Teppich FibelTeppich Fibel

Signaturen erkennen

Eine eingeknüpfte Signatur kann den Wert eines Teppichs verdoppeln. Sie kann auch eine Fälschung sein. Diese Seite zeigt, wo Signaturen sitzen, in welcher Schrift sie üblicherweise stehen, was sie verraten und woran Sie echte von gefälschten unterscheiden.

#Wo Signaturen sitzen

Die häufigste Position ist eine kleine rechteckige Kartusche an einem der oberen oder unteren Bordürenränder, oft 5 bis 15 Zentimeter über dem Florbeginn oder Florende. Die Kartusche ist meist 8 bis 20 Zentimeter breit und 3 bis 8 Zentimeter hoch.

Manche Manufakturen platzieren die Signatur am rechten oder linken Bordürenrand, in einer ähnlich kleinen Kartusche. Andere setzen sie mitten ins Hauptfeld, oft in einem dafür freigehaltenen Bereich.

Die Schrift sitzt eingeknüpft im Flor, also Teil der Knotenarbeit, nicht aufgenäht oder aufgedruckt. Das ist die einfachste Echtheitsprüfung: drücken Sie den Flor an der Signatur auseinander. Die Schrift muss aus den Knoten selbst bestehen, in einer kontrastfarbigen Wolle. Wenn die Signatur aufgemalt oder aufgenäht ist, ist sie nachträglich angebracht und damit verdächtig.

#Welche Schrift wird verwendet

Persische Manufakturen knüpfen ihre Signaturen meist in Nastaliq oder Naskh, beides klassische arabisch-persische Kalligraphie-Schriften. Nastaliq ist geschwungener und schwieriger zu lesen, Naskh klarer und blockiger. Beide Schriften sind für Nicht-Persischsprachige nicht ohne Hilfe lesbar.

Türkische Manufakturen knüpfen seit der Schriftreform 1928 in lateinischer Schrift, mit den türkischen Sonderzeichen (ö, ü, ç, ş, ğ). Hereke-Stücke aus dieser Zeit haben oft die lateinische Marke.

Ältere türkische Stücke aus der osmanischen Zeit zeigen arabisch-osmanische Schrift, die der persischen ähnelt.

Kaukasische, turkmenische und nordafrikanische Stücke haben in der Regel keine Signatur. Wenn doch, ist es meist eine Stammessignatur in einer Tribe-spezifischen Symbolik, nicht eine alphabetische Schrift.

#Was Signaturen verraten

Eine vollständige Manufakturkartusche enthält typischerweise drei bis fünf Informationen.

Familien- oder Manufakturname. Habibian, Seyrafian, Davari, Salahi, Memarian. Jede Manufaktur hat eine charakteristische Schreibweise.

Produktionsort. Nain, Isfahan, Qum, Tabriz, manchmal mit Stadtteilbezeichnung.

Produktionsjahr. In iranischer Solarjahreszählung. 1402 = 2023 in unserem Kalender. Umrechnung: Solarjahr + 621 oder 622 (je nach Tag im persischen Jahr).

Werknummer. Eine fortlaufende Nummer der Manufaktur, manchmal über mehrere Jahre durchgezählt.

Kalligraph oder Designer. Bei Spitzenstücken wird gelegentlich der Designer der Mustervorlage genannt, getrennt vom Knüpfer.

Nicht jede Signatur enthält alle Felder. Eine knappe Signatur mit nur Familiennamen und Ort ist häufig.

#Echte und gefälschte Signaturen

Manufaktursignaturen werden gefälscht, weil sie den Wert deutlich erhöhen. Drei Prüfschritte unterscheiden echt von gefälscht.

Knotenkonsistenz. Die Knoten in der Signatur müssen identisch zu den umliegenden Bordürenknoten sein. Wenn die Signaturknoten anders aussehen (anders gefärbtes Garn, andere Knotenrichtung, andere Größe), wurde die Signatur nachträglich eingefügt.

Verlauf in den Bordürenrahmen. Eine echte Signaturkartusche ist Teil der Bordürenkomposition. Sie sitzt an einer harmonischen Position, die mit der Bordürenrhythmik abgestimmt ist. Eine gefälschte Signatur stört oft den Rhythmus.

Konsistenz mit Manufakturstil. Wenn ein Teppich Stilmerkmale eines Hamadan zeigt, aber eine Habibian-Signatur trägt, stimmt etwas nicht. Habibian fertigt nur Nain. Die Signatur muss zur Knüpfqualität, Wollqualität und Designsprache passen.

Im Zweifel: Foto der Signatur an einen Spezialisten oder ein Auktionshaus schicken. Eine erfahrene Auge erkennt eine gefälschte Signatur in Minuten.

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