Chinesische Teppiche fallen durch ihre einzigartigen Motive auf, Drachen, Medaillons und buddhistische Symbole auf seidigem Flor.
Der chinesische Teppich ist keine Variante des persischen. Er ruht auf drei eigenen Säulen: einer offenen, flächigen Komposition mit viel ruhigem Grund, einem festen Symbolkanon aus Drachen, Phönix, Lotos und Wolkenbändern, und dem Carving, bei dem die Konturen der Motive schräg eingeschnitten werden, sodass das Muster plastisch aus dem Flor tritt. Diese Technik gibt es in der persischen Knüpfkunst nicht. Bekannt geworden ist das Land vor allem durch seine Seidenteppiche, allen voran die China Seide.
Diese Seite ordnet die Region ein: wo im Land geknüpft wird, welche der gängigen Namen Zentren und welche Stile bezeichnen, was die Motive bedeuten, und warum bei chinesischer Ware die Frage nach der Faser wichtiger ist als bei jeder anderen Herkunft.
Die offene Fläche, der Symbolkanon und die geschnittenen Konturen. Ein chinesischer Teppich setzt ein einzelnes Medaillon oder eine kleine Gruppe von Einzelmotiven auf einen weitgehend leeren Grund und rahmt das Ganze mit einer breiten, eher schlichten Bordüre. Persische Stadtware füllt jeden Quadratzentimeter mit Ranken, chinesische Ware lässt Luft.
Der Flor wird kurz geschoren, damit die Zeichnung scharf steht, und entlang der Konturen schräg eingeschnitten. Dadurch liegt das Muster wie ein flaches Relief auf der Fläche, ein Effekt, den man am schnellsten im Streiflicht sieht. Die Palette bleibt ruhig: tiefes Blau, Gold, Elfenbein, gedämpftes Rot, bei der Exportware des 20. Jahrhunderts auch Creme und Pastell.
Im Norden und in der Mitte des Landes, nicht im Süden. Die Wollteppich-Zentren liegen in Ningxia, in der Inneren Mongolei um Baotou und in den nordchinesischen Provinzen Henan und Hebei. Die feine Seidenknüpferei sitzt in Henan und Hebei sowie im Raum Tianjin und Peking, wo auch die Exportproduktion des frühen 20. Jahrhunderts entstand.
Kalte, trockene Winter und weite Weiden im Norden erklären die Schafhaltung. Die Rohseide kommt umgekehrt aus dem Süden, aus den Seidenraupenprovinzen Jiangsu und Zhejiang um Suzhou und Hangzhou. Verarbeitet wird sie im Norden.
Eigenständig steht Xinjiang im äußersten Nordwesten. Dort arbeiten uigurische und kasachische Knüpfer am Rand des Tarimbeckens mit geometrischen Güls und einer kräftigeren Palette, die dem zentralasiatischen Formenkanon näher steht als dem chinesischen. Das Kernland dieser Mustersprache liegt in Turkmenistan.
Als eigenen Stil bislang nur die China Seide. Alles Weitere, was im Handel als China-Teppich läuft, sind Zentren-, Epochen- oder Motivnamen und keine registrierten Provenienzen. Die Übersicht ordnet sie ein.
| Bezeichnung | Wo | Flor und Kette | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|---|
| China Seide | Henan, Hebei, Raum Tianjin und Peking | Seide auf Seide oder Baumwolle | chinesische Symbolik, geschnittene Konturen, Glanz |
| Peking | Peking und Umland | Wollflor | offenes Feld, einzelnes Medaillon, Blau und Elfenbein |
| Ningxia | Provinz Ningxia | Wollflor | weiche Wolle, gedämpfte Töne, Tempel- und Hofstücke |
| Baotou | Innere Mongolei | Wollflor | kräftiger Flor, Landschafts- und Tiermotive |
| Xinjiang | Nordwesten, Tarimbecken | Wollflor | geometrische Güls, uigurische Muster, kräftige Farben |
| Fette-Teppiche | Peking und Tianjin, 1920er bis 1940er | Wollflor | offene Pastellfelder, Entwurf für den Export |
Peking steht für die Entwürfe der Hauptstadt, Ningxia gilt als das älteste dokumentierte Wollteppich-Zentrum des Landes, Baotou für robuste Gebrauchsware. Wer eine dieser Bezeichnungen im Angebot liest, hat einen Hinweis auf Herkunft und Entwurf, aber keine Angabe zu Feinheit oder Material. Die registrierten Stile stehen in der Stilübersicht.
Aus dem Tempel und vom Hof, nicht aus dem Zelt. Die frühesten Spuren der Knüpferei reichen in die Tang-Dynastie (618 bis 907), der erhaltene Bestand setzt erst mit der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) und der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) ein. Die ältesten gut dokumentierten Wollteppiche stammen aus Ningxia und entstanden ab dem 17. Jahrhundert für Klöster, Tempel und den kaiserlichen Hof. Die flächige Komposition und die Symbolmotive waren von Anfang an da.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstand in Peking und Tianjin eine Industrie, die für den amerikanischen und europäischen Markt produzierte. Sie hellte die Palette auf und leerte die Felder weiter. Aus dieser Zeit stammen die Pastellstücke, die im Handel als Fette-Teppiche geführt werden. Nach 1949 lief die Produktion in Staatsbetrieben weiter, während der Kulturrevolution (1966 bis 1976) kam sie fast zum Erliegen. Ab den 1980er Jahren wuchs vor allem die feine Seidenteppich-Produktion für den Export. Die lange Linie der Technik selbst zeichnet Ursprung der Knüpfkunst nach.
Macht, Wiedergeburt und Reinheit. Der Drache ist das kaiserliche Zeichen, die fünfklauige Form war dem Kaiser vorbehalten, und Neundrachen-Felder zeigen die Tiere in komplexer Verschlingung als Zeichen höchster Würde. Der Phönix tritt als Gegenstück und Glückszeichen auf, die Fo-Hunde als Tempelwächter.
Aus dem Pflanzenrepertoire steht der Lotos für Reinheit, die Päonie für Wohlstand. Dazu kommen das Shou-Zeichen für ein langes Leben, die acht buddhistischen Kostbarkeiten und die fünf Fledermäuse für die fünf Glücksgüter. Wolkenbänder und Mäander sind keine Füllmotive, sondern gliedern die Fläche und führen das Auge zum Medaillon.
Auch die Farben tragen Bedeutung: Rot gilt als Glücksfarbe, Gelb und Gold waren dem Hof zugeordnet. Wie die Farbstoffe entstehen, steht unter Teppichfarben, die Motivkunde ordnet die Symbolübersicht ein.
Der Flor besteht aus Schurwolle oder aus Maulbeerseide, Kette und Schuss meist aus Baumwolle, bei reinen Seidenstücken ebenfalls aus Seide. Für die China Seide nennt die Fibel Seide auf Seide oder Baumwolle, und beide Bauweisen gehören zum Stil: das durchgehende Seidenstück und der Seidenflor auf Baumwollkette. Welche Variante vorliegt, verraten die Fransen, denn sie sind die verlängerten Kettfäden.
Nordchinesische Wolle ist weich und glänzend. Sie nimmt Farbe gut an und ist deutlich weicher als die grobe Hochlandwolle der Nomadengebiete, was bei einem Wollteppich für den Flur eine Rolle spielt. Geknüpft wird überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten, der in der Fachsprache persischer, offener oder Senneh-Knoten heißt. Der Name beschreibt die Schlingung und nicht die Herkunft eines Teppichs. Die Unterschiede stehen unter Knotenarten, die Faserkunde unter Materialien.
Die China Seide liegt bei 300.000 – 900.000 Knoten/m². Für die Wollzentren gibt es keine eigene Spanne, weil sie als Stile nicht registriert sind. Wollware liegt grundsätzlich darunter, weil der dickere Faden weniger Knoten auf derselben Fläche zulässt.
Der Handel gibt chinesische Feinheit häufig in Lines an, etwa 90, 120 oder 150 Lines. Die Zahl nennt die Knotenreihen pro Längeneinheit und lässt sich in Knoten pro Quadratmeter umrechnen. Was sie leistet und was nicht, erklärt Knotendichte erklärt, den Ablauf vom Spinnen bis zum Scheren beschreibt Herstellung.
Im Feld der Seidenprovenienzen liegt die chinesische Ware unter den persischen und türkischen Spitzenwerten. Die Angaben stammen von den jeweiligen Stilseiten.
| Provenienz | Herkunft | Flor und Kette | Knoten/m² |
|---|---|---|---|
| China Seide | China, verschiedene Provinzen | Seide auf Seide oder Baumwolle | 300.000 – 900.000 Knoten/m² |
| Ghom Seide | Ghom (Qom), Iran | Seide auf Seide | 600.000 – 1.200.000+ Knoten/m² |
| Hereke Seide | Hereke, Türkei | Seide auf Seide | 800.000 – 2.000.000 Knoten/m² |
| Kaschmir Seide | Kaschmir-Region, Indien | Seide auf Baumwolle oder Seide | 300.000 – 1.000.000 Knoten/m² |
Die Zahl allein entscheidet nicht. Ein sauber gearbeitetes Stück mittlerer Dichte mit klarer Zeichnung und ruhiger Farbabstimmung steht über einem dichteren mit stumpfer Seide. Eine Gegenüberstellung der Provenienzen bietet der Stil-Vergleich.
Nein. Bei chinesischer Ware ist die Faserfrage die wichtigste von allen. Drei Materialien werden im Teppichhandel als Seide angeboten, und nur eines ist Seide: Maulbeerseide aus dem Kokon von Bombyx mori, Viskose, die als Bambus- oder Bananenseide vermarktet wird, und mercerisierte Baumwolle, die mit Natronlauge auf Glanz gebracht wurde.
Der Unterschied ist chemisch und nicht graduell. Seide ist eine Proteinfaser wie Wolle und Haar. Viskose und mercerisierte Baumwolle sind Zellulosefasern wie Baumwolle und Papier, und genau so verbrennen sie auch: schnell, mit klarer Flamme und weißlicher Asche. Ein Schmelzen und Tropfen, wie es Polyester oder Polyamid zeigen, gehört zu keinem der drei Materialien. Wer Seide am Schmelzverhalten prüfen will, prüft am falschen Merkmal. Die Faserprobe zerstört außerdem die geprüfte Faser und steht deshalb am Ende und nicht am Anfang. Seide erkennen beschreibt sie im Detail.
Vorher kommen drei Prüfungen ohne Schaden. Den Teppich bei Tageslicht ganz ausrollen und von beiden Schmalseiten ansehen: Maulbeerseide springt beim Winkelwechsel zwischen matt und leuchtend, Viskose glänzt aus fast jedem Winkel gleich stark, mercerisierte Baumwolle bleibt ruhig bis matt. Dann die Fransen. Bei einem durchgehenden Seidenteppich bestehen sie aus Seide und laufen als Kettfäden aus dem Gewebe, sie sind nicht angenäht. Und die Rückseite, denn Viskose lässt sich nicht so dünn spinnen wie Seide und kommt selten über 400.000 bis 700.000 Knoten pro Quadratmeter.
Kunstseide ist kein Mangel an sich, sie ist ein anderes Material. Entscheidend ist die Deklaration: Wo Bambusseide, Kunstseide oder Florettseide steht, liegt keine Maulbeerseide vor. Praktisch macht das einen Unterschied, weil Viskose licht- und reibungsempfindlicher ist und im Laufweg schneller stumpf wird.
Ein Perserteppich stammt aus dem Iran, deshalb nein. Die Herkunft entscheidet über die Zuordnung, nicht die Ähnlichkeit eines Musters. Chinesische Teppiche sind eine eigenständige Tradition mit eigener Komposition, eigenem Motivkanon und einer Technik, die es in Persien nicht gibt.
Verwechselt wird im Laden ohnehin seltener die Herkunft als die Machart. Ein handgeknüpftes Stück zeigt das Muster spiegelbildlich und scharf auf der Rückseite, die Knoten bilden ein feines, leicht unregelmäßiges Raster, und die Fransen sind Teil des Grundgewebes. Bei der Zuordnung hilft Herkunft erkennen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen.
Fünf Dinge: das Material, die Knotendichte, die Qualität der Faser, der Zustand und die richtige Zuordnung. Das Material trennt zuerst, denn zwischen einem durchgehenden Seidenteppich, einem Seidenflor auf Baumwollkette und einem Wollteppich liegen Klassen. Bei Seide entscheidet danach der Glanz und die Sauberkeit der Zeichnung, bei Wolle die Festigkeit des Materials.
Beim Zustand zählen drei Stellen. Die Florhöhe in den Laufwegen, denn ein abgelaufener Flor lässt die Kette durchscheinen und nimmt dem Carving sein Relief. Dann die Enden und die Webkanten, beides reparabel, solange man früh hinsieht. Bei Seidenstücken kommen Druckstellen schwerer Möbel und ausgeblichene Sonnenbahnen hinzu.
Eine eigene Logik haben alte Stücke. Gut erhaltene antike Ningxia- und Qing-Teppiche werden von Sammlern gesucht und folgen nicht den Maßstäben moderner Exportware. Warum Alter allein aber nichts entscheidet, erklärt Alte Teppiche werden wertvoller. Für die Einordnung helfen die Wertübersicht und die Kaufberatung. Aktuelle Stücke mit Maßen und Fotos zeigt das China-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Wollteppiche aus China sind pflegeleicht, Seidenteppiche nicht. Für die Wollware reicht regelmäßiges Saugen in Florrichtung, die Rotationsbürste bleibt von Fransen und Kanten weg. Was schadet: Dampfreiniger, Teppichschaum aus dem Baumarkt und jahrelange direkte Sonne auf derselben Stelle.
Bei Seide gilt das Gegenteil von Routine. Niedrige Saugleistung, keine rotierende Bürste, kein Nassreinigen in Eigenregie. Verschüttetes wird sofort mit einem trockenen, sauberen Tuch abgetupft und nicht gerieben, die Wäsche gehört in einen Fachbetrieb für Seide. Schwere Möbel hinterlassen auf dem kurzen Flor Druckstellen, deshalb den Teppich gelegentlich drehen. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Aus dem Norden und der Mitte des Landes. Die Wollzentren liegen in Ningxia, in der Inneren Mongolei um Baotou und in Henan und Hebei, die feine Seidenknüpferei in Henan und Hebei sowie im Raum Tianjin und Peking. Die Rohseide kommt aus den südlichen Provinzen Jiangsu und Zhejiang. Xinjiang im Nordwesten arbeitet in einem zentralasiatisch geprägten Formenkanon.
Ein chinesischer Wollteppich im Entwurf der Hauptstadt: offenes, ruhiges Feld, ein einzelnes Medaillon oder wenige Symbolmotive, meist in Blau und Elfenbein, gerahmt von einer breiten, schlichten Bordüre. Peking bezeichnet damit ein Zentrum und einen Entwurf, aber keine Feinheitsklasse.
Das schräge Einschneiden des Flors entlang der Musterkonturen. Die Motive heben sich dadurch reliefartig vom Grund ab. Das Carving ist ein starkes Herkunftsindiz, weil persische Seidenteppiche es nicht kennen, und es verliert seine Wirkung, sobald der Flor abgelaufen ist.
Der Drache steht für kaiserliche Macht, Schutz und Glück, die fünfklauige Form war dem Kaiser vorbehalten. Neundrachen-Felder zeigen die Tiere verschlungen als Zeichen höchster Würde. Das Motiv gehört zum festen Kanon der klassischen chinesischen Knüpfkunst und nicht zum persischen Repertoire.
Ohne die Faser zu beschädigen an drei Dingen: dem Wechsel zwischen matt und leuchtend beim Blickwinkelwechsel im Tageslicht, Fransen aus Seide, die als verlängerte Kettfäden aus dem Gewebe laufen, und einer feinen, gleichmäßigen Rückseite. Viskose glänzt aus fast jedem Winkel gleich stark und erreicht die hohen Knotendichten nicht.
Eine Zahl in Monaten pro Quadratmeter lässt sich nicht seriös nennen. An größeren Formaten arbeiten mehrere Knüpferinnen gleichzeitig, und das Tempo hängt stark von der Erfahrung ab. Verlässlich ist nur die Richtung: je feiner die Knüpfung, desto mehr Knotenreihen pro Zentimeter und desto länger die Arbeit.
Nein. Ein Perserteppich stammt aus dem Iran. Chinesische Teppiche bilden eine eigene Tradition mit anderer Komposition, anderem Motivkanon und mit dem Carving als eigener Technik. Über die Zuordnung entscheidet die Herkunft und nicht die Ähnlichkeit eines Musters.
Mit niedriger Saugleistung und ohne rotierende Bürste saugen, vor dauerhafter Sonne schützen, nicht selbst nass reinigen. Verschüttete Flüssigkeit sofort mit einem trockenen Tuch abtupfen und nicht reiben. Die Wäsche gehört in einen auf Seide spezialisierten Fachbetrieb.