Kelim Fars
Fars-Kelims werden von Qashqai- und Lori-Nomaden in Südiran gewebt und zeigen lebhafte Stammesmotive.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Kelim
- Herstellung
- Handgewebt
- Knotendichte
- Flachgewebe (keine Knoten)
Steckbrief
- Herstellung
- Handgewebt
- Herkunft
- Iran — Provinz Fars, Qashqai- und Lori-Nomaden
- Flormaterial
- Wolle
- Knotendichte
- Flachgewebe (keine Knoten)
- Besonderheiten
- Stammesmotive, lebhafte Farben, nomadische Tradition




Foto: Morgenland Teppiche
Ein Kelim Fars ist ein flachgewebter, florloser Teppich aus der südpersischen Provinz Fars, gewebt von den Qashqai- und Lori-Nomaden rund um Shiraz. Er gehört zu den ausdrucksstärksten Stammeskelims Persiens: kräftige geometrische Felder, warme Erdfarben und eine Bildsprache, die direkt aus dem Alltag der Hirtenvölker stammt. Anders als der geknüpfte Schiraz-Teppich aus derselben Region hat der Kelim Fars keinen Flor und ist beidseitig verwendbar.
Was ist ein Kelim-Fars?
Ein Kelim Fars ist ein gewebter Teppich ohne Knoten und ohne Flor. Sein Muster entsteht durch farbige Schussfäden, die im dichten Wechsel über und unter die Kettfäden geführt werden und die Kette vollständig abdecken. Es gibt keinen geknüpften Pol, daher bleibt die Oberfläche flach und auf beiden Seiten nahezu gleich gemustert. Der Kelim Fars zählt damit zur großen Familie der Kelim-Flachgewebe und zu den Nomadenteppichen, nicht zu den geknüpften Stadtteppichen.
Charakteristisch sind die kleinen senkrechten Schlitze an den Farbgrenzen, die der traditionellen Schlitzwirkerei ihren Namen geben. Sie sind kein Mangel, sondern entstehen technisch, weil jeder Farbschuss nur in seinem eigenen Feld läuft.
Herkunft
Kelim Fars stammt aus der Provinz Fars im Süden Irans, der historischen Kernlandschaft Persiens um die antike Residenz Persepolis und die heutige Provinzhauptstadt Shiraz. Die Region ist seit Jahrhunderten ein Zentrum nomadischer Textilkunst. Getragen wird sie von den Stämmen der Qashqai-Konföderation und den eng verwandten Lori, die mit ihren Herden zwischen den Sommerweiden des Zagros-Gebirges und den winterlichen Tieflagen ziehen.
Gewebt wurden Kelims hier zunächst aus praktischen Erwägungen, als leichte, faltbare Unterlage, Zeltboden, Satteltasche und Vorratssack, die sich gut auf dem Rücken der Tiere transportieren ließen. Die nomadische Lebensweise erklärt die geometrische Strenge der Muster ebenso wie das robuste, schussgesichtige Gewebe. Die verwandten geknüpften Stücke derselben Stämme firmieren als Ghashghai- und Schiraz-Teppiche.
Typische Muster und Farben
Kelim Fars zeigt eine stark stammesgeprägte, geometrische Bildsprache. Verbreitet sind durchgehende Rautengitter, gestaffelte Hakenbordüren, gezackte Sterne und stark stilisierte Tier- und Pflanzenmotive, darunter das in Fars beheimatete Boteh, das hier kantig und nicht floral ausfällt. Häufig gliedert ein zentrales Medaillon oder eine Reihe von Rautenmedaillons das Feld, ergänzt durch diagonale Streifen und kleinteilige Füllmotive.
Die Farbpalette ist warm und erdig. Rostrot und Terrakotta aus Krapp, tiefes Indigoblau, Braun- und Beigetöne aus naturbelassener Wolle bilden die Grundlage, akzentuiert durch Gelb oder Orange aus pflanzlichen Quellen. Die kräftigen Kontraste und der gelegentliche Abrash, der natürliche Farbwechsel durch unterschiedlich gefärbte Garnpartien, sind typisch für die handwerkliche Herkunft.
Material und Webtechnik
Kette und Schuss bestehen beim klassischen Kelim Fars aus Schurwolle lokaler Herden, robust gesponnen und für ihre Strapazierfähigkeit geschätzt. Es gibt keinen Flor, weil keine Wollknoten um die Kette gelegt werden. Stattdessen läuft der Schussfaden in Leinwandbindung abwechselnd über und unter den Kettfäden und deckt sie vollständig ab, sodass ein schussgesichtiges Gewebe entsteht. Die grundlegende Technik erklärt die Seite Weben.
Das Muster bildet sich, indem jeder Farbschuss nur in seinem Farbfeld hin- und hergeführt wird. An den senkrechten Farbgrenzen bleibt der typische Schlitz. Weil der schwere Wollpol fehlt, ist der Kelim Fars deutlich leichter als ein geknüpfter Teppich, faltbar und vollständig wendbar. Die Schmalseiten enden in Fransen, die die verlängerten Kettfäden sind, die Längskanten werden zur Verstärkung umwickelt.
Webdichte und Qualität
Die Feinheit eines Kelim Fars beschreibt man nicht über eine Knotenzahl, sondern über die Schussdichte, also die Zahl der eingeschlagenen Schussfäden pro Zentimeter, sowie über Garnfeinheit und Gleichmäßigkeit. Kelim Fars liegt traditionell im mittelfeinen bis groben Bereich, was den robusten Gebrauchscharakter unterstreicht. Je dichter der Schuss eingeschlagen ist, desto klarer zeichnen sich Kanten und Motive ab und desto stabiler liegt das Gewebe.
Über die Webdichte hinaus entscheiden Wollqualität, Spinnung und Färbung über den Rang. Handgesponnene Wolle mit natürlichem Lanolinanteil, satte Naturfarben und ein gleichmäßig fester Schuss kennzeichnen ein gutes Stück. Leichte Unregelmäßigkeiten in Kante und Format gelten beim nomadischen Kelim nicht als Fehler, sondern als Beleg echter Handarbeit am einfachen Webstuhl.
Persische und afghanische Kelims im Vergleich
| Typ | Herkunft | Webdichte | Typische Merkmale |
|---|---|---|---|
| Kelim Fars | Südiran, Qashqai und Lori | mittelfein bis grob | kräftige Stammesmotive, warme Erdtöne |
| Kelim Senneh | Sanandaj, Westiran (kurdisch) | sehr fein, extrem dicht | Boteh- und Herati-Muster, präziser Schlitzwirk |
| Kelim Afghan | Nordafghanistan | mittel bis grob | Streifen und Rauten, tiefe Rottöne |
| Kelim Maimene | Faryab, Nordafghanistan | mittel bis grob | turkmenische Guls, lebendige Rot- und Blautöne |
| Kelim Seide | Hereke, Kashan, Kaschmir | feinste Struktur | Seidenschuss, hoher Glanz, dekorative Stücke |
Was ist ein Kelim-Fars wert?
Der Wert eines Kelim Fars hängt von Alter, Zustand, Größe, Webdichte, Musterklarheit, Wollqualität und der Reinheit der Naturfarben ab. Junge, kommerziell gewebte Schafwollkelims sind erschwinglich und werden vor allem als robuste Gebrauchsstücke gekauft. Ältere Stammeskelims mit handgesponnener Wolle, satten Pflanzenfarben und lebendigem Abrash erzielen deutlich höhere Preise und sind bei Sammlern gesucht. Innerhalb der Kelim-Familie liegt der feine Senneh-Kelim im Wert über dem groben Fars, an der Spitze stehen reine Seidenkelims.
Warum echte Handarbeit ihren Preis hat, erklärt Warum echte Teppiche teuer sind, den Einfluss der Farbstoffe der Beitrag Naturfarben gegen Chemiefarben. Vor dem Kauf lohnt der Blick in die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Kelim-Fars?
Typische Hinweise auf einen echten Kelim Fars sind:
- Schlitze an den Farbgrenzen: Kleine senkrechte Öffnungen, wo zwei Farbfelder aneinanderstoßen, belegen die echte Schlitzwirkerei.
- Beidseitig gleiches Muster: Vorder- und Rückseite sehen nahezu identisch aus, das Stück ist voll wendbar.
- Kein Flor: Die Oberfläche ist flach und glatt, es gibt keinen samtigen Pol und keine Knotenreihen.
- Warme Stammesfarben: Rostrot, Indigo und naturbelassene Wolltöne mit geometrischen Rauten- und Hakenmustern.
- Handgesponnene Wolle und Abrash: Leicht wellige Kanten und der natürliche Abrash sprechen für ein authentisches nomadisches Stück.
Maschinengewebte Imitationen wirken dagegen perfekt gleichmäßig und zeigen auf der Rückseite oft Klebeschichten oder durchlaufende Fäden. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt? im Bereich Orientteppich erkennen.
Pflege
Kelim Fars ist als Wollgewebe robust und leichter zu handhaben als ein geknüpfter Teppich, nimmt aber Nässe rascher auf, weil die Struktur flach ist. Im Alltag genügt vorsichtiges Saugen mit reduzierter Saugkraft und ausgeschalteter Bürstwalze; kleinere Stücke lassen sich einfach ausschütteln. Flecken sofort mit klarem Wasser und mildem Mittel abtupfen, ohne zu reiben. Größere Verschmutzungen gehören in die professionelle Reinigung. Wenden Sie den Kelim regelmäßig, um die Abnutzung auf beide Seiten zu verteilen. Auf glatten Böden empfiehlt sich eine Antirutschunterlage. Die vollständigen Routinen stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Kelim Fars und einem geknüpften Teppich?
Ein geknüpfter Teppich, etwa ein Schiraz aus derselben Region, hat einen Flor aus einzelnen Wollknoten und ist nur einseitig nutzbar. Ein Kelim Fars hat keinen Flor und keine Knoten, sondern entsteht durch verwebte Schussfäden. Er ist dünner, leichter und auf beiden Seiten gleich gemustert.
Wie unterscheidet sich ein Kelim Fars von anderen persischen Kelims?
Kelim Fars zeigt die warmen Erdfarben und kantigen Stammesmotive der Qashqai und Lori aus Südiran. Er ist meist gröber gewebt als der feine Kelim Senneh aus dem kurdischen Westiran, dessen Muster kleinteiliger und dessen Schussdichte deutlich höher ist.
Wer webt den Kelim Fars?
Ist ein Kelim Fars für den täglichen Gebrauch geeignet?
Ja. Die dichte Wollwebung und die robuste Schafwolle machen Kelim Fars sehr strapazierfähig. Er wurde ursprünglich für das harte nomadische Alltagsleben gewebt und eignet sich gut für Flur, Küche und andere stark genutzte Bereiche.
Sind die Schlitze im Kelim Fars ein Mangel?
Nein. Die senkrechten Schlitze entstehen durch die Schlitzwirkerei, bei der jeder Farbschuss nur in seinem Feld läuft. Sie sind ein konstruktives Merkmal und ein Echtheitszeichen, kein Defekt.
Wie pflege ich einen Kelim Fars richtig?
Vorsichtig mit reduzierter Saugkraft und ausgeschalteter Bürstwalze saugen oder ausschütteln. Flecken sofort mit klarem Wasser und mildem Mittel abtupfen, nicht reiben. Größere Verschmutzungen professionell reinigen lassen und das Stück regelmäßig wenden, um die Abnutzung gleichmäßig zu verteilen.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Kelim Fars-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.
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Kelim Senneh
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Ghashghai
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