Hatschlu
Hatschlu-Teppiche zeigen ein charakteristisches Kreuzmuster, traditionell als Türbehang oder Gebetsteppich turkmenischer Stämme verwendet.
- Region
- Afghanistan
- Kategorie
- Nomadenteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 80.000 – 180.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Afghanistan / Turkmenistan — turkmenische Stämme
- Flormaterial
- Wolle auf Wolle
- Knotendichte
- 80.000 – 180.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Kreuzförmiges Feld (Hatschlu), Türbehang-Tradition, Guls in den Feldern




Foto: Morgenland Teppiche
Der Hatschlu ist die unverwechselbarste Sonderform unter den turkmenischen Knüpfungen: ein Teppich, dessen Feld durch ein großes Kreuz in vier rechteckige Felder geteilt wird. Ursprünglich diente er nicht als Bodenteppich, sondern als Türbehang vor dem Eingang der Jurte, weshalb er im Fachhandel auch Ensi genannt wird. Geknüpft wurde der Hatschlu von turkmenischen Stämmen, heute vor allem von Ersari im Norden Afghanistans. Innerhalb der Nomadenteppiche bildet er eine eigene, leicht erkennbare Gruppe.
Was ist ein Hatschlu-Teppich?
Ein Hatschlu ist ein handgeknüpfter turkmenischer Teppich mit kreuzförmig geteiltem Feld. Das Wort leitet sich vom turkmenischen Begriff für Kreuz ab und beschreibt damit das prägende Gestaltungsmerkmal. Die vier Felder werden von breiten Balken getrennt, die das Kreuz bilden, und sind jeweils mit kleinteiligen, oft kerzenförmigen Motiven gefüllt. Der Hatschlu gehört zur Familie der turkmenischen Knüpfungen und ist eng verwandt mit dem Turkaman und dem über den Handelsplatz benannten Buchara, unterscheidet sich von diesen aber durch die Kreuzteilung anstelle gleichmäßiger Gül-Reihen.
Im Unterschied zum Gebetsteppich, der eine einzelne Mihrab-Nische zeigt, gliedert der Hatschlu das Feld in vier Teile. Am oberen Ende findet sich häufig ein quer laufendes Band mit kammartigen Motiven, das oft als stilisierte Schwelle oder als Hinweis auf die Gebetsfunktion gedeutet wird. Echte Türbehänge erkennt man gelegentlich an den Spuren der Befestigung an der Oberkante.
Herkunft
Das Stammland der Turkmenen liegt in Turkmenistan und den angrenzenden Steppen und Oasen Zentralasiens. Dort lebten die turkmenischen Stämme über Jahrhunderte als Viehzüchter in Jurten, deren Eingang ein textiler Behang verschloss. Aus dieser praktischen Funktion entwickelte sich der Hatschlu als eigene Teppichform mit fester Bildordnung. Wie der gesamte turkmenische Bestand war er zugleich Gebrauchsgut und Ausdruck der Stammeszugehörigkeit.
Nach der russischen Eroberung Zentralasiens und der späteren Sowjetisierung verschob sich die Produktion stark. Viele turkmenische Familien, vor allem Ersari, siedelten südlich des Amu-Darja im Norden Afghanistans. Aus diesem Umfeld stammen die meisten heute gehandelten Hatschlu, oft aus derselben Region wie der Akhche und der Khal Mohammadi. Da der Türbehang in der modernen Wohnung keine praktische Funktion mehr hat, wird das Muster heute überwiegend als dekorativer Wandbehang oder Bodenteppich geknüpft.
Muster und Farben
Das prägende Element ist das Kreuz, das das Feld in vier annähernd gleich große Rechtecke teilt. Die einzelnen Felder sind mit Reihen kleiner, kerzen- oder baumartiger Motive gefüllt, die als stilisierte Lebensbäume gedeutet werden. In den Trennbalken und Bordüren erscheinen geometrische und stilisierte florale Ornamente sowie gelegentlich kleine Güls, die den turkmenischen Ursprung belegen. Das obere Querband mit kammförmigen Zacken bildet einen optischen Abschluss. Mehr zur Bedeutung dieser Motive steht in der Symbolübersicht.
Die Farbgebung folgt dem turkmenischen Kanon: ein tiefes Rotbraun bis Auberginerot als Grund, dazu Akzente in Dunkelblau, Anthrazit, Schwarz und Elfenbein. Diese erdige, gedeckte Palette entsteht traditionell aus Naturfarben, vor allem Krapp für die Rottöne und Indigo für die dunklen Bereiche. Mehr zu den Farbstoffen steht unter Teppichfarben.
Material und Knüpftechnik
Hatschlu-Teppiche bestehen vollständig aus Schafwolle, sowohl im Flor als auch in Kette und Schuss. Die Wolle stammt von den Herden der Stämme, ist fetthaltig, robust und für das raue Steppenklima geeignet. Die Färbung erfolgte historisch mit Pflanzenfarben, was den charakteristischen, leicht changierenden Farbton erklärt. Mehr zu den Fasern steht unter Materialien und Schurwolle.
Geknüpft wird der Hatschlu überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten, auch persischer oder offener Knoten genannt, der die feine Zeichnung der kleinteiligen Felder ermöglicht und der Bauweise der klassischen turkmenischen Stücke entspricht. Wie sich die Knotenarten unterscheiden, erklärt der Beitrag zu den Knotenarten; der gesamte Ablauf vom Spinnen bis zum Scheren steht unter Herstellung. Der Flor ist kurz bis mittellang geschoren. Die Webkanten sind mit farbiger Wolle umschlungen, an den Enden schließt der Teppich oft mit einem schmalen Kelimstreifen ab.
Knotendichte und Qualität
Hatschlu-Teppiche zählen zu den mittel bis fein geknüpften Nomadenteppichen. Die Knotendichte liegt typischerweise zwischen etwa 80.000 und 180.000 Knoten pro Quadratmeter. Eine höhere Dichte erlaubt die präzise Zeichnung der kerzenförmigen Felder und der Trennbalken und unterscheidet feine Stücke von gröberen Handelsqualitäten. Wie sich die Knotendichte auf Qualität und Preis auswirkt, behandelt der eigene Ratgeber.
Ein gutes Stück erkennt man an einem klar gezeichneten, symmetrischen Kreuz, scharf abgesetzten Feldern und einem satten, nicht grellen Rotbraun. Die folgende Übersicht ordnet den Hatschlu in die turkmenische Familie ein.
| Typ | Stamm / Region | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Ersari-Hatschlu | Ersari, Nordafghanistan | kräftige Farben, große Formate, häufigster Typ |
| Tekke-Hatschlu | Tekke, historisch Turkmenistan | feiner, kleinteilige Felder, seltener |
| Yomut-Hatschlu | Yomut, Kaspisches Umland | gestufte Motive, eigenständige Bordüre |
| Turkaman | turkmenisch (Sammelbegriff) | gleichmäßige Gül-Reihen statt Kreuzteilung |
| Buchara | turkmenisch, Handelsname | oktogonale Gül-Reihen auf tiefrotem Grund |
| Khal Mohammadi | Nordafghanistan | dichte Gül-Reihen, besonders tiefes Rotbraun |
Was ist ein Hatschlu-Teppich wert?
Der Wert eines Hatschlu hängt von Alter, Stamm, Zustand, Größe, Knotendichte und Färbung ab. Antike turkmenische Türbehänge mit Naturfärbung sind selten und bei Sammlern besonders gesucht, da sie das ursprüngliche Funktionsstück dokumentieren. Moderne afghanische Hatschlu aus Ersari-Tradition sind erschwinglicher und werden vor allem als dekorative Stücke gehandelt. Warum echte Knüpfungen ihren Preis haben, erläutert der Beitrag Warum echte Teppiche teuer sind.
Da der Hatschlu seltener vorkommt als andere turkmenische Typen, lohnt eine genaue Prüfung. Für die Einordnung helfen wertvolle Perserteppiche erkennen als methodische Orientierung, die Wertübersicht sowie die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Hatschlu-Teppich?
Typische Hinweise auf einen echten turkmenischen Hatschlu sind:
- Kreuzförmig geteiltes Feld: Ein großes Kreuz gliedert das Feld in vier Rechtecke, das zentrale Erkennungsmerkmal.
- Wolle auf Wolle: Kette, Schuss und Flor bestehen aus Schafwolle, oft mit changierender Naturfärbung.
- Asymmetrischer Knoten: Der turkmenische Hatschlu verwendet überwiegend den persischen, offenen Knoten, ablesbar an der dichten Rückseite.
- Kerzenförmige Feldmotive: Reihen stilisierter Lebensbäume füllen die vier Felder.
- Tiefes Rotbraun bis Auberginerot als Grundfarbe, ergänzt durch Anthrazit, Blau und Elfenbein.
- Querband am oberen Ende mit kammartigen Zacken, bei echten Türbehängen mitunter Spuren der Befestigung.
Da das Hatschlu-Muster heute überwiegend dekorativ nachgeknüpft wird, sollten Feldteilung, Material, Rückseite und Färbung zusammen beurteilt werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, bei der regionalen Zuordnung hilft Herkunft erkennen.
Pflege
Dank der robusten Wolle ist der Hatschlu pflegeleicht. Wird er als Bodenteppich genutzt, genügen regelmäßiges Saugen in Florrichtung und gelegentliche professionelle Reinigung. Als Wandbehang sollte er gelegentlich abgesaugt und vor dauerhafter direkter Sonne geschützt werden, da das tiefe Rot sonst verblasst. Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, ohne zu reiben, damit die Naturfarben nicht ausbluten. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht und unter Wollteppich reinigen.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Name Hatschlu?
Der Name leitet sich vom turkmenischen Begriff für Kreuz ab und beschreibt das kreuzförmig geteilte Feld, das diesen Teppichtyp kennzeichnet. Im Handel wird er auch Ensi genannt, was auf die ursprüngliche Funktion als Türbehang der Jurte verweist.
Wofür wurde ein Hatschlu ursprünglich verwendet?
Der Hatschlu diente als Türbehang vor dem Eingang der turkmenischen Jurte und schützte vor Wind, Kälte und Staub. In der modernen Wohnung hat diese Funktion keine Bedeutung mehr, weshalb das Muster heute als dekorativer Wandbehang oder als Bodenteppich geknüpft wird.
Was unterscheidet einen Hatschlu von einem Buchara oder Turkaman?
Ist ein Hatschlu ein Gebetsteppich?
Der Hatschlu ist in erster Linie ein Türbehang. Das obere Querband mit kammförmigen Zacken wird gelegentlich als Hinweis auf eine Gebetsfunktion gedeutet, doch im Unterschied zum klassischen Gebetsteppich mit einer einzelnen Mihrab-Nische zeigt der Hatschlu eine Vierteilung des Feldes.
Welchen Knoten verwendet ein Hatschlu-Teppich?
Der turkmenische Hatschlu wird überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten geknüpft, auch persischer oder offener Knoten genannt. Diese feine Knotenart erlaubt die präzise Zeichnung der kleinteiligen Felder. Mehr dazu unter Knotenarten.
Wie pflege ich einen Hatschlu-Teppich richtig?
Als Bodenteppich genügen regelmäßiges Saugen in Florrichtung und professionelle Reinigung alle paar Jahre. Als Wandbehang gelegentlich absaugen und vor direkter Sonne schützen. Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, ohne zu reiben.
Verwandte Stile
Khal Mohammadi
Der Khal Mohammadi ist der bekannteste afghanische Teppich, charakteristisch sind seine tiefroten Farben und geometrischen Gul-Muster.
Buchara
Buchara-Teppiche (auch Bokhara) sind das Wahrzeichen turkmenischer Knüpfkunst, charakteristisch sind die Elefantenfuß-Guls auf tiefrotem Grund.
Turkaman
Turkaman-Teppiche aus Afghanistan setzen die Knüpftradition turkmenischer Stämme fort, tiefrot, dicht und mit klassischen Gul-Mustern.