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Abrash – Bedeutung

Abrash ist eines der charakteristischsten Phänomene am handgeknüpften Orientteppich. Wer das Wort hört, denkt an streifige Farbverläufe in einem ansonsten einheitlichen Feld. Diese Seite erklärt, was Abrash technisch ist, woher er kommt und warum Sammler und Händler ihn als Qualitätsmerkmal lesen.

#Was Abrash technisch bedeutet

Abrash ist die sichtbare Farbabweichung innerhalb eines Feldes oder einer Bordüre, die durch das Verarbeiten verschiedener Garnpartien entsteht. Wenn die Knüpferin am Webstuhl mit einer Garnpartie arbeitet und diese aufgeknüpft hat, wechselt sie auf eine neue Partie, die in einer separaten Färbecharge gefärbt wurde. Auch bei sorgfältigster Färberei fallen diese Chargen nie identisch aus, weil Naturpigmente in der Konzentration schwanken.

Das Resultat: ein horizontaler Streifen oder ein gradient-artiger Übergang in der Farbe, der sich durch das gesamte Stück zieht. Manche Stücke haben kaum Abrash, andere zeigen ihn stark.

Bei chemisch gefärbten Garnen ist Abrash deutlich seltener, weil die Pigmentkontrolle in der Industrie präziser ist. Bei Naturfärbung mit Krapp, Indigo oder Walnuss ist Abrash fast immer vorhanden.

#Warum Abrash ein Qualitätsmerkmal ist

Drei Gründe machen Abrash zum positiven Signal beim Teppichkauf.

Erstens: Abrash deutet auf Naturfärbung hin. Wer Krapp, Indigo, Reseda oder Walnuss verwendet, hat unweigerlich Chargenschwankungen. Synthetische Säurefarben sind so konsistent, dass Abrash nur bei sehr großen Stücken oder mehreren Webstühlen auftritt.

Zweitens: Abrash signalisiert Hand-Knüpfung. Industrielle Tuft- oder Webteppiche haben keinen Abrash, weil sie aus durchgehenden Industriegarnen produziert werden. Wenn Sie deutlichen Abrash sehen, können Sie ziemlich sicher sein, dass es sich um echte Hand-Knüpfung handelt.

Drittens: Abrash gibt dem Teppich Lebendigkeit. Eine vollkommen einheitliche Farbfläche wirkt langweilig und industriell. Die feinen Streifen und Übergänge geben dem Stück Tiefe und Charakter, der über die Jahrzehnte schöner wird, weil die Patinaentwicklung den Effekt verstärkt.

#Echter und gefälschter Abrash

Weil Abrash positiv besetzt ist, wird er gelegentlich nachträglich erzeugt. Drei Hinweise helfen, echten von künstlichem Abrash zu unterscheiden.

Verlauf der Streifen. Echter Abrash läuft horizontal, parallel zur Knüpfrichtung, und folgt der Höhe der Knotenreihen. Wenn die Streifen diagonal verlaufen oder unregelmäßig in alle Richtungen, ist das verdächtig.

Konsistenz im gesamten Teppich. Echter Abrash erscheint in mehreren Feldern und Bordüren des Teppichs, weil die Garnpartien für verschiedene Teile gewechselt wurden. Künstlicher Abrash ist oft nur in einem Bereich zu sehen, weil er nachträglich aufgetragen wurde.

Knotenrückseite. Drehen Sie den Teppich um. Echter Abrash zeigt sich auch von hinten als Färbungsdifferenz. Künstliche Behandlung erreicht oft nur die Florspitze, die Knotenrückseite bleibt einheitlich.

#Welche Stile zeigen typischerweise Abrash

Bestimmte Knüpftraditionen zeigen Abrash regelmäßiger als andere. Nomadische und Stammes-Stücke sind die offensichtlichste Gruppe. Qaschqai, Lori, Beluch, Kazak, Kurdische Arbeiten zeigen oft starken Abrash, weil mehrere Familienangehörige an einem Stuhl arbeiten und Garnpartien selbst gefärbt sind.

Auch Manufakturware aus kleinen iranischen Knüpforten zeigt regelmäßig Abrash, etwa Hamadan, Sirjan oder Heriz. Hier wird mit Naturfärbung gearbeitet, und die Manufaktur arbeitet mit lokalen Färbereien, deren Chargen nie ganz identisch sind.

Weniger Abrash zeigen die Top-Manufakturen, die mit großen Färbereien und langen Garnpartien arbeiten. Ein Seyrafian-Isfahan oder Habibian-Nain ist oft fast abrash-frei, weil die Manufaktur die Färbung präzise kontrolliert. Hier kann zu deutlicher Abrash auf weniger sorgfältige Arbeit hindeuten.

Neue kommerzielle Ware aus Pakistan oder Indien zeigt selten echten Abrash, weil Industriegarne verwendet werden. Wenn dort Abrash vorhanden ist, ist er meist gewollt eingebaut als Marketingmerkmal.

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