Bildteppiche zeigen figürliche Szenen, Portraits, mythologische Motive oder Darstellungen aus Natur und Geschichte.
Foto: Morgenland Teppiche
Ein Bildteppich zeigt eine Szene und kein Muster. Die Kategorie ist damit über das Motiv definiert und nicht über einen Knüpfort, und daraus folgt etwas, das im Laden regelmäßig für Verwirrung sorgt: Eine Bildteppich-Provenienz gibt es nicht. Innerhalb der Orientteppiche läuft die Gruppe quer zu allen anderen, ähnlich wie das Alter bei den antiken Teppichen.
Diese Seite sagt, was eine Bildkomposition von einem Ornamentteppich mit Tieren trennt, welche Sujets tatsächlich vorkommen, warum die Arbeit in den feinen Stadtmanufakturen sitzt und nicht in der Stammesweberei, wo die Grenze zum Gebetsteppich verläuft und was sich beim Kauf ändert, wenn ein Teppich zum Ansehen gemacht ist und nicht zum Begehen.
Eine Komposition mit Leserichtung. Ein Bildteppich hat ein Oben und ein Unten, einen Vordergrund, einen Hintergrund und einen Rand, der als Rahmen funktioniert. Ein Ornamentteppich hat eine Mitte und eine Wiederholung.
Der Unterschied ist am Stück in wenigen Sekunden zu sehen. Ein Ornamentfeld lässt sich an der Längsachse spiegeln, ohne dass die Zeichnung kippt. Ein Bildfeld nicht: Ein Reiter, der nach links galoppiert, galoppiert nach der Spiegelung nach rechts, und die Szene ist zerstört. Das Glossar führt die Gattung als figürlich gemusterten Teppich mit Jagdszenen, Porträts oder Erzählmotiven, häufig zur Wandbehängung bestimmt.
Aus der Leserichtung folgt das Format. Bildteppiche stehen überwiegend in kleineren, aufrecht lesbaren Maßen, weil ein Bild als Ganzes im Blick liegen soll und nicht in Teilen unter Möbeln verschwinden. Die gängigen Maße und ihre Verwendung ordnet die Formatübersicht ein.
An der Frage, ob die Tiere eine Szene bilden oder eine Fläche füllen. Ein Medaillonteppich mit Vogelpaaren in den Eckzwickeln ist kein Bildteppich, auch wenn er mehr Lebewesen zeigt als manche Jagdszene.
Drei Prüfungen trennen die Fälle:
Ein Grenzfall gehört ausdrücklich zur Gattung: der Vierjahreszeiten-Teppich, ein persischer Bildteppich mit vier Feldern, die je eine Jahreszeit durch Vegetation, Tiere und Tätigkeiten darstellen. Vier Bilder in einem Teppich sind Bildteppich, vier gleiche Rosetten in vier Feldern sind Rapport.
Sechs Gruppen decken fast alles ab, was im deutschen Handel auftaucht, und sie sind ungleich verteilt: Jagd und Garten tragen den größten Teil, Porträts sind seltener als ihr Bekanntheitsgrad vermuten lässt.
Weil sich nichts wiederholt und weil gebogene Konturen in einem rechtwinkligen Raster gebaut werden müssen. Ein Ornamentfeld folgt einem Rapport, den die Knüpferin nach wenigen Bahnen im Kopf hat. Ein Bild hat keinen Rapport, jede Reihe ist neu.
Dazu kommt die Auflösung. Eine Diagonale entsteht im Knüpfgitter als Treppe, und wie fein diese Treppe ausfällt, hängt an der Knotenzahl. Bei Hereke Seide mit 800.000 – 2.000.000 Knoten/m² sind Jagdszenen mit Reitern, Hunden und Beutetieren erst deshalb darstellbar, weil ein Pferdebein bei gröberer Knüpfung in Stufen zerfällt. Bei Täbriz mit 120.000 – 1.000.000 Knoten/m² macht die Fibel die Grenze an der Raj-Stufe fest: ab 60 Raj werden figurale Motive und weiche Farbverläufe möglich.
Der zweite Faktor ist die Bindung. Der asymmetrische persische Knoten umschließt einen Kettfaden ganz und den zweiten nur halb und löst die Zeichnung feiner auf als der symmetrische türkische; beide Verfahren stehen unter Knotenarten. Der dritte ist die Zahl der Farbpartien, denn ein weicher Übergang in einem Gesicht entsteht aus vielen eng benachbarten Abstufungen, die alle einzeln gefärbt sein müssen. Die Färbeverfahren behandelt der Bereich Teppichfarben, den Ablauf am Webstuhl Knüpfen und der Bereich Herstellung.
Eine Zahl kann hier nicht stehen, und das ist Absicht: die Arbeitszeit. Für keinen Stil gibt es eine geprüfte Angabe in Monaten oder Jahren, und die Dauer hängt an Format, Feinheit, Zahl der Knüpfer an der Bank und Arbeitsrhythmus der Werkstatt. Wer eine Dauer nennt, schätzt. Was die Knotenzahl aussagt und was nicht, erklärt Knotendichte erklärt.
Acht, und keine davon ist als Bildteppich-Stil erfasst. Von den 96 Stilen der Fibel mit Kategoriezuordnung trägt kein einziger die Zuordnung Bildteppich, weil ein Bildmotiv eine Entscheidung der Werkstatt ist und keine Eigenschaft eines Knüpfortes. Die Tabelle nennt deshalb die Provenienzen, in deren Programm figurale Arbeiten nach der Datenlage vorkommen. Die Knotendichten sind die Angaben der jeweiligen Stilseite.
| Provenienz | Herkunft | Flor und Kette | Knoten/m² | Bildtradition nach Datenlage |
|---|---|---|---|---|
| Ghom | Stadt Ghom (Qom), Iran | Seide auf Seide oder Wolle auf Baumwolle | 300.000 – 1.000.000+ | florale und figurale Muster, Jagd- und Gartenszenen |
| Ghom Seide | Stadt Ghom (Qom), Iran | Seide auf Seide | 600.000 – 1.200.000+ | figurale Motive, Tschahar-Bagh-Gärten, Vogelbilder |
| Keschan | Kaschan, Provinz Isfahan | Wolle auf Baumwolle, teils Seide | 150.000 – 500.000 | höfische, mythologische, biblische Szenen |
| Kerman | Provinz Kerman, Iran | Wolle auf Baumwolle | 150.000 – 500.000 | Porträts und Blumenstücke nach europäischen Vorlagen |
| Täbriz | Täbriz, Ost-Aserbaidschan | Wolle auf Baumwolle, teils Seide | 120.000 – 1.000.000 | Jagd- und Gartenteppiche, figural ab 60 Raj |
| Hereke Seide | Hereke, Provinz Kocaeli, Türkei | Seide auf Seide | 800.000 – 2.000.000 | Jagdszenen mit Reitern, Garten- und Jahreszeitenmotive |
| Kaschmir Seide | Kaschmir-Region, Indien | Seide auf Baumwolle oder Seide | 300.000 – 1.000.000 | Jagdszenen und Lebensbaum nach persischen Vorbildern |
| China Seide | verschiedene Provinzen, China | Seide auf Seide oder Baumwolle | 300.000 – 900.000 | Drachen, Wolkenbänder, Lotos, eigene Bildwelt |
Ein Name fehlt in dieser Reihe, obwohl er in älteren Darstellungen regelmäßig als Bildteppich-Zentrum genannt wird: Isfahan. Isfahan kommt auf 400.000 – über 1.000.000 Knoten/m², also reichlich Auflösung für ein Gesicht, ist in der Zeichnung aber streng floral und spiegelsymmetrisch. Ein figuraler Isfahan ist nach dieser Datenlage die Ausnahme und nicht das Programm. Feinheit allein macht keinen Bildteppich; wie eng zwei Stadtprovenienzen der Spitzenklasse beieinander liegen, zeigt Nain gegen Isfahan.
Die Bildarbeit hängt am Ende an Werkstätten und nicht an Städten. In Ghom steht dafür ein Name wie Mohammadi mit Jagdszenen und figuralen Stücken nach persischen Miniaturen, in Täbriz Djavan mit derselben Vorlagenwelt in hellerer Palette. Weitere Namen stehen im Bereich Meisterknüpfer, die vollständige Liste in der Stilübersicht. Geografisch verteilt sich die Gruppe auf Persien, die Türkei, Indien und China; als Warengruppen sind die Stücke unter den Perserteppichen und den Seidenteppichen eingeordnet, die anatolische Linie zusätzlich in der türkischen Gruppe.
Nein. Ein Gebetsteppich ist gerichtet, aber nicht erzählend: Die Mihrab ist eine bogenförmige Gebetsnische, die beim Beten nach Mekka zeigt, und damit ein Ornament mit Funktion und keine Szene.
Die Verwechslung entsteht über die Leserichtung, das einzige Merkmal, das beide Gattungen teilen. Ein Mihrab-Feld hat wie ein Bildfeld ein Oben und ein Unten, weshalb beide an der Wand oder längs vor einer Wand besser stehen als quer unter einer Sitzgruppe. Alles Weitere trennt sie. Als Format ist der Gebetsteppich in Anatolien zu Hause und dort ausführlich behandelt, bei den türkischen Teppichen. Anatolische Manufakturware wie Kayseri führt Gebetsnischen im Programm, ohne dass daraus Bildteppiche werden.
Echte Grenzfälle bleiben. Die Hereke-Seidenlinie führt Gebetsteppiche mit fein gezeichneter Mihrab und Jagdszenen im selben Programm, und eine Nische, in deren Zwickeln Vögel und Zypressen eine kleine Landschaft bilden, liegt tatsächlich auf der Kante. Für die Einordnung im Handel entscheidet, was das Feld trägt: die Nische oder die Szene.
Weil dort die Vorlage fehlt, die Auflösung fehlt und das Repertoire eine andere Wurzel hat. Bei den Nomadenteppichen wird ohne Kartonmuster gearbeitet, aus dem Gedächtnis und in geometrischen Formen; der Schwerpunkt der Knüpfdichte dieser Gruppe liegt zwischen 60.000 und 180.000 Knoten pro Quadratmeter.
Bei den turkmenischen Stämmen ist es am deutlichsten. Turkaman und Buchara tragen Reihen von Güls, also Stammeszeichen in strenger Rapportordnung, und diese Ordnung verträgt keine Szene. Die Ware aus Turkmenistan und aus den Nordprovinzen Afghanistans bleibt deshalb bis heute nicht figural, ebenso die dunkelgrundige Stammesarbeit des Belutsch, deren Formenschatz aus Rauten, Haken und Nischen besteht.
Das ist keine Frage des Könnens. Ein Bildteppich verlangt drei Dinge, die alle in der Stadt sitzen: eine gezeichnete Vorlage, eine Werkstatt mit vielen einzeln gefärbten Garnpartien und einen Auftraggeber, der ein Bild bestellt. Flachgewebe wie die Kelims fallen aus einem vierten Grund heraus: Sie haben keinen Flor und bilden Konturen über die Schussführung, was gebogene Linien noch stärker in Stufen zerlegt.
An der Rückseite, und zwar in einem Punkt, der bei Bildmotiven schärfer greift als bei Ornamenten: Das Motiv erscheint dort spiegelbildlich und in derselben Genauigkeit wie vorn, mit zählbaren Knotenreihen.
Die Frage im Laden ist selten die nach der Handarbeit, sondern die nach dem Material und der Zuordnung. Die Schritt-für-Schritt-Prüfung gibt Ist mein Teppich echt?, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen, die regionale Einordnung unter Herkunft erkennen.
An die Wand, in den meisten Fällen. Ein Bildteppich ist auf eine Blickrichtung hin gebaut, und aufrecht hängend steht er richtig: ganz sichtbar, ohne Möbel im Feld.
Das verschiebt die Kaufkriterien. Florhöhe als Nutzungsreserve und Strapazierfähigkeit der Wolle verlieren an Gewicht; die Rolle des Flors ordnet Hochflor oder Kurzflor ein. Nach vorn rücken vier andere Punkte:
Auf den Boden darf ein Bildteppich trotzdem. Technisch ist er ein Knüpfteppich wie jeder andere, und eine wollene Bildarbeit aus Kerman oder Kaschan trägt ein Wohnzimmer. Bei reiner Seide ist davon abzuraten, weil Seidenflor unter Schuhen matt wird und die Zeichnung an Kontrast verliert.
Fünf Dinge: die Qualität der Zeichnung, die Feinheit, das Material, der Zustand der Bildfläche und die Werkstatt. Die Reihenfolge ist Absicht, denn bei dieser Kategorie steht die Zeichnung vor der Knotenzahl.
Darin unterscheidet sich der Bildteppich von jeder anderen Gruppe. Ein Ornamentteppich mit durchschnittlicher Zeichnung und hoher Dichte bleibt ein guter Teppich. Ein Bildteppich mit hoher Dichte und misslungenem Gesicht ist ein misslungener Bildteppich. Gesichter, Hände und Pferdebeine sind die Stellen, an denen das entschieden wird, und sie lassen sich aus einem halben Meter Abstand in Sekunden beurteilen: Sitzen die Augen auf einer Höhe, läuft die Kinnlinie ohne Sprung, steht das Bein unter dem Körper.
Beim Zustand zählt anderes als sonst. Abnutzung im Laufweg ist bei einem Wandstück selten das Thema, ausgeblichene Zonen, Wasserränder und Verformungen dagegen schon. Ein verzogener Bildteppich lässt sich richten, eine ausgeblichene Partie nicht.
Alter arbeitet in dieser Gattung schwächer als bei geometrischer Sammlerware, weil ein Bild an einer Vorlage und einem Zeitgeschmack hängt; die Argumente dazu stehen unter Alte Teppiche werden wertvoller. Ein Anlageobjekt ist ein Bildteppich nicht, eine Garantie auf Wertsteigerung gibt es nicht. Zur Einordnung helfen die Wertübersicht, Wertvolle Perserteppiche erkennen, Wie lange hält ein Teppich und die Kaufberatung; was ein Siegel bestätigt und was nicht, ordnet die Siegelübersicht ein. Wie solche Stücke aus dem Herkunftsland in den Hamburger Handel kommen, beschreibt Der Weg eines Teppichs nach Deutschland. Aktuelle Stücke mit Maßen und Fotos zeigt das Bildteppich-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Zurückhaltender als einen Bodenteppich, und die wichtigste Entscheidung ist der Hängeplatz. Wer die Wand richtig wählt, hat den größten Teil der Pflege erledigt.
Als Routine genügt Absaugen mit geringer Leistung, ohne Rotationsbürste, in Florrichtung, Fransen ausgespart. Bei einem hängenden Stück setzt sich Staub vor allem an der Oberkante ab. Zweimal im Jahr abnehmen, ausklopfen lassen und die Aufhängung prüfen, weil sich Klettbänder über Jahre lösen.
Was schadet: direkte Sonne, ein Heizkörper unmittelbar unter dem Stück, feuchte Außenwände, Dampfreiniger und Fleckenspray aus dem Baumarkt. Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen, nicht reiben. Jede Nassbehandlung an Seide gehört in einen Fachbetrieb, weil Seide unter Zug ihren Glanz verliert und Farben ausbluten. Die Routinen stehen in der Pflegeübersicht, die Grundwäsche unter Teppich reinigen, die Wollausführung unter Wollteppich reinigen.
Ein handgeknüpfter Teppich, der eine Szene zeigt statt eines Musters: eine Jagd, einen Garten, eine höfische Handlung, ein Porträt. Er hat eine feste Leserichtung mit Oben und Unten und einen Rand, der als Rahmen wirkt. Bestimmt wird die Gattung über das Motiv und nicht über eine Herkunft.
Ob die Figuren eine Szene bilden oder eine Fläche füllen. Wiederholen sich dieselben Tiere regelmäßig verteilt und ist das Feld spiegelsymmetrisch, liegt Ornament vor. Handelt eine Figur auf eine andere und kippt die Zeichnung bei Spiegelung, liegt ein Bild vor.
Nein. Die Mihrab, die bogenförmige Gebetsnische, gibt dem Feld eine Richtung, erzählt aber nichts. Sie ist ein Ornament mit Funktion. Beide Gattungen teilen nur die Leserichtung, weshalb beide längs vor einer Wand besser stehen als quer unter einer Sitzgruppe.
Nach der Datenlage der Fibel acht: Ghom und Ghom Seide, Keschan, Kerman, Täbriz, Hereke Seide, Kaschmir Seide und China Seide. Als eigene Kategoriezuordnung existiert Bildteppich in keinem Stildatensatz, weil ein Bildmotiv eine Entscheidung der Werkstatt ist und kein Merkmal des Knüpfortes.
Weil am wandernden Webstuhl ohne gezeichnete Vorlage und aus dem Gedächtnis gearbeitet wird, in geometrischen Formen, und weil die Knüpfdichte dieser Gruppe mit einem Schwerpunkt zwischen 60.000 und 180.000 Knoten pro Quadratmeter keine gebogenen Konturen trägt. Turkmenische Güls und tribale Rautenfelder folgen zudem einer Rapportordnung, die keine Szene zulässt.
An der Rückseite: Das Motiv steht dort spiegelbildlich und ebenso genau wie vorn, mit zählbaren Knotenreihen. Aus kurzer Distanz lösen sich Schattierungen in einzelne Knoten auf, und die Fransen sind die verlängerten Kettfäden. Ein bedrucktes Stück zeigt ein gleichmäßiges Raster über der Faser.
Dazu gibt es keine belastbare Angabe, für keinen einzigen Stil eine geprüfte Arbeitszeit. Die Dauer hängt an Format, Feinheit, Zahl der Knüpfer an der Bank und Arbeitsrhythmus der Werkstatt. Jede genannte Monats- oder Jahreszahl ist eine Schätzung.
Über eine durchgehende Klettleiste auf einem angenähten Textilband, damit das Gewicht über die ganze Breite verteilt wird. Ösen und Einzelhaken ziehen Löcher. Als Platz eignet sich eine Wand mit indirektem Licht, ohne Heizkörper darunter und ohne Feuchtigkeit von außen.
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