltbar, arbeiten mit kräftigen Naturfarben und reichen vom robusten Dorfstück bis zur feinsten Seidenmanufaktur aus Hereke.
Türkische Teppiche nutzen den symmetrischen Knoten und bevorzugen geometrische, flächige Muster, während persische Teppiche meist den asymmetrischen Knoten und feinere florale Designs verwenden. Türkisch dominiert das Gebetsteppichmotiv, persisch das Medaillon mit Rankenwerk. In der Wollqualität gelten anatolische Teppiche als besonders fest und langlebig.
Anatolischer Teppich ist die geografisch genauere Bezeichnung für einen türkischen Teppich, da Anatolien den asiatischen Hauptteil der Türkei bildet. Der Begriff betont meist die dörfliche und nomadische Knüpftradition aus Orten wie Ushak, Konya oder Milas.
Hochwertige Seidenteppiche aus Hereke gelten als wertbeständig, ebenso gut erhaltene antike anatolische Dorf- und Gebetsteppiche. Entscheidend sind Herkunft, Knotendichte, Alter und Zustand. Eine Garantie für Wertsteigerung gibt es nicht; mehr dazu unter Alte Teppiche werden wertvoller.
Ein türkischer Gebetsteppich trägt eine Mihrab, eine stilisierte spitz zulaufende Nische, die beim Gebet nach Mekka gerichtet wird. Dieses Format prägt die anatolische Knüpfkunst aus Orten wie Gördes, Konya und Milas und gehört zu den ältesten Bildmotiven der Region.

Hereke-Teppiche aus der kaiserlichen Manufaktur am Marmarameer zählen zu den feinsten Seidenteppichen der Welt.

Kayseri-Teppiche aus Zentralanatolien werden in Wolle, Baumwolle und Seide geknüpft und bieten klassische türkische Designs.

Usak-Teppiche (Oushak) aus Westanatolien sind seit dem 15. Jahrhundert berühmt für großformatige Medaillon-Designs in gedeckten Farben.

Hereke-Seidenteppiche aus der osmanischen Hofmanufaktur gelten als die feinsten Seidenteppiche überhaupt.