Schirwan-Teppiche: feinste kaukasische Geometrie
Schirwan-Teppiche (Shirvan) aus der ostkaukasischen Region Aserbaidschan bestechen durch feine geometrische Medaillons und leuchtende Farben.
- Region
- Kaukasus
- Kategorie
- Nomadenteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 80.000 – 180.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Aserbaidschan — Region Shirvan, Ostkaukasus
- Flormaterial
- Wolle auf Wolle
- Knotendichte
- 80.000 – 180.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Feine geometrische Medaillons, leuchtende Farben, Sammlerklasse



Foto: Morgenland Teppiche
Schirwan-Teppiche, im Handel auch Shirvan geschrieben, sind handgeknüpfte kaukasische Teppiche aus der historischen Region Schirwan im Ostkaukasus, dem heutigen Aserbaidschan. Sie reihen kleinteilige Sterne und gestufte Rauten über das ganze Feld, stehen in Krapprot, Indigo und Elfenbein und sind Wolle auf Wolle gearbeitet, mit 80.000 bis 180.000 Knoten pro Quadratmeter. Geknüpft wird mit dem symmetrischen türkischen Knoten, der jede Rundung in eine Treppe zwingt. Was heute unter diesem Namen im Handel liegt, ist überwiegend antike Ware, daneben stehen Nachknüpfungen des Musters, die außerhalb der Region entstehen.
Was ist ein Schirwan-Teppich?
Ein Schirwan ist ein handgeknüpfter kaukasischer Wollteppich aus der Region Schirwan im Osten Aserbaidschans, gearbeitet mit dem symmetrischen türkischen Knoten und gezeichnet in kleinteiliger Geometrie. Er stammt aus der dörflichen und halbnomadischen Knüpftradition des Kaukasus und steht in der Fibel bei den Nomadenteppichen.
Gebaut ist er flach: kurz geschorener Wollflor über einer Wollkette, geknüpft ohne gezeichnete Vorlage. Musterschema, Bordürenrhythmus und Farbfolge saßen im Gedächtnis der Knüpferinnen und wurden in der Familie weitergegeben. Von den floralen Perserteppichen der Städte trennen ihn Kette, Knoten und Zweck: dort Baumwollkette, asymmetrischer Knoten und ein gezeichneter Kartonentwurf, hier Wollkette, symmetrischer Knoten und eine Zeichnung aus dem Gedächtnis. Ein Schirwan ist kaukasische Dorfware, kein persischer Teppich.
Wo werden Schirwan-Teppiche geknüpft?
Schirwan-Teppiche stammen aus der historischen Region Schirwan im Ostkaukasus, zwischen dem Großen Kaukasus und dem Kaspischen Meer, heute Teil Aserbaidschans. Als wichtigster Ort gilt Şamaxı, dazu kommen zahlreiche Dörfer der Umgebung, die jeweils eigene Musterspielarten pflegten.
Die Knüpferei war hier in der dörflichen und halbnomadischen Lebenswelt verankert. Verarbeitet wurde die Wolle der eigenen Herden, gefärbt mit den Pflanzenfarben der Region. Der Name selbst ist älter als der Teppichhandel: Als im 18. Jahrhundert die zentrale Macht im Kaukasus in eine Reihe von Khanaten zerfiel, blieben deren Namen als Typenbezeichnungen in Gebrauch, neben Schirwan etwa Kuba und Karabagh.
Zur Exportware wurde die dörfliche Eigenproduktion erst durch die russische Erschließung des 19. Jahrhunderts. Die Blüte lag zwischen etwa 1860 und 1910, und aus dieser Zeit stammt der Großteil der heute gehandelten Sammlerstücke. Mit dem 20. Jahrhundert riss der Faden. Revolution, Sowjetisierung und die Kollektivierung der Dörfer lösten die alten Zusammenhänge auf, gleichzeitig erreichten synthetische Farbstoffe die Färbereien.
Als Mengenmarkt fällt die Region seither aus. Wer einen Schirwan sucht, findet antike und semiantike Stücke, dazu Nachknüpfungen des Musters, die überwiegend in Afghanistan und Pakistan entstehen. Solange Muster und Herstellungsland getrennt benannt werden, ist das seriöse Ware. Als kaukasischer Teppich darf ein solches Stück nicht angeboten werden.
Welches Muster zeigt ein Schirwan-Teppich?
Ein Schirwan-Teppich reiht kleinteilige Motive über das ganze Feld: achtzackige Sterne, gestufte Rauten, Hakenornamente und stark abstrahierte Tierfiguren, oft als durchgehendes Allover, manchmal als vertikale Reihe gestaffelter Medaillons. Die Zeichnung bleibt streng geometrisch, jede Rundung ist als Treppe gearbeitet.
Neben dem Allover-Feld stehen zwei bekannte Sonderformen: das Gebetsformat mit geometrischer Mihrab-Nische und Felder mit dem Booteh-Motiv. Die Bordüren sind schmal, aber mehrfach gestuft und tragen geometrische Bänder, Hakenornamente, die Weinglas- und Blattborte oder den laufenden Hund. Was hinter den Zeichen steht, ordnet die Symbolübersicht ein.
Welche Farben hat ein Schirwan-Teppich?
Ein Schirwan trägt leuchtende Naturfarben auf drei Säulen: Krapprot aus der Färberwurzel, Indigoblau und ein Elfenbein oder reines Weiß, das die Motive gegeneinander abgrenzt. Dazu treten Gelb, Braun und ein Grün, das aus Indigo über Gelb entsteht.
Das Weiß ist die eigentliche Pointe dieser Palette, denn es schneidet die kleinteiligen Formen scharf aus der Fläche. Leuchtend heißt dabei nicht grell: Pflanzengefärbte Garne stehen satt, aber ruhig. Ein leichtes Changieren der Grundfarbe über die Fläche, der Abrash, entsteht durch wechselnde Färbebäder und spricht für Pflanzenfärbung. Ein flächig gleichmäßiges, grelles Rot deutet dagegen auf synthetische Farbstoffe. Worauf dabei zu achten ist, behandelt Naturfarben erkennen.
Aus welchem Material besteht ein Schirwan-Teppich?
Ein Schirwan besteht aus Wolle auf Wolle: Kette, Schuss und Flor stammen von den Schafen der Region. Eine Baumwollkette gehört nicht zum Bild dieser Provenienz, sie spricht für eine Werkstatt außerhalb des Kaukasus. Die Schurwolle ist fest und strapazierfähig, die Webkanten sind mit Wolle umschlungen, an den Schmalseiten schließt ein Kelimstreifen das Gewebe ab.
Geknüpft wird mit dem symmetrischen türkischen Knoten, im Handel auch Gördes-Knoten genannt. Der Florfaden legt sich um beide Kettfäden und zieht sich zwischen ihnen fest. Er sitzt stabil, gibt einen strapazierfähigen Flor und zwingt die Zeichnung in die Treppe; die Unterschiede zum asymmetrischen Knoten stehen unter Knotenarten. Der Flor ist kurz geschoren, damit die kleinteilige Zeichnung scharf hervortritt. Welche Fasern in Orientteppichen überhaupt verarbeitet werden, behandelt die Übersicht zu den Materialien, den Weg vom Spinnen über das Färben bis zum Scheren beschreibt der Bereich Herstellung.
Wie fein ist ein Schirwan-Teppich geknüpft?
Für einen Schirwan werden 80.000 bis 180.000 Knoten pro Quadratmeter geführt. Das ist mittelfein bis grob und für eine getreppte Zeichnung genau richtig, denn ein achtzackiger Stern braucht keine fließenden Farbverläufe.
Dieselbe Spanne führen unsere Daten für den Kazak, an beiden Enden identisch. Die Knotenzahl trennt die zwei Provenienzen also nicht. Im Handel gilt der Schirwan trotzdem als das feinere der beiden Stücke, und diese Einschätzung stützt sich auf die kleinteiligere Zeichnung, den kürzer geschorenen Flor und das kleinere Format, nicht auf eine höhere Knotenzahl. Ein Staffelsystem wie das Raj in Tabriz oder die La-Stufen in Nain kennt der Kaukasus ohnehin nicht.
Wichtiger als die Zahl ist die Wolle. Ein dicht geknüpftes Stück aus mürber, kurzstapeliger Wolle läuft schneller ab als ein gröberes aus fester Hochlandwolle. Was die Knotenzahl aussagt und was nicht, erklärt Knotendichte erklärt.
| Merkmal | Ausprägung beim Schirwan |
|---|---|
| Knotenart | symmetrischer türkischer Knoten (Gördes) |
| Knotendichte | 80.000 – 180.000 Knoten/m² |
| Material | Wolle auf Wolle, Kette, Schuss und Flor aus Wolle |
| Florhöhe | kurz geschoren |
| Typische Muster | gereihte Sterne, Rauten, Tierfiguren, Mihrab-Nischen |
| Farbcharakter | leuchtendes Krapprot und Indigo mit Elfenbein, Naturfarbe |
| Format | kleine bis mittlere Formate, Läufer und Galerien |
Wie unterscheidet sich ein Schirwan von anderen kaukasischen Teppichen?
Ein Schirwan unterscheidet sich von den übrigen kaukasischen Provenienzen über Zeichnung, Florhöhe und Format, nicht über die Feinheit. Alle arbeiten mit demselben Knoten, derselben Wollkette und demselben geometrischen Formenvorrat.
Der Kazak aus dem Südwestkaukasus setzt wenige große gestufte Medaillons auf offenen roten Grund und trägt einen höheren Flor, der Schirwan reiht kleine Motive dicht über das ganze Feld. Kuba im Nordosten Aserbaidschans gilt als die feinste Dorfware der Region und ist für Drachen- und Medaillonmuster bekannt. Karabagh arbeitet großformatig mit Rosen in tiefem Rot und Grün, Gendje bevorzugt schmale Läufer mit schrägen Streifenbändern, Talisch an der Kaspiküste Langformate mit leerem Feld und breiter Rosettenbordüre, Derbent in Dagestan Sterne und Rauten in gedämpfter Palette.
Von diesen Namen führt die Teppich Fibel neben dem Schirwan nur den Kazak mit eigener Seite. Die übrigen sind Sammler- und Auktionsbegriffe, hinter denen keine laufende Produktion mehr steht; die vollständige Übersicht dazu steht unter Kaukasus.
Was bestimmt den Wert eines Schirwan-Teppichs?
Den Wert eines Schirwan-Teppichs bestimmen Alter und Herkunft an erster Stelle, danach Material, Zustand, Färbung, Seltenheit des Musters und Format. Keiner dieser Punkte wirkt für sich, sie werden zusammen beurteilt.
Beim Alter trennt das Baujahr die Klassen scharf. Ein Stück aus der klassischen Zeit vor 1910 steht in einer anderen Kategorie als eine Nachknüpfung desselben Musters, dazwischen liegt das Feld der semiantiken Ware, in der Fibel unter antik eingeordnet. Beim Material zählt die Wolle: fest, langstapelig und glänzend statt mürbe und kurzfaserig. Beim Zustand zählen drei Stellen, nämlich die Florhöhe in den Laufwegen, denn abgelaufener Flor lässt die Kette durchscheinen und ist nicht reparabel, dazu Endkelims und Webkanten, die reparabel bleiben, solange man früh genug hinsieht. Bei der Färbung zählt, ob die Töne pflanzengefärbt sind und über die Fläche ruhig stehen.
Selten und gesucht sind Gebetsformate mit geometrischer Nische und ungewöhnliche Farbstellungen, etwa ein weißgrundiges Feld. Große Formate sind bei dieser Provenienz rar, weil die dörflichen Webstühle schmal gebaut waren; gut erhaltene große Stücke heben sich dadurch heraus. Antike kaukasische Teppiche gehören zu den gesuchtesten Sammlerstücken des Orientteppichs, moderne Nachknüpfungen dagegen sind ordentliche Gebrauchsware und kein Anlageobjekt.
Die Feinheit wirkt nicht als eigener Maßstab, sondern über den Arbeitsaufwand. Eine Angabe in Monaten pro Quadratmeter lässt sich nicht seriös machen: An größeren Formaten arbeiten mehrere Knüpferinnen gleichzeitig, und das Tempo hängt stark von der Erfahrung ab. Verlässlich ist nur die Richtung, je feiner die Knüpfung, desto mehr Knotenreihen pro Zentimeter und desto länger die Arbeit.
Für die Einordnung helfen die Wertübersicht, die Kaufberatung und zur Altersschätzung Wie alt ist mein Teppich. Aktuelle Stücke mit Maßen und Preisen zeigt das Schirwan-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Woran erkennt man einen echten Schirwan-Teppich?
Einen echten Schirwan erkennt man an der Wollkette, am symmetrischen Knoten, an einer Zeichnung ohne echte Kurve und an dem Weiß, das die Motive trennt. Fünf Prüfungen reichen im Laden.
- Fransen anfassen: Sie sind die verlängerten Kettfäden. Wolle fühlt sich weich an, ist ungleichmäßig gedreht und mattgelblich; glatte, gleichmäßig weiße Baumwollfransen sprechen für eine Werkstatt außerhalb der Region.
- Rückseite ansehen: Das kleinteilige Muster steht spiegelbildlich klar, die Knoten bilden ein gleichmäßiges Raster.
- Knoten prüfen: Der symmetrische Knoten sitzt als kleines Doppelknötchen quer über beiden Kettfäden.
- Konturen verfolgen: Jede Rundung ist als Treppe gearbeitet. Weich durchlaufende Bögen sprechen gegen eine kaukasische Herkunft.
- Farbe beurteilen: Krapprot und Indigo mit leichtem Abrash, dazu Elfenbein oder Weiß, das die Formen aus der Fläche schneidet.
Die Frage im Laden ist bei dieser Provenienz selten die nach einer Fälschung, sondern die nach Alter und Herstellungsland. Schirwan und die benachbarten ostkaukasischen Namen teilen Motive und Bauweise, weshalb Zeichnung, Florhöhe, Format und Alter zusammen betrachtet werden sollten. Schritt für Schritt führt Ist mein Teppich echt? durch die Prüfung, bei der regionalen Zuordnung hilft Herkunft erkennen.
Schirwan-Teppich richtig pflegen
Weil die meisten Schirwan-Teppiche im Handel schon alt sind, gilt hier die vorsichtige Routine. Saugen in Florrichtung, ohne Rotationsbürste und mit Abstand von Fransen und Endkelim. Was schadet: Dampfreiniger, Teppichschaum aus dem Baumarkt und Sonne, die jahrelang auf dieselbe Stelle fällt, denn Krapprot und Indigo bleichen aus.
Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen und nicht reiben. Eine gelöste Webkante oder ein aufgehender Endkelim gehören gleich gesichert, das erspart die größere Reparatur. Jede Nassreinigung eines antiken Stücks gehört in fachkundige Hände. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Sind Schirwan-Teppiche persisch oder kaukasisch?
Schirwan-Teppiche sind kaukasisch. Sie stammen aus dem Ostkaukasus im heutigen Aserbaidschan, laufen auf Wollkette und sind mit dem symmetrischen türkischen Knoten gearbeitet. Die floralen Perserteppiche der Städte stehen dagegen auf Baumwollkette, nutzen den asymmetrischen Knoten und folgen einem gezeichneten Entwurf. Persisch ist an einem Schirwan nichts, türkisch nur der Handelsname des Knotens.
Was ist der Unterschied zwischen Schirwan und Shirvan?
Schirwan und Shirvan bezeichnen denselben Teppich, es handelt sich nur um zwei Schreibweisen des Regionsnamens. Im deutschsprachigen Handel ist Schirwan verbreitet, im englischsprachigen Raum Shirvan. In dieser Fibel steht durchgehend Schirwan.
Worin unterscheidet sich ein Schirwan von einem Kazak-Teppich?
Beide sind kaukasische Wollteppiche mit dem symmetrischen Knoten, und unsere Daten führen für beide dieselbe Spanne von 80.000 bis 180.000 Knoten pro Quadratmeter. Die Knotenzahl trennt sie also nicht. Der Kazak aus dem Südwestkaukasus zeigt wenige große Medaillons auf offenem rotem Grund und einen höheren Flor, der Schirwan aus dem Ostkaukasus reiht kleinteilige Sterne und Rauten und ist kürzer geschoren.
Warum werden Schirwan- und Kuba-Teppiche verwechselt?
Beide stammen aus benachbarten Gebieten des Ostkaukasus, sind Wolle auf Wolle gearbeitet und teilen große Teile des Motivvorrats. Kuba gilt als die feinste Dorfware der Region und ist vor allem für Drachen- und Medaillonmuster bekannt, wird in der Teppich Fibel aber nicht als eigener Stil geführt, weil dahinter keine laufende Produktion mehr steht.
Wie alt sind echte Schirwan-Teppiche?
Der Großteil der gehandelten Stücke stammt aus der klassischen Zeit des Kaukasus zwischen etwa 1860 und 1910. Mit Revolution, Sowjetisierung und Kollektivierung riss die dörfliche Produktion im frühen 20. Jahrhundert ab, echte Ware aus der Region ist deshalb fast immer antik oder semiantik. Eine Einordnung gibt Wie alt ist mein Teppich.
Welche Größen sind typisch für Schirwan-Teppiche?
Kleine bis mittlere Formate, dazu schmale Läufer und Galerien. Große Formate sind selten, weil die dörflichen Webstühle schmal gebaut waren. Im Sortiment von Morgenland Teppiche stehen Schirwan zum Beispiel in 200 × 133 cm und 188 × 122 cm.
Was kostet ein Schirwan-Teppich?
Einen festen Preis gibt es nicht. Was ein Schirwan kostet, hängt von Größe, Alter, Zustand, Wollqualität und Färbung ab und davon, ob es sich um antike Ware aus der Region oder um eine Nachknüpfung des Musters handelt. Konkrete Preise gelten immer für das einzelne Stück und stehen mit Maßen und Zustand im Schirwan-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Schirwan-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.