Buchara
Buchara-Teppiche (auch Bokhara) sind das Wahrzeichen turkmenischer Knüpfkunst, charakteristisch sind die Elefantenfuß-Guls auf tiefrotem Grund.
- Region
- Turkmenistan
- Kategorie
- Nomadenteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 120.000 – 400.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Turkmenistan / Usbekistan — Region Buchara
- Flormaterial
- Wolle auf Wolle oder Baumwolle
- Knotendichte
- 120.000 – 400.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Elefantenfuß-Guls, tiefrote Grundfarbe, sehr dichte Knüpfung




Foto: Morgenland Teppiche
Buchara-Teppiche zählen zu den unverwechselbarsten turkmenischen Knüpfungen. Ihr Erkennungszeichen sind die reihenweise angeordneten oktogonalen Medaillons, die sogenannten Gül, auf einem tiefroten Grund. Der Name stammt von der historischen Handelsstadt Buchara im heutigen Usbekistan, über die diese Teppiche jahrhundertelang gehandelt wurden. Geknüpft werden sie von turkmenischen Stämmen wie den Tekke, Salor und Ersari, deren strenge, sich wiederholende Mustersprache zu den ältesten Bildtraditionen des Orientteppichs gehört.
Was ist ein Buchara-Teppich?
Ein Buchara-Teppich ist ein handgeknüpfter turkmenischer Teppich, dessen Feld von gleichmäßigen Reihen oktogonaler Gül-Medaillons strukturiert wird. Buchara ist dabei in erster Linie ein Handels- und Stilbegriff: Benannt nach dem Marktplatz, nicht nach dem Knüpfort, fasst er die Erzeugnisse mehrerer turkmenischer Stämme zusammen. Charakteristisch sind das tiefrote Grundfeld, die strenge Symmetrie und eine feine, kurz geschorene Wollknüpfung. Innerhalb der Nomadenteppiche bilden die Buchara eine eigene, klar abgrenzbare Familie.
Genauer betrachtet handelt es sich nicht um einen einzelnen Stil, sondern um eine Gruppe verwandter Stammesteppiche. Jeder Stamm verwendet eine eigene Gül-Variante, weshalb Kenner aus dem Medaillon die Herkunft ablesen können. Die feinsten Stücke stammen historisch von den Tekke und den heute seltenen Salor.
Herkunft
Die Buchara-Teppiche stammen aus dem Siedlungsgebiet der turkmenischen Stämme in Turkmenistan und den angrenzenden Regionen des heutigen Usbekistan, Afghanistan und Nordiran. Die turkmenischen Nomaden lebten über Jahrhunderte als Viehzüchter in den Steppen und Wüstenrandgebieten Zentralasiens. Ihre Teppiche, Taschen und Zeltbänder waren zugleich Gebrauchsgut, Aussteuer und Ausweis der Stammeszugehörigkeit.
Der Name Buchara etablierte sich durch die Rolle der gleichnamigen Stadt als bedeutender Handelsplatz an der Seidenstraße. Dort liefen die Erzeugnisse der umliegenden Stämme zusammen und gingen unter dem Marktnamen in den Export. Im 19. Jahrhundert prägten vor allem die Tekke das Bild des klassischen Buchara, der in Europa schnell als Statussymbol galt. Nach der russischen Eroberung Zentralasiens und der späteren Sowjetisierung wandelte sich die Produktion stark. Heute werden klassische Buchara-Muster auch in Pakistan und Afghanistan nachgeknüpft, dort oft unter Namen wie Mauri oder schlicht als Bochara-Design gehandelt. Verwandte turkmenische Knüpfungen werden unter Turkaman und Hatschlu eigenständig behandelt.
Muster und Farben
Das prägende Element des Buchara ist die Gül, ein meist oktogonales oder gestuftes Medaillon, das in regelmäßigen Reihen über das gesamte Feld verteilt ist. Die Güls sind durch ein feines Liniengitter verbunden und durch kleinere Sekundärmotive ergänzt. Diese strenge Rapportordnung verleiht dem Buchara seinen ruhigen, fast geometrisch-meditativen Charakter. Der Begriff Gül wird häufig als Rose gedeutet, fungiert aber vor allem als Stammeswappen: Jede Gruppe besitzt ihre eigene Form.
Das vorherrschende Farbschema ist ein tiefes Rot bis Burgunderrot, das dem Buchara seine warme Gesamtwirkung gibt. Dazu treten Akzente in Dunkelblau, Schwarz, Elfenbein und Naturweiß, die die Güls und das Liniengitter klar zeichnen. Die Bordüre besteht aus mehreren schmalen Bändern mit geometrischen Motiven. Eng verwandt ist der Hatschlu, ein turkmenischer Türbehang, dessen Feld durch ein großes Kreuz in vier Felder geteilt ist. Auch Gebetsfeld-Varianten mit nach oben gerichteter Nische kommen vor.
Material und Knüpftechnik
Traditionelle Buchara-Teppiche bestehen vollständig aus Schafwolle, sowohl im Flor als auch in Kette und Schuss. Bei feinen Stücken stammt die Wolle teils von Karakul-Schafen, die für ihre dichte, glänzende Faser bekannt sind. Die Färbung erfolgte historisch mit Naturfarben, vor allem Krapp für die charakteristischen Rottöne und Indigo für dunkle Akzente. Mehr zu den Fasern steht unter Materialien und Schurwolle.
Geknüpft wird der Buchara überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten, auch persischer oder Senneh-Knoten genannt. Diese feine Knotenart erlaubt die hohe Dichte und Präzision, die die kleinteiligen Gül-Reihen erfordern. Wie sich die Knotenarten unterscheiden, erklärt der Beitrag zu den Knotenarten; der gesamte Ablauf vom Spinnen bis zum Scheren steht unter Herstellung. Der Flor wird kurz geschoren, was die Schärfe der geometrischen Muster betont. Die Webkanten sind verstärkt und mit farbiger Wolle umschlungen, an den Enden schließt der Teppich oft mit einem schmalen Kelimstreifen ab.
Knotendichte und Qualität
Buchara-Teppiche gehören zu den feiner geknüpften Nomadenteppichen. Die Knotendichte reicht typischerweise von etwa 160.000 bis über 400.000 Knoten pro Quadratmeter, bei besonders feinen historischen Tekke- und Salor-Stücken auch darüber. Die hohe Dichte ist Voraussetzung für die präzise Zeichnung der kleinen Gül-Reihen und unterscheidet feine Originale von gröberen Nachknüpfungen. Wie sich die Knotendichte auf Qualität und Preis auswirkt, behandelt der eigene Aufsatz.
Ein gutes Stück erkennt man an gleichmäßigen, scharf gezeichneten Güls, einem satten, nicht grellen Rot und einer dichten, kurz geschorenen Wolle mit seidigem Glanz. Antike Tekke- und Salor-Buchara aus dem 19. Jahrhundert gelten als die feinsten und gesuchtesten Vertreter dieser Gruppe.
Buchara-Typen nach Stamm im Vergleich
| Typ | Stamm / Region | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Tekke-Buchara | Tekke, Turkmenistan | runde, kompakte Gül, sehr fein, klassischer Buchara |
| Salor-Buchara | Salor, historisch | eckigere, detailreiche Gül, sehr selten und wertvoll |
| Ersari-Buchara | Ersari, Amu-Darja-Region | gröber, kräftigere Farben, größere Formate |
| Hatschlu | turkmenisch | Türbehang mit Kreuzteilung statt Gül-Reihen |
| Turkaman | turkmenisch (Sammelbegriff) | Oberbegriff verwandter turkmenischer Knüpfungen |
| Mauri / Bochara | Pakistan, Afghanistan | moderne Nachknüpfung der klassischen Gül-Muster |
Was ist ein Buchara-Teppich wert?
Der Wert eines Buchara hängt von Alter, Stamm, Zustand, Größe, Knotendichte und Färbung ab. Antike turkmenische Stücke, besonders fein geknüpfte Tekke- und seltene Salor-Buchara mit Naturfärbung, gelten als gesuchte Sammlerobjekte und erzielen die höchsten Preise. Moderne Nachknüpfungen aus Pakistan und Afghanistan sind erschwinglicher und übernehmen das Muster, erreichen aber meist nicht die Materialqualität und Feinheit der Originale.
Da der Buchara ein begehrter und vielfach kopierter Stil ist, lohnt eine genaue Prüfung. Für die Einordnung helfen wertvolle Perserteppiche erkennen als methodische Orientierung, die Wertübersicht sowie die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Buchara-Teppich?
Typische Hinweise auf einen echten turkmenischen Buchara sind:
- Wolle auf Wolle: Kette, Schuss und Flor bestehen aus Schafwolle, feine Stücke teils aus Karakul-Wolle.
- Reihen oktogonaler Gül: Gleichmäßig angeordnete Medaillons auf tiefrotem Grund, durch ein feines Liniengitter verbunden.
- Asymmetrischer Knoten: Der turkmenische Buchara verwendet überwiegend den persischen Senneh-Knoten, ablesbar an der dichten Rückseite.
- Kurzer Flor und scharfe Zeichnung: Die kurz geschorene Wolle lässt die geometrischen Güls präzise hervortreten.
- Sattes Krapprot ohne grelle Töne als dominierende Grundfarbe.
- Verstärkte Webkanten und Kelimabschluss an den Enden, Fransen aus der Kette.
Da klassische Buchara-Muster vielfach nachgeknüpft werden, sollten Gül-Form, Material, Rückseite und Färbung zusammen beurteilt werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, bei der regionalen Zuordnung hilft Herkunft erkennen.
Pflege
Dank der dichten, kurz geschorenen Wolle sind Buchara-Teppiche robust und pflegeleicht. Regelmäßiges Saugen in Florrichtung und gelegentliche professionelle Reinigung erhalten Farbe und Glanz. Flecken sollten sofort mit klarem Wasser aufgenommen werden, ohne zu reiben. Lange direkte Sonneneinstrahlung lässt das charakteristische Rot verblassen und ist zu vermeiden. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Woher kommt ein Buchara-Teppich?
Buchara-Teppiche stammen aus dem turkmenischen Siedlungsgebiet in Turkmenistan und angrenzenden Regionen Zentralasiens. Der Name geht auf die Handelsstadt Buchara im heutigen Usbekistan zurück, über die die Teppiche jahrhundertelang exportiert wurden. Geknüpft wurden sie von Stämmen wie Tekke, Salor und Ersari.
Was bedeuten die Gül-Muster bei einem Buchara?
Die Gül ist ein meist oktogonales Medaillon, das in Reihen über das Feld verteilt ist. Jeder turkmenische Stamm verwendet eine eigene Gül-Form, sodass das Medaillon als Stammeswappen dient. So ist die Tekke-Gül runder und kompakter, die Salor-Gül eckiger und detailreicher. Weitere Symbolik erklärt die Symbolübersicht.
Welchen Knoten verwendet ein Buchara-Teppich?
Der turkmenische Buchara wird überwiegend mit dem asymmetrischen Knoten geknüpft, auch persischer oder Senneh-Knoten genannt. Diese feine Knotenart ermöglicht die hohe Dichte, die die kleinteiligen Gül-Reihen erfordern. Mehr dazu unter Knotenarten.
Was unterscheidet einen Tekke- von einem Salor-Buchara?
Beide gehören zu den feinsten Buchara-Typen. Die Tekke-Gül ist runder und kompakter, das Muster sehr regelmäßig. Die Salor-Gül ist eckiger und detailreicher, Salor-Stücke sind heute ausgesprochen selten und gelten als besonders wertvoll. Der Ersari-Buchara fällt dagegen gröber aus und zeigt kräftigere Farben.
Sind moderne Buchara-Teppiche gleichwertig zu antiken Stücken?
Moderne Buchara aus Pakistan und Afghanistan übernehmen die klassischen Gül-Muster, verwenden aber meist andere Wolle und sind oft gröber gearbeitet. Sie sind ästhetisch ansprechend und erschwinglich, erreichen jedoch in Materialqualität und Feinheit selten die antiken turkmenischen Originale.
Was kostet ein Buchara-Teppich?
Der Preis hängt von Alter, Stamm, Feinheit und Zustand ab. Moderne Nachknüpfungen sind erschwinglich, antike Tekke- und seltene Salor-Buchara mit Naturfärbung erzielen als Sammlerstücke deutlich höhere Preise. Eine Einordnung gibt die Wertübersicht.
Wie pflege ich einen Buchara-Teppich richtig?
Regelmäßiges Saugen in Florrichtung und professionelle Reinigung alle paar Jahre genügen. Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, ohne zu reiben. Da das tiefe Rot empfindlich auf UV-Licht reagiert, sollte lange direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Buchara-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.
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Belutsch
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