Kelim Maimene
Maimene-Kelims aus Nordafghanistan zeigen markante geometrische Muster in kräftigen, erdigen Rottönen.
- Region
- Afghanistan
- Kategorie
- Kelim
- Herstellung
- Handgewebt
- Knotendichte
- Flachgewebe (keine Knoten)
Steckbrief
- Herstellung
- Handgewebt
- Herkunft
- Afghanistan — Maimana, Provinz Faryab
- Flormaterial
- Wolle
- Knotendichte
- Flachgewebe (keine Knoten)
- Besonderheiten
- Geometrische Motive, kräftige Rottöne, turkmenisch-afghanische Tradition




Foto: Morgenland Teppiche
Der Maimene-Kelim ist ein flachgewebter, florloser Teppich aus dem Nordwesten Afghanistans und gehört zu den bekanntesten afghanischen Flachgeweben. Charakteristisch sind die kräftige Stammespalette aus tiefen Rot-, Braun- und Indigotönen, klare geometrische Rauten- und Oktagonmuster sowie die robuste Schafwolle der nordafghanischen Hochlandherden. Wer einen Kelim mit lebendiger Tribal-Optik und alltagstauglicher Webung sucht, landet schnell beim Bazar von Maimana.
Was ist ein Maimene-Kelim?
Ein Maimene-Kelim ist ein handgewebter Flachteppich ohne Flor und ohne Knoten. Das Muster entsteht ausschließlich durch farbige Schussfäden, die in dichter Leinwandbindung zwischen die Kettfäden gelegt werden und diese vollständig abdecken. Wo zwei Farbfelder senkrecht aneinanderstoßen, bleibt der charakteristische kleine Schlitz der Schlitzwirkerei. Das macht den Maimene auf beiden Seiten nahezu identisch und vollständig wendbar, wie alle echten Kelims.
Der Begriff Maimene ist eine Sammelbezeichnung für eine Familie afghanischer Stammeskelims, die auf dem Markt der Stadt Maimana (auch Maymana, Mimana) gehandelt werden. Geprägt sind sie von der nomadischen Lebensweise turkmenischer und usbekischer Weberinnen, die das Flachgewebe ursprünglich für den eigenen Haushalt fertigten: als Schlaf- und Sitzunterlage, Vorratsbeutel, Satteltasche und Wandbehang.
Herkunft: Faryab und der Bazar von Maimana
Maimana ist die Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Faryab und liegt rund 100 Kilometer südlich der turkmenischen Grenze, am Rand des Hindukusch. Die Provinz war Knotenpunkt der nördlichen Seidenstraße und Zentrum der Karakulschaf-Zucht. Turkmenische, usbekische und tadschikische Webtraditionen treffen hier zusammen und verbinden sich mit den Mustern der angrenzenden Regionen Turkmenistan und Pakistan.
Belegt ist die Kelim-Produktion in Faryab spätestens seit dem 19. Jahrhundert, als die Stadt zum Sammelpunkt nomadischer Stammesware wurde. Nach den Kriegsjahren des späten 20. Jahrhunderts kam sie zeitweise fast zum Erliegen. Seit den frühen 2000er-Jahren wird sie über Kooperativen in Mazar-i-Sharif und Maimana wiederbelebt und steht damit in der breiten Tradition der Nomadenteppiche Zentralasiens.
Typische Muster und Farben
Maimene-Kelims zeigen ein streng geometrisches Repertoire. Im Mittelfeld dominieren Rauten- und Oktagongitter, oft in versetzten Reihen, gerahmt von schmalen Bordüren mit Pfeilspitzen-, S- oder Hakenmotiven. Verbreitet sind außerdem horizontale Streifenbänder mit kleinen Rauten und stilisierten Tier- oder Pflanzenformen. Florale Rundungen fehlen fast vollständig, da die Schlitzwirkerei nur gerade und schräge Kanten zulässt.
Die Farbpalette ist tribal und erdig: tiefes Krapprot bestimmt häufig das Mittelfeld, ergänzt durch Indigo-Blau, Eichengallus-Braun, Naturweiß und Akzente in Safrangelb oder Granatapfelgrün. Ältere Stücke sind meist mit Naturfarben aus Krapp, Indigo und lokalen Pflanzen gefärbt, neuere Marktqualitäten teils mit Chromfarben. Den Unterschied beschreibt der Beitrag Naturfarben erkennen.
Material und Webtechnik
Maimene-Kelims werden traditionell vollständig aus Schurwolle gefertigt. Kette und musterbildender Schuss bestehen aus der robusten Hochlandwolle der Karakul- und Ghilzai-Schafe, fettreich, langfaserig und belastbar. Die Stränge werden mit der Handspindel versponnen und vor dem Weben gefärbt. Einfachere Qualitäten verwenden teils Baumwolle für die Kette, was den Kelim leichter ausfallen lässt.
Gewebt wird in klassischer Schlitzwirkerei: Auf einem Horizontalwebstuhl wird der farbige Schussfaden in seinem Farbfeld hin- und hergeführt, ohne die Nachbarfelder zu binden. Anders als beim geknüpften Teppich entsteht kein Flor und keine Knotendichte. Der Maimene besitzt weder Senneh- noch Ghiordes-Knoten, das ist kein Mangel, sondern das definierende Merkmal eines Flachgewebes. Den Gesamtablauf beschreibt die Seite Weben im Bereich Herstellung. Zu lange Schlitze an den Farbgrenzen werden durch Verzahnung der Schüsse (Dovetailing) vermieden oder mit der Nadel vernäht. Die Fransen sind die verlängerten Kettfäden, oft zu kleinen Bündeln geknotet.
Webdichte und Qualität
Die Schussdichte eines Maimene-Kelims ist mittel bis grob und spiegelt den Stamm- und Nutzcharakter wider. Typische Werte liegen zwischen 6 und 12 Schussfäden pro Zentimeter, feinere Werkstattqualitäten der letzten Jahrzehnte fallen auch dichter aus. Wichtiger als die reine Zahl sind Gleichmäßigkeit der Webung, gerader Schlag der Kanten und Festigkeit des Gewebes. Hochwertige Stücke fühlen sich kompakt und schwer an, lassen sich aber leicht falten.
Maßgeblich sind außerdem Wolle und Färbung. Eine Top-Wolle aus den Hochlandherden ist fettreich und langfaserig, behält über Jahrzehnte ihre Spannkraft und entwickelt mit der Zeit den lebendigen Schimmer, den Sammler an älteren Stücken schätzen. Natürlich gefärbte Wolle zeigt das typische Abrash, den feinen horizontalen Farbwechsel innerhalb desselben Tons. Ein perfekt gleichmäßiges Farbbild deutet eher auf eine spätere, industriell gefärbte Produktion hin.
Maimene im Vergleich mit anderen Stammeskelims
Der Maimene ist nur ein Mitglied einer großen Kelim-Familie. Die folgende Übersicht ordnet ihn neben den wichtigsten anderen Typen ein, mit denen er im Handel verglichen wird.
| Kelim-Typ | Region | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Kelim Maimene | Faryab, Nordafghanistan | Rauten- und Oktagongitter, kräftiges Rot und Indigo, robust |
| Kelim Afghan | West- und Nordafghanistan | erdige Großmuster, Streifenfelder, oft dunkler im Ton |
| Kelim Fars | Südpersien, Ghashghai-Stämme | lebendige Farbblöcke, Stammesmotive, oft heller |
| Kelim Senneh | West-Iran, kurdisch | feinste Webung, kurvige Boteh- und Herati-Muster |
| Kelim Seide | Iran, Türkei (Manufaktur) | Seidenkette und -schuss, hoher Glanz, sehr feine Details |
| Anatolischer Kelim (Türkei) | Anatolien | Mihrab- und Sternmotive, klare Felder, kontrastreiche Bordüren |
Wer den feinen, kurvigen Charakter eines Kelim Senneh erwartet, wird beim Maimene enttäuscht: Er gehört bewusst zur Tribal-Schule, sein Charme liegt in archaischer Klarheit. Vom verwandten Kelim Afghan unterscheidet er sich durch die lebendigere Farbgebung mit leuchtenden Rot- und Indigoflächen statt der dunkelerdigen Töne des südlicheren Afghan-Kelims.
Was ist ein Maimene-Kelim wert?
Den Preis eines Maimene-Kelims bestimmen Alter, Größe, Wollqualität, Färbung und Erhaltungszustand. Aktuelle Werkstattware aus den vergangenen 20 Jahren liegt meist im niedrigen bis mittleren Preissegment, vergleichbar mit anderen afghanischen Stammeskelims. Ältere Stücke aus der Zeit vor dem Krieg mit handgesponnener Wolle und reinen Naturfarben können ein Vielfaches kosten, besonders bei sattem Krapprot und seltenen Musterkombinationen.
Wertfaktoren sind das gleichmäßige Gewebe ohne Wellen, die Reinheit der Farben, der Zustand der Fransen und die Vollständigkeit der Bordüren. Reparierte Schlitze, gekürzte Enden oder grell nachgefärbte Stellen drücken den Wert. Eine Einordnung in den Gesamtmarkt bietet Was ist ein Teppich wert?, zu Händlerauswahl und Vertragsführung die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Maimene-Kelim?
Ein echter handgewebter Maimene zeigt mehrere zusammenhängende Merkmale. Einzelpunkte lassen sich imitieren, das Gesamtbild selten.
- Keine Knoten und kein Flor: Die Oberfläche ist flach. Anders als beim Perserteppich gibt es keinen samtigen Pol.
- Senkrechte Schlitze an Farbgrenzen: Das sicherste Echtheitszeichen der Schlitzwirkerei.
- Beidseitig nahezu identisches Muster: Der Kelim ist voll wendbar.
- Fransen als verlängerte Kettfäden: Nicht angenäht, sondern Teil des Gewebes.
- Geometrische Stammesmotive: Rauten, Oktagone, Hakenmotive und Streifenfelder in tiefem Rot, Indigo und Naturweiß. Florale Rundungen sind atypisch.
- Handgesponnene Wolle: Unregelmäßige Garnstärken, sichtbares Abrash und lebendiger Wollglanz.
- Leichte Unregelmäßigkeiten der Kanten: Zeichen handwerklicher Arbeit am einfachen Webstuhl, kein Mangel.
Maschinenkelims wirken dagegen unnatürlich gleichmäßig, haben oft eine Klebeschicht auf der Rückseite und zeigen keine echten Schlitze. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bieten Orientteppich erkennen und Ist mein Teppich echt?.
Pflege
Maimene-Kelims sind robust, aber dünner als geknüpfte Teppiche und reagieren empfindlicher auf Nässe. Im Alltag genügt Saugen mit reduzierter Saugleistung und ausgeschalteter Bürstwalze, am besten in Webrichtung. Kleine Flecken mit feuchtem Tuch und mildem pH-neutralem Reiniger abtupfen, niemals reiben. Größere Verschmutzungen oder Wasserschäden gehören in die Fachreinigung, weil das dünne Flachgewebe sonst durchnässt und sich verzieht.
Da der Kelim wendbar ist, ihn ein- bis zweimal jährlich drehen und wenden, um Abnutzung und Lichtbelastung gleichmäßig zu verteilen. Auf glatten Böden eine Antirutschunterlage verwenden. Detaillierte Routinen stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Maimene-Kelim und einem geknüpften Teppich?
Ein Maimene-Kelim ist ein Flachgewebe ohne Flor und ohne Knoten, das Muster entsteht in Schlitzwirkerei. Ein geknüpfter Teppich hat dagegen einen Pol aus Wollknoten, ist dicker und nur einseitig nutzbar. Der Maimene ist dünner, leichter und voll wendbar.
Hat ein Maimene-Kelim eine Knotendichte?
Nein. Ein Kelim hat keine Knoten, deshalb gibt es auch keine Knotendichte. Die Webdichte wird über die Schussfäden pro Zentimeter angegeben, beim Maimene zwischen 6 und 12. Wichtiger als die Zahl sind Gleichmäßigkeit, Festigkeit und Wollqualität.
Wie erkenne ich einen echten Maimene-Kelim?
Echte Stücke zeigen eine flache, florlose Oberfläche, senkrechte Schlitze an Farbgrenzen, beidseitig identisches Muster, geometrische Tribal-Motive und handgesponnene Wolle mit leichtem Abrash. Die Fransen sind verlängerte Kettfäden. Maschinenware wirkt unnatürlich gleichmäßig und hat oft eine Rückseitenbeschichtung.
Sind Maimene-Kelims für stark genutzte Räume geeignet?
Ja. Die robuste Hochlandwolle und die dichte Schlitzwirkerei machen sie für Wohnräume, Esszimmer und Flure geeignet. Da sie wendbar sind, lassen sich Abnutzung und Licht durch regelmäßiges Drehen gleichmäßig verteilen.
Was kostet ein Maimene-Kelim?
Neuere Werkstattqualitäten liegen meist im niedrigen bis mittleren Preissegment, deutlich günstiger als feinere Stadt-Kelims wie der Senneh. Ältere Stücke mit Naturfarben und handgesponnener Wolle können ein Vielfaches erzielen.
Wie pflege ich einen Maimene-Kelim richtig?
In Webrichtung saugen, mit reduzierter Saugkraft und ohne Bürstwalze. Flecken mit klarem Wasser oder mildem Reiniger abtupfen, nicht reiben. Wasserschäden in die Fachreinigung. Den Kelim ein- bis zweimal jährlich wenden, auf glatten Böden Antirutschunterlage verwenden.
Sind Maimene-Kelims aus reiner Wolle gefertigt?
Traditionell ja: Kette und Schuss aus Schurwolle der Hochlandherden. Einige einfachere Marktqualitäten verwenden Baumwolle für die Kette, was den Kelim leichter und glatter ausfallen lässt. Reine Wollqualitäten sind robuster.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Kelim Maimene-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.