Teppiche aus reiner Seide gelten als die edelste Form der Knüpfkunst, besonders fein, glänzend und wertvoll.
Foto: Morgenland Teppiche
Seidenteppiche sind ganz oder teilweise aus Seide geknüpfte Teppiche und gelten als die feinste Form der Knüpfkunst. Weil sich Seidenfäden extrem dünn verspinnen lassen, erreichen sie Knotendichten, die mit Wolle unmöglich wären, oft mehrere hunderttausend bis über eine Million Knoten pro Quadratmeter. Das Ergebnis ist eine messerscharfe Musterauflösung und der charakteristische Glanz, der sich beim Wechsel des Blickwinkels verändert. Die bekanntesten Zentren sind Ghom im Iran, Hereke in der Türkei sowie Manufakturen in Indien und China.
Echte Seide ist allerdings auch das Material, das am häufigsten vorgetäuscht wird. Mercerisierte Baumwolle, Viskose und Kunstseide ahmen den Glanz nach, ohne die Eigenschaften echter Maulbeerseide zu besitzen. Wer einen Seidenteppich kauft, sollte das Material daher sicher prüfen können. Diese Seite ordnet die wichtigsten Seidenherkünfte ein, erklärt, woran sich echte Seide erkennen lässt, beschreibt Herstellung und Knotendichte und nennt die Kriterien für Wert und Pflege.
Echte Maulbeerseide unterscheidet sich in mehreren Punkten klar von ihren Imitaten. Das wichtigste Indiz ist die Kombination aus tiefem, blickwinkelabhängigem Glanz, kühl-glattem Griff und der Feinheit der Knüpfung. Reine Seidenteppiche fühlen sich auch bei sehr dünnem Flor stabil an und sind im Verhältnis zur Fläche leicht.
Im Handel kursieren mehrere Prüfmethoden. Der Brenntest an einer einzelnen Faser ist am aussagekräftigsten: Echte Seide verschwelt langsam, riecht nach verbranntem Horn oder Haar und hinterlässt eine zerreibbare Kugel, während Viskose wie Papier aufflammt und Kunstseide schmilzt. Daneben gibt der Reibetest Hinweise, da echte Seide bei Reibung leicht warm wird. Die vollständige Anleitung mit allen Tests steht unter Seide erkennen, der Materialvergleich unter Seide gegen Wolle und im Materialporträt Seide.
Jedes Seidenzentrum hat ein eigenes Profil aus Muster, Farbigkeit und Knüpffeinheit. Die folgende Übersicht ordnet die bekanntesten ein.
| Herkunft / Stil | Bekannt für | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Ghom-Seide | feinste Perserseide | präzise florale Muster, hohe Dichte, oft signiert |
| Hereke-Seide | osmanische Spitzenqualität | sehr feine Bordüren, Gebets- und Medaillonmotive |
| Kaschmir-Seide | indische Eleganz | florale Paisleymuster, weicher Glanz |
| Isfahan | Korkwolle mit Seide | Seidenkette, florale Medaillons, höchste Stadtqualität |
| China-Seide | eigene Motivwelt | Drachen und Wolkenbänder, klare Farbfelder |
| Kelim-Seide | flachgewebte Seide | gewebt statt geknüpft, leichter Glanz |
| Afghan-Seide | nomadische Tradition | dunkle Grundtöne, tribale Muster in Seide |
Die feinsten reinen Seidenteppiche kommen aus Ghom und Hereke. Isfahan verbindet eine Seidenkette mit feinster Korkwolle und Seidenakzenten und zählt zu den höchsten Stadtqualitäten Persiens. Die komplette Stilliste steht in der Stilübersicht.
Die Seidenknüpferei erreichte ihre erste Blüte unter den Safawiden im 16. und 17. Jahrhundert, als in den Hofmanufakturen von Isfahan, Kaschan und Täbriz reine Seidenteppiche und Seiden-Metallfaden-Arbeiten für den Hof und als diplomatische Geschenke entstanden. Diese Stücke gehören heute zu den teuersten erhaltenen Teppichen überhaupt.
In der Türkei entwickelte sich Hereke im 19. Jahrhundert zur kaiserlichen Manufaktur des osmanischen Hofes und prägte einen eigenen, besonders feinen Seidenstil. Ghom ist mit der Seidenproduktion vergleichsweise jung und stieg erst im 20. Jahrhundert zum führenden persischen Seidenzentrum auf. Die historische Linie der Knüpfkunst behandelt der Bereich Geschichte der Knüpfkunst, die Herkunftsregionen sind unter Persien und Türkei beschrieben.
Die hochwertigsten Seidenteppiche bestehen aus Maulbeerseide, gewonnen aus dem Kokon der Seidenraupe. Vor der Verarbeitung wird die Rohseide entbastet, gehaspelt, gezwirnt und gefärbt. Bei reinen Seidenteppichen bestehen Kette, Schuss und Flor aus Seide, bei gemischten Qualitäten dient eine Baumwoll- oder Seidenkette als Grundgewebe, während der Flor aus Seide oder einer Kombination aus Korkwolle und Seide geknüpft wird. Das Materialporträt findet sich unter Seide.
Geknüpft wird überwiegend mit dem feinen asymmetrischen persischen Knoten, der eine präzise Musterauflösung erlaubt. Die Knotendichte reicht von mehreren hunderttausend Knoten pro Quadratmeter bis über eine Million bei Spitzenstücken aus Ghom und Hereke. Ein erfahrener Knüpfer schafft täglich nur wenige Quadratzentimeter, weshalb ein mittelgroßer Seidenteppich Monate bis Jahre in Arbeit ist. Was die Knotenzahl konkret bedeutet, erklärt Knotendichte erklärt, die Feinheitsstufen La-Stufen erklärt, die Techniken der Bereich Knotenarten und Herstellung.
Mehrere Merkmale ergeben zusammen ein sicheres Bild. Auf folgende Punkte kommt es an:
Die vollständige Prüfung steht unter Seide erkennen und Ist mein Teppich echt?. Die Herkunft eines unbekannten Stücks lässt sich über Herkunft erkennen eingrenzen.
Den Wert eines Seidenteppichs bestimmen Knotendichte, Reinheit des Materials, Herkunft, Alter, Erhaltungszustand und die Frage, ob das Stück signiert ist. Reine Seidenteppiche aus Ghom und Hereke erzielen die höchsten Preise, gemischte Qualitäten und seidenähnliche Materialien liegen deutlich darunter. Warum echte Knüpfteppiche ihren Preis haben, erklärt Warum echte Teppiche teuer sind.
Beim Kauf ist die Materialprüfung entscheidend, da der Unterschied zwischen echter Seide und Imitat den Wert vervielfacht. Vor dem Kauf lohnen die Kaufberatung, der Aufsatz Wertvolle Perserteppiche erkennen und die Wertübersicht. Reine Seidenteppiche eignen sich wegen ihrer Empfindlichkeit für repräsentative, wenig begangene Bereiche oder als Wandbehang.
Seidenteppiche brauchen besonders schonende Pflege. Gesaugt wird nur in Faserrichtung und mit reduzierter Saugkraft, am besten ohne rotierende Bürste. Seide reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit, Hitze und aggressive Reinigungsmittel, weshalb Nassreinigung und Fleckenbehandlung dem Fachbetrieb überlassen werden sollten. Direkte Sonne bleicht die Farben aus. Alle Routinen stehen in der Pflegeübersicht.
Echte Seide changiert blickwinkelabhängig im Glanz, fühlt sich kühl und glatt an und löst das Muster auch auf der Rückseite messerscharf auf. Der sicherste Nachweis ist der Brenntest an einer einzelnen Faser: Echte Seide verschwelt langsam und riecht nach verbranntem Horn, während Viskose aufflammt und Kunstseide schmilzt.
Der Preis hängt von Knotendichte, Materialreinheit, Herkunft und Größe ab und reicht weit auseinander. Reine, fein geknüpfte Seidenteppiche aus Ghom oder Hereke liegen deutlich über gemischten Qualitäten. Seidenähnliche Materialien wie Viskose sind keine echten Seidenteppiche und entsprechend günstiger.
Echte Maulbeerseide ist eine Naturfaser mit tiefem, blickwinkelabhängigem Glanz und hoher Reißfestigkeit. Viskose ist eine zellulosebasierte Kunstfaser, die den Glanz nachahmt, aber weicher, weniger reißfest und feuchtigkeitsempfindlicher ist. Im Brenntest flammt Viskose papierartig auf, Seide verschwelt.
Die feinsten reinen Seidenteppiche stammen aus Ghom im Iran und Hereke in der Türkei und erreichen Knotendichten bis über eine Million Knoten pro Quadratmeter. Isfahan verbindet eine Seidenkette mit feinster Korkwolle und Seidenakzenten und zählt zu den höchsten Stadtqualitäten Persiens.
Reine Seidenteppiche sind empfindlich und eignen sich vor allem für repräsentative, wenig begangene Bereiche oder als Wandbehang. Für stark genutzte Räume oder Haushalte mit Kindern sind robustere Wollteppiche besser geeignet.
Gesaugt wird nur in Faserrichtung und mit reduzierter Saugkraft, am besten ohne rotierende Bürste. Seide reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und Hitze, deshalb gehören Nassreinigung und Fleckenbehandlung in einen Fachbetrieb. Direkte Sonne ist zu vermeiden, da sie die Farben ausbleicht.

Hereke-Teppiche aus der kaiserlichen Manufaktur am Marmarameer zählen zu den feinsten Seidenteppichen der Welt.

Indo-Ghom-Teppiche folgen dem feinen persischen Ghom-Stil und werden in Indien oft aus Seide gefertigt.

Seiden-Kelims sind die edelsten Flachgewebe, leicht, glänzend und mit feinsten Musterdetails.

Ghom-Seidenteppiche aus reiner Seide gelten als Sammlerstücke höchster Güte, jedes Stück ein kleines Kunstwerk.

Hereke-Seidenteppiche aus der osmanischen Hofmanufaktur gelten als die feinsten Seidenteppiche überhaupt.

Kaschmir-Seidenteppiche werden in der indischen Kaschmir-Region geknüpft und vereinen traditionelle Motive mit feinster Seide.

Afghanische Seidenteppiche kombinieren traditionelle Gul-Muster mit der feinen Struktur reiner Seide.

Chinesische Seidenteppiche zeigen Drachen, Medaillons und buddhistische Symbole auf feinster Seide.