Turkmenische Teppiche sind weltberühmt für ihre tiefroten Farben und die charakteristischen Gul-Muster.
Turkmenistan, in Zentralasien zwischen Kaspischem Meer und der afghanischen Grenze gelegen, ist die Heimat einer der ältesten und stilistisch geschlossensten Knüpftraditionen der Welt. Turkmenische Teppiche sind sofort an ihrer tiefroten Grundfarbe und an dem Gül zu erkennen, einem oktogonalen Stammesmedaillon, das in strengen Reihen über das ganze Feld läuft. Jeder Stamm besaß seinen eigenen Gül, der wie ein Wappen funktionierte und Herkunft und Identität der Knüpfer anzeigte.
Diese Teppiche sind keine höfische, sondern eine nomadische Kunst. Sie entstanden in den Zelten der Stämme, von Frauen geknüpft, und dienten ebenso als Boden- und Türbehang wie als Satteltasche, Zeltband oder Aussteuer. Über den Handelsplatz Buchara gelangten sie nach Europa, weshalb der klassische turkmenische Teppich im Westen lange schlicht Buchara genannt wurde. Diese Seite ordnet die Region geografisch und beschreibt ihre wichtigsten Stämme und Mustertraditionen.
Turkmenistan erstreckt sich vom Kaspischen Meer im Westen bis zur Grenze an Afghanistan und Iran im Südosten. Der größte Teil des Landes liegt unter der Karakum-Wüste, weshalb sich Leben und Teppichproduktion auf die Oasen und die wenigen Flussläufe konzentrieren, vor allem entlang des Amudarja und um die Oase Merw. Das kontinentale Wüstenklima mit extremen Temperaturschwankungen und die Schafzucht in den Steppengebieten liefern eine besonders glänzende, feste Wolle, die den turkmenischen Teppichen ihren samtigen Griff gibt.
Charakteristisch für die turkmenische Knüpferei ist der asymmetrische Knoten, der bei vielen Stämmen, vor allem den Tekke, links offen geschlungen wird. Er erlaubt eine sehr dichte, gleichmäßige Knüpfung. Die Knotendichte reicht je nach Stamm und Stück von etwa 100.000 bis über 400.000 Knoten pro Quadratmeter, bei den feinsten Salor-Arbeiten noch darüber. Den Unterschied der Knotentypen behandelt die Seite Knotenarten, den vollständigen Fertigungsweg die Seite Herstellung.
Verarbeitet wird ausschließlich Schurwolle von lokalen Schafen, gelegentlich mit Seideneinträgen bei den kostbarsten Stücken. Gefärbt wurde traditionell mit Pflanzenfarben, allen voran Krapp für das dominierende Rot, dazu Indigo für die dunklen Konturen und Cochenille für die tiefroten Salor-Stücke. Antike turkmenische Teppiche entwickeln mit den Jahren eine seidige Patina, die geschätzt wird. Wie sich Naturfarben erkennen lassen, erklärt Naturfarben erkennen, den natürlichen Farbwechsel die Seite Abrash.
Turkmenische Teppiche werden nach dem Stamm benannt, dessen Gül sie tragen, seltener nach einem Marktort. Die folgende Übersicht ordnet die bedeutendsten ein.
| Stamm / Zentrum | Bekannt für | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Tekke | feinste Standardware | kleiner Tekke-Gül in dichten Reihen, tiefes Rotbraun, samtiger Flor |
| Yomud | lebhafte Farben | rautiger Gül, Kepse- und Dyrnak-Muster, hellere, wärmere Töne |
| Salor | kostbarste Stücke | großer Turreh-Gül, Cochenille-Rot, höchste Feinheit, Seideneinträge |
| Saryk | tiefer Farbklang | dunkles Braunrot, kantige Güls, sehr dichte Knüpfung |
| Ersari | großformatige Ware | weite Güls, wärmere Palette, Verbindung zur afghanischen Tradition |
| Buchara | Handelsname im Westen | Sammelbegriff für Tekke-Güls, oktogonale Medaillons in Reihen |
| Turkaman | moderne Fortführung | klassische Stammesmuster für den internationalen Markt |
| Hatschlu | Türbehang-Format | kreuzförmige Felderteilung, Ensi der Jurte |
Die Tekke gelten als Knüpfer der feinsten turkmenischen Standardware, deren kleiner, in dichten Reihen gestellter Gül zum Inbegriff des Buchara-Teppichs wurde. Die Yomud fallen durch lebhaftere Farben und rautige Güls auf, die Salor, historisch als Prinzen unter den Turkmenen bezeichnet, schufen mit ihrem Cochenille-Rot und dem großen Turreh-Gül die kostbarsten Stücke überhaupt. Das Hatschlu-Format bezeichnet den Ensi, den geknüpften Türbehang der Jurte mit seiner kreuzförmigen Felderteilung. Alle registrierten Typen stehen in der Stilübersicht.
Die turkmenische Knüpfkunst reicht weit zurück und ist untrennbar mit der nomadischen Lebensweise der zentralasiatischen Steppe verbunden. Über Jahrhunderte teilten sich die großen Stammesverbände, Tekke, Yomud, Salor, Saryk und Ersari, das Gebiet des heutigen Turkmenistan und der angrenzenden Regionen. Jeder führte seinen eigenen Gül als Erkennungszeichen, das auf den Hauptteppichen unverändert, bei Niederlagen oder Verschmelzungen aber auch übernommen oder verkleinert wurde. So lässt sich aus dem Gül oft die Geschichte der Machtverhältnisse zwischen den Stämmen ablesen.
Über die Karawanenstadt Buchara, das große Handelszentrum im benachbarten Usbekistan, kamen diese Teppiche in den westlichen Handel, weshalb sich dort der Name Buchara einbürgerte, obwohl in der Stadt selbst kaum geknüpft wurde. Mit der russischen Eroberung Zentralasiens im späten 19. Jahrhundert und der Sowjetisierung im 20. Jahrhundert verloren die Stämme ihre Eigenständigkeit, und die klassische Knüpferei mit Naturfarben ging weitgehend zurück. Antike Stücke aus der Zeit vor der Sowjetherrschaft gelten daher als besonders begehrt. Die längere Linie der Technik zeichnet die Seite Ursprung der Knüpfkunst nach.
Das alles bestimmende Motiv ist der Gül: ein oktogonales oder rautenförmiges Medaillon, das in regelmäßigen senkrechten und waagerechten Reihen das ganze Hauptfeld füllt, getrennt durch ein kleineres Sekundärmotiv. Die Bordüren wiederholen stammestypische Ornamente in mehreren schmalen Streifen. Die Palette ist nahezu monochrom rot organisiert, vom Weinrot der Tekke bis zum Cochenille-Rot der Salor, aufgehellt nur durch Elfenbein, dunkles Blau und etwas Braun.
Geknüpft wird überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten in sehr hoher Dichte, was den feinen, samtigen Flor erklärt. Neben dem Hauptteppich (Khali) entstand eine ganze Familie funktionaler Formate: der Türbehang Hatschlu oder Ensi, die Satteltasche Chuval, die schmalen Zeltbänder und die Gebetsteppiche. Diese Stücke gehören zur großen Gattung der Nomadenteppiche und stehen dem floralen Perserteppich als geometrische, stammesgebundene Kunst gegenüber.
Die in der Teppich Fibel geführten turkmenischen Typen sind Buchara, die klassische Gül-Ware unter ihrem westlichen Handelsnamen, Turkaman als moderne Fortführung der Stammesmuster und Hatschlu für das Türbehang-Format. Sie stehen stellvertretend für die Tekke-, Yomud-, Salor-, Saryk- und Ersari-Tradition. Eng verwandt ist die turkmenisch geprägte Ware aus dem benachbarten Afghanistan, wohin viele Güls über die Grenze wanderten. Den Gesamtüberblick gibt die Stilübersicht.
Antike turkmenische Teppiche, besonders Salor- und feine Tekke-Stücke aus der Zeit vor der Sowjetherrschaft, gehören zu den begehrtesten Sammlerobjekten unter den Orientteppichen. Den Wert bestimmen Stamm, Alter, Feinheit der Knüpfung, Reinheit der Naturfarben und Erhaltungszustand. Vor dem Kauf helfen die Kaufberatung und der Aufsatz Alte Teppiche werden wertvoller. Wie man Herkunft und Echtheit prüft, steht unter Orientteppich erkennen und Herkunft erkennen. Die Pflege beschreibt die Pflegeübersicht.
Turkmenische Teppiche stammen aus Zentralasien, aus dem Gebiet des heutigen Turkmenistan zwischen Kaspischem Meer und der afghanischen Grenze, sowie aus angrenzenden turkmenischen Siedlungsgebieten. Geknüpft wurden sie von Nomadenstämmen wie den Tekke, Yomud und Salor. Eng verwandte Ware kommt aus dem benachbarten Afghanistan.
Turkmenische Teppiche zeichnen sich durch eine tiefrote Grundfarbe und den Gül aus, ein oktogonales Stammesmedaillon, das in strengen Reihen das Feld füllt. Sie sind sehr dicht mit dem asymmetrischen Knoten geknüpft und haben einen feinen, samtigen Flor.
Ein Buchara-Teppich ist ein turkmenischer Teppich mit Gül-Muster, benannt nach der zentralasiatischen Handelsstadt Buchara, über die er in den westlichen Handel kam. Geknüpft wurde er nicht in der Stadt selbst, sondern von den Turkmenenstämmen, vor allem den Tekke. Der Name steht im Westen für den klassischen rotgrundigen Gülteppich.
Ein Gül ist ein oktogonales oder rautenförmiges Medaillon, das als Stammeszeichen einzelner Turkmenengruppen diente und in regelmäßigen Reihen über das Feld des Teppichs verteilt wird. Jeder Stamm besaß seinen eigenen Gül, der wie ein Wappen Herkunft und Identität anzeigte.
In Turkmenistan dominiert der asymmetrische Knoten, der bei vielen Stämmen, etwa den Tekke, links offen geschlungen wird. Er erlaubt eine sehr dichte, gleichmäßige Knüpfung und den feinen Flor turkmenischer Teppiche. Den Vergleich der Knotentypen zeigt die Seite Knotenarten.
Als wertvollste turkmenische Teppiche gelten antike Salor-Stücke mit ihrem Cochenille-Rot und dem großen Turreh-Gül sowie feine Tekke-Arbeiten aus der Zeit vor der Sowjetherrschaft. Entscheidend sind Stamm, Alter, Feinheit und der Erhalt der ursprünglichen Naturfarben.
Ein echter turkmenischer Teppich zeigt die rote Grundfarbe, in Reihen gestellte Güls und eine dichte, gleichmäßige Knüpfung mit feinem, festem Flor. Die Rückseite gibt das Muster klar wieder, antike Stücke haben eine natürliche, seidige Patina. Die Echtheitsprüfung beschreibt Ist mein Teppich echt?.
Hatschlu bezeichnet den Ensi, den geknüpften Türbehang einer turkmenischen Jurte. Er ist durch eine kreuzförmige Felderteilung gekennzeichnet, die das Zelt nach außen abschloss, und gehört zu den charakteristischen funktionalen Formaten der turkmenischen Knüpferei.