Turkmenische Teppiche sind weltberühmt für ihre tiefroten Farben und die charakteristischen Gul-Muster.
Turkmenistan ist das Kernland einer Mustersprache, die heute fast überall geknüpft wird, nur kaum noch dort, wo sie entstand. Zwischen Kaspischem Meer und Amudarja entstanden über Jahrhunderte tiefrote Teppiche, deren Feld von Reihen oktogonaler Gül-Medaillons gegliedert wird: Wolle auf Wolle, kurz geschoren, streng auf Achse gestellt. Innerhalb der Nomadenteppiche ist das die geschlossenste Gruppe, disziplinierte Stammesarbeit ohne höfischen Einschlag.
Der Name, unter dem diese Ware im Westen läuft, gehört einer Stadt in einem anderen Land. Diese Seite ordnet die Region ein: wo geknüpft wurde, welche Stämme dahinterstehen, was die Teppich Fibel unter Turkmenistan registriert und was nicht, und warum Buchara ein Marktname ist und keine Herkunft.
Ein turkmenischer Teppich ist Wolle auf Wolle: Flor, Kette und Schuss stammen von den Herden derselben Familie. Das ist der erste Unterschied zur floralen Stadtware der Perserteppiche, die auf Baumwollkette arbeitet, und er lässt sich an den Fransen in zwei Sekunden prüfen.
Der Flor wird kurz geschoren. Das hält die kleinen Güls scharf und gibt der Oberfläche den samtigen Griff, den man bei guter Tekke-Ware schon mit der Handfläche erkennt. Die Webkanten sind mit farbiger Wolle umschlungen, an den Schmalseiten schließt ein schmaler Kelimstreifen ab, davor oft ein Elem: ein Endfeld mit eigenem, abweichendem Muster.
Gezeichnet wurde nichts. Gül-Form, Rapportabstand und Bordürenfolge saßen im Gedächtnis der Knüpferinnen und wanderten innerhalb der Familie weiter. Daraus entstehen die kleinen Verschiebungen im Raster, an denen sich Stammesarbeit von Werkstattproduktion nach Vorlage unterscheiden lässt.
Die Formate folgten der Jurte, nicht dem Wohnzimmer: der große Bodenteppich Khali, der Türbehang, die Satteltasche Chuval, schmale Zeltbänder, Taschen für die Aussteuer. Wer heute ein klassisches Wohnzimmermaß in turkmenischer Zeichnung sucht, greift zu einer späteren Produktion.
Geknüpft wurde nicht flächig, sondern an den Wasserläufen. Der größte Teil des Landes liegt unter der Karakum-Wüste, und Weidewirtschaft wie Knüpferei drängten sich in die Oasen und an die wenigen Flüsse.
Drei Zonen tragen den historischen Bestand. Im Süden die Oase Merw und der Achal-Streifen am Kopetdag, das Gebiet der Tekke. Im Osten der mittlere Amudarja mit den Ersari, an dessen Südufer die Grenze zu Nordafghanistan läuft. Im Westen die kaspische Küste und der Nordwesten Richtung Chiwa, wo Yomut und Chodor saßen. Salor und Saryk arbeiteten dazwischen, um Serachs und am Murgab.
Das Klima ist kontinental und trocken, mit heißen Sommern und harten Wintern. Die Schafe der Steppenränder tragen darauf eine feste, lanolinreiche Wolle mit deutlichem Glanz. Sie nimmt Krapp und Indigo tief an und ist der eigentliche Grund für den samtigen Flor, den man der Knüpfung allein nicht zuschreiben kann.
Unter Turkmenistan steht in der Fibel genau ein Stil: der Buchara. Das ist kein Versehen, sondern die Folge einer Systematik, die jeden Typ dort einträgt, wo er heute entsteht, und nicht dort, wo sein Muster herkommt. Die lebende Gül-Produktion sitzt in Nordafghanistan, deshalb laufen Turkaman, Hatschlu und Khal Mohammadi unter Afghanistan. Die Knotendichten entsprechen den Angaben der jeweiligen Stilseite.
| Typ | Rolle in der turkmenischen Tradition | Aufbau | Knoten/m² | In der Fibel geführt unter |
|---|---|---|---|---|
| Buchara | Handelsname der klassischen Gül-Ware | Wolle auf Wolle oder Baumwolle | 120.000 bis 400.000 | Turkmenistan |
| Turkaman | ethnischer Oberbegriff derselben Gül-Sprache | Wolle auf Wolle | 100.000 bis 250.000 | Afghanistan |
| Hatschlu | Türbehang der Jurte, Kreuzteilung statt Gül-Reihen | Wolle auf Wolle | 80.000 bis 180.000 | Afghanistan |
| Akhche | Marktort Aqcha, turkmenische Güls in Nordafghanistan | Wolle auf Wolle | 80.000 bis 180.000 | Afghanistan |
| Khal Mohammadi | nordafghanische Fortführung der Gül-Reihen | Wolle auf Wolle | 80.000 bis 160.000 | Afghanistan |
| Belutsch | Nachbartradition des Grenzlands mit eigenem Formkanon | Wolle auf Wolle | 60.000 bis 140.000 | Balutschistan |
Für die Region heißt das: der Bestand ist historisch groß und im Register klein. Wer eine der klassischen Stammesarbeiten sucht, findet sie nicht als eigene Stilseite, sondern als Zuordnung innerhalb der Buchara-Familie. Die Belutsch-Linie des iranisch-afghanischen Grenzlands steht daneben als eigener Kulturraum, Balutschistan, weil ihr Gebiet über drei Staatsgrenzen läuft. Alle registrierten Typen stehen in der Stilübersicht.
Sechs Stammesverbände prägen den historischen Bestand: Tekke, Yomut, Salor, Saryk, Ersari und Chodor. Sie sind Mustertraditionen und keine Stilseiten. Weder Tekke noch Salor stehen hier als eigener Typ, weil im Handel die Sammelnamen laufen und die Zuordnung über die Gül-Form erfolgt.
| Stamm | Historisches Gebiet | Gül-Form | Farbklang |
|---|---|---|---|
| Tekke | Oase Merw, Achal am Kopetdag | klein, rund, in dichten Reihen | tiefes Rotbraun, samtiger Flor |
| Yomut (im Handel auch Yomud) | kaspischer Westen, Raum Chiwa | rautig, dazu Kepse- und Dyrnak-Muster | wärmer, lebhafter, hellere Töne |
| Salor | Serachs und Umgebung von Merw | groß, kantig, detailreich | Cochenille-Rot, höchste Feinheit |
| Saryk | Pende und Jolöten am Murgab | kantig und gestuft | dunkles Braunrot, sehr dicht |
| Ersari | mittlerer Amudarja | weit, großzügig gereiht | wärmere Palette, große Formate |
| Chodor | Nordwesten und Raum Chiwa | rautige Reihung, häufig auf Diagonalachsen | bräunlich gebrochenes Rot |
Die Gül funktionierte wie ein Wappen. Jeder Verband führte seine eigene Form, auf den Hauptteppichen unverändert, und Niederlagen oder Verschmelzungen schlugen sich darin nieder: übernommene Formen, verkleinerte Formen, Formen, die nur noch als Nebenmotiv weiterliefen. Aus dem Medaillon liest ein geübtes Auge deshalb nicht bloß den Stamm, sondern auch dessen Stellung. Was die Motive im Einzelnen bedeuten, ordnen die Symbolübersicht und das Glossar ein.
Weil Buchara ein Handelsname ist und kein Knüpfort. Die Stadt liegt im heutigen Usbekistan und war Umschlagplatz an der Seidenstraße; geknüpft wurde dort kaum. Dort liefen die Erzeugnisse der umliegenden turkmenischen Stämme zusammen und gingen unter dem Marktnamen in den Export, und der Name blieb an der Ware hängen.
Drei Dinge sind also zu trennen: die Gül als Mustersprache der Stämme, Buchara als Handelsstadt, und die Produktion von heute. Der Großteil dessen, was aktuell als Buchara über den Ladentisch geht, kommt aus Afghanistan oder aus Pakistan. Nordafghanistan führt die Tradition der eingewanderten Ersari-Familien fort, pakistanische Werkstätten setzen das Gül-Raster nach gezeichneter Vorlage um und handeln es als Mauri oder Bochara-Design. Das ist keine Täuschung, solange es so benannt wird. Wer genau sein will, nennt Stamm und Gebiet und nicht die Stadt.
Die Verschiebung hat ein Datum. Mit der russischen Eroberung Zentralasiens im späten 19. Jahrhundert und der anschließenden Sowjetisierung verloren die Stämme ihre Eigenständigkeit, und die Knüpferei mit Pflanzenfarben ging weitgehend zurück. Turkmenische Familien, vor allem Ersari, siedelten südlich des Amudarja. Seit damals liegt das Kernland der Mustersprache nördlich und die lebende Produktion südlich der Grenze. Die lange Linie der Technik selbst zeichnet Ursprung der Knüpfkunst nach.
Das Feld ist ein Rapport: Gül-Reihen, verbunden durch ein feines Liniengitter, dazwischen kleinere Sekundärmotive, alles streng auf Achse. Freie Grundflächen gibt es nicht. Die Bordüre besteht aus mehreren schmalen Bändern mit geometrischen Motiven, an den Schmalseiten sitzt das Elem als eigener Streifen.
Eine Sonderform steht daneben. Der Hatschlu, der geknüpfte Türbehang der Jurte, teilt sein Feld durch ein großes Kreuz und verzichtet auf die durchlaufenden Reihen. Er ist die einzige turkmenische Komposition, die sich aus drei Metern Entfernung von den übrigen unterscheiden lässt.
Die Palette ist um das Rot herum gebaut: Krapprot, Weinrot, Rotbraun, bei alten Salor-Arbeiten das aufwendigere Cochenille-Rot. Dazu treten Indigoblau, Dunkelbraun bis Schwarz für die Konturen und Elfenbein für die Lichter. Ein leichtes Changieren der Grundfarbe, der Abrash, entsteht durch unterschiedliche Färbebäder und spricht für Pflanzenfärbung. Wie sich das prüfen lässt, zeigt Naturfarben erkennen, die Farbstoffkunde steht unter Teppichfarben.
Beim Material bleibt es bei der Schurwolle lokaler Schafe, bei den kostbarsten alten Stücken mit einzelnen Seideneinträgen. Moderne Werkstattproduktionen desselben Musters arbeiten häufig auf Baumwollkette, und das verrät sich an den Fransen.
Eine Zahl für das Land gibt die Fibel nicht, die Dichte steht jeweils beim Stil. Der Buchara als einziger unter Turkmenistan registrierter Typ liegt bei 120.000 bis 400.000 Knoten pro Quadratmeter. Die Gül-Typen der afghanischen Fortführung liegen darunter: der Turkaman bei 100.000 bis 250.000, Hatschlu und Akhche bei 80.000 bis 180.000, der Khal Mohammadi bei 80.000 bis 160.000.
Am unteren Ende dieser Spanne treppen die Konturen der Oktogone sichtbar ab, und die Sekundärmotive zwischen den Güls werden unruhig. Nach oben hin stehen die Güls messerscharf, und der kurze Flor bekommt seinen samtigen Griff. Antike Tekke- und Salor-Arbeiten liegen am oberen Ende.
In der turkmenischen Linie wird überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten gearbeitet, der auch offener oder persischer Knoten heißt und bei den Tekke links offen geschlungen wird. Der Knotenname beschreibt die Schlingung und nicht die Herkunft eines Teppichs. Welcher Verband im Einzelfall symmetrisch gearbeitet hat, verzeichnet die Fibel nicht; die Stilseiten zu Buchara und Turkaman geben durchgehend den asymmetrischen Knoten an. Die Unterschiede stehen unter Knotenarten, der Ablauf vom Spinnen bis zum Scheren unter Herstellung, und was die Dichtezahl leistet, erklärt Knotendichte erklärt.
An der Wollkette, am kurz geschorenen samtigen Flor, am dominierenden Rot und an Gül-Reihen, die über die ganze Länge denselben Abstand halten. Sechs Prüfungen reichen im Laden.
Die Frage im Laden ist selten die nach einer Fälschung, sondern die nach dem Herkunftsland. Turkmenische, afghanische und pakistanische Ware teilt Muster und Farbklang, und alle drei laufen unter demselben Etikett. Bei der Zuordnung hilft Herkunft erkennen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen.
Fünf Dinge: die Stammeszuordnung über die Gül, das Alter, die Färbung, die Knotendichte und der Zustand. Die Provenienz kommt hinzu, weil turkmenische, afghanische und pakistanische Arbeiten unter demselben Namen angeboten werden.
Am stärksten wirken Alter und Färbung zusammen. Stücke aus der Zeit vor der Sowjetherrschaft, gefärbt mit Krapp, Indigo und Cochenille, stehen deutlich über neuerer Ware gleicher Feinheit. Wo Pflanzenfarben aufhören und synthetische anfangen, behandelt Naturfarben oder Chemiefarben, die Altersbestimmung Wie alt ist mein Teppich?. Antike Salor-Arbeiten gehören zu den gesuchtesten Sammlerstücken der zentralasiatischen Knüpfkunst und kommen kaum in den Handel.
Beim Zustand zählen drei Stellen. Die Florhöhe in den Laufwegen, denn ein abgelaufener Flor lässt die Kette durchscheinen und ist nicht reparabel. Dazu die Enden mit dem Kelimstreifen und die Webkanten, beides reparabel, solange man früh genug hinsieht.
Neuere Ware in turkmenischer Zeichnung ist Gebrauchsware mit langer Lebensdauer und kein Anlageobjekt. Die alten Stammesstücke sind ein eigener Markt mit eigenen Regeln. Für die Einordnung helfen die Wertübersicht und die Kaufberatung, zum Alterseffekt Alte Teppiche werden wertvoller und zur Haltbarkeit Wie lange hält ein Teppich. Aktuelle Stücke mit Maßen und Fotos zeigt das Buchara-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Der kurze, dichte Flor macht turkmenische Ware alltagstauglich. Saugen in Florrichtung reicht als Routine, die Rotationsbürste bleibt von Fransen und Kelimstreifen weg. Was schadet: Dampfreiniger, Teppichschaum aus dem Baumarkt und Sonne, die jahrelang auf dieselbe Stelle fällt, denn das Krapprot bleicht aus. Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen und nicht reiben.
Kanten und Enden sind die Schwachstelle, weil dort Elem und Kelimstreifen als Erstes aufgehen. Eine gelöste Webkante gleich sichern lassen, das erspart die größere Reparatur. Bei antiken Stücken gehört die Wäsche in einen Fachbetrieb. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Aus Zentralasien, aus dem Gebiet des heutigen Turkmenistan zwischen Kaspischem Meer und Amudarja sowie aus den angrenzenden turkmenischen Siedlungsgebieten. Geknüpft wurde in den Oasen und an den Flussläufen, von den Stämmen der Tekke, Yomut, Salor, Saryk, Ersari und Chodor. Die lebende Produktion derselben Muster sitzt heute in Nordafghanistan und in pakistanischen Werkstätten.
Eine Gül ist ein oktogonales oder rautenförmiges Medaillon, das in gleichmäßigen Reihen über das Feld läuft. Jeder turkmenische Stamm führte seine eigene Form, sodass das Medaillon wie ein Wappen funktioniert: klein und rund bei den Tekke, größer und kantiger bei den Salor, rautig bei den Yomut. Im deutschen Handel heißt das große, gestufte Oktogon Elefantenfuß.
Buchara war der Umschlagplatz an der Seidenstraße, über den die Ware der turkmenischen Stämme nach Westen ging. In der Stadt selbst, im heutigen Usbekistan, wurde kaum geknüpft. Der Marktname beschreibt heute einen Stil und keinen Knüpfort.
Das Muster ist dasselbe, die Herkunft nicht. Klassische turkmenische Stammesarbeit ist kurz geschoren, dicht geknüpft und pflanzengefärbt und kommt fast nur noch als antikes Stück in den Handel. Nordafghanische Ware führt dieselbe Gül-Sprache in mittellangem Flor, gröberer Dichte und dunklerem Weinrot fort. Entscheidend sind Kette, Florlänge und die Regelmäßigkeit des Rapports.
Überwiegend der asymmetrische Knoten, auch offener oder persischer Knoten genannt, bei den Tekke links offen geschlungen. Er umschließt einen Kettfaden ganz, den zweiten nur halb, und erlaubt die dichte, exakte Zeichnung, die kleinteilige Gül-Reihen verlangen. Der Name bezeichnet die Schlingung und sagt nichts über das Herkunftsland aus.
Antike Salor-Arbeiten mit Cochenille-Rot und großer, kantiger Gül, dazu feine Tekke-Stücke aus der Zeit vor der Sowjetherrschaft. Ausschlaggebend sind Stamm, Alter, Feinheit und der Erhalt der ursprünglichen Pflanzenfärbung. Beide Gruppen erreichen den Handel nur selten.
Eine Zahl in Monaten pro Quadratmeter lässt sich nicht seriös nennen. An größeren Formaten arbeiten je nach Breite mehrere Knüpferinnen gleichzeitig, und das Tempo hängt stark von der Erfahrung ab. Verlässlich ist nur die Richtung: je feiner die Knüpfung, desto mehr Knotenreihen pro Zentimeter und desto länger die Arbeit.
Nicht mehr als Stammesarbeit im Zelt. Mit der russischen Eroberung und der Sowjetisierung ging die klassische Knüpferei mit Pflanzenfarben weitgehend zurück, und die lebende Gül-Produktion verlagerte sich nach Nordafghanistan und in pakistanische Werkstätten. Angeboten wird deshalb entweder ein antikes Stammesstück oder die Fortführung des Musters südlich der Grenze.