Farahan
Farahan-Teppiche aus der historischen Knüpfregion zwischen Arak und Hamadan sind bekannt für feine Herati-Muster.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 120.000 – 300.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Iran — Region Farahan, Provinz Markazi
- Flormaterial
- Wolle auf Baumwolle
- Knotendichte
- 120.000 – 300.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Herati-Muster, gedeckte Farben, historische Tradition




Foto: Morgenland Teppiche
Farahan-Teppiche sind handgeknüpfte Perserteppiche aus der gleichnamigen Region südwestlich von Teheran, im Umland der Stadt Arak in der Provinz Markazi. Sie zählen zu den klassischen Antikteppichen Persiens und sind vor allem für ihr fein gezeichnetes Herati-Muster, ihre gedämpfte Palette und die kurz geschorene, seidig wirkende Oberfläche bekannt. Echte alte Farahan-Teppiche aus dem 19. Jahrhundert gelten heute als gesuchte Sammlerstücke.
Was ist ein Farahan-Teppich?
Ein Farahan ist ein handgeknüpfter Teppich aus der Farahan-Ebene und den umliegenden Dörfern nördlich und nordwestlich von Arak. Der Flor besteht aus feiner Wolle, häufig der weichen Korkwolle, Kette und Schuss aus Baumwolle. Geknüpft wird mit dem asymmetrischen persischen Knoten, auch Senneh-Knoten genannt, der die präzise Wiedergabe des charakteristischen Herati-Musters erlaubt. Im Handel meint der Begriff Farahan in erster Linie die antiken und halbantiken Stücke aus der Blütezeit des 19. Jahrhunderts; moderne Ware im Farahan-Stil stammt meist aus anderen Regionen.
Herkunft
Die Farahan-Ebene liegt südwestlich von Teheran rund um die Stadt Arak (früher Sultanabad) in der heutigen Provinz Markazi. Vom 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert war dies eines der wichtigsten Zentren der persischen Teppichproduktion. Viele der heute als Farahan bezeichneten Teppiche wurden tatsächlich in umliegenden Dörfern wie Mushkabad und weiteren Ortschaften der Region geknüpft und über Arak gehandelt.
Die Blütezeit fiel mit der Entdeckung der Region durch europäische Händler zusammen. Ab den 1880er Jahren ließen sich westliche Handelshäuser in Sultanabad nieder und organisierten die Produktion für den Export. Aus derselben Gegend stammen verwandte Provenienzen wie Sarough, Mahal, Lilian und Mir, die das Bild der Arak-Region prägen. In dieser Phase entstanden die feinen Farahan-Teppiche, die den Ruf des Stils begründeten. Im frühen 20. Jahrhundert ging die ursprüngliche Produktion stark zurück, weshalb echte alte Farahan-Teppiche heute selten sind. Die gesamte Tradition gehört zur großen Familie der persischen Teppiche.
Typische Merkmale
Das Markenzeichen des Farahan ist das durchgehende Herati-Muster: ein sich wiederholendes Feld aus kleinen Rosetten und Palmetten, die von gebogenen, fischähnlichen Blättern umrahmt werden. Aus dieser Anordnung leitet sich die im deutschen Handel verbreitete Bezeichnung Fischgrätmuster ab. Manche Stücke zeigen zusätzlich ein zentrales rautenförmiges Medaillon, viele sind jedoch reine Allover-Kompositionen ohne Medaillon.
Charakteristisch sind die feinen Konturen und die disziplinierte, gleichmäßige Wiederholung der Motive. Die Bordüren bestehen häufig aus mehreren schmalen Streifen mit klassischen persischen Motiven, darunter die sogenannte Schildkrötenbordüre. Die kurz geschorene Oberfläche lässt die Zeichnung besonders scharf hervortreten.
Muster und Farben
Die Palette der Farahan-Teppiche ist gedämpft und harmonisch. Es dominieren tiefes Indigoblau und gedecktes Rot, ergänzt durch Elfenbein, Beige und das für die Region berühmte gelbgrüne Pistazienton, das in alten Stücken besonders geschätzt wird. Diese ruhige Abstimmung verleiht dem Farahan eine vornehme, zurückhaltende Wirkung.
Alte Farahan-Teppiche wurden ausschließlich mit Naturfarben gefärbt, was ihnen über die Jahrzehnte eine charakteristische Patina verleiht. Der Unterschied zwischen pflanzlicher und chemischer Färbung und seine Bedeutung für den Wert wird unter Naturfarben oder Chemiefarben behandelt.
Material und Knüpftechnik
Kette und Schuss bestehen traditionell aus Baumwolle, der Flor aus hochwertiger, weicher Wolle, oft der feinen Korkwolle. Diese Materialkombination verleiht den Teppichen ihre Stabilität bei gleichzeitig feiner Zeichnung. Geknüpft wird mit dem asymmetrischen persischen Knoten (Senneh-Knoten), der eine besonders präzise Darstellung des dichten Herati-Musters ermöglicht. Eine Übersicht der Knüpfweisen gibt der Beitrag zu den Knotenarten.
Der Flor wird kurz geschoren, was die Klarheit der Zeichnung betont und der Oberfläche einen leichten, seidigen Glanz verleiht. Wie ein handgeknüpfter Teppich grundsätzlich entsteht, beschreibt die Übersicht zur Herstellung.
Knotendichte und Qualität
Die Knotendichte eines Farahan liegt meist zwischen 160.000 und 400.000 Knoten pro Quadratmeter, wobei besonders feine alte Exemplare durchaus darüber liegen können. Die hohe Dichte in Verbindung mit dem kurzen Flor erklärt, warum sich das filigrane Herati-Muster so sauber wiedergeben lässt. Wie sich die Knotendichte auf Qualität, Musterschärfe und Preis auswirkt, behandelt der eigene Artikel.
Bei Farahan-Teppichen zählen für die Qualitätsbeurteilung neben der Knotendichte vor allem das Alter, die Naturfärbung, die Feinheit der Wolle und der Erhaltungszustand von Flor und Kanten. Da der Markt von Antikstücken bestimmt wird, hat der Zustand hier ein besonders hohes Gewicht.
| Variante / Stück | Zeitstellung | Knoten / Material | Charakter |
|---|---|---|---|
| Antiker Farahan | vor 1900 | dicht, Korkwolle, Naturfarben | Sammlerstück, feines Herati, Patina |
| Halbantiker Farahan | um 1900 bis 1930 | mittel bis fein | gereift, gefragte Gebrauchsklassiker |
| Farahan-Sarough | spätes 19. Jh. | dicht, kräftiges Rot | medaillonbetont, robuster Charakter |
| Moderner Farahan-Stil | ab 20. Jh. | variabel | Nachbildung, oft aus anderen Regionen |
| Indo-Sarough | modern | mittel, indische Fertigung | Herati-Adaption für den Export |
Was ist ein Farahan-Teppich wert?
Der Wert eines Farahan hängt stark von Alter, Echtheit, Zustand, Größe, Feinheit und Färbung ab. Echte antike Farahan-Teppiche aus dem 19. Jahrhundert gehören zu den gesuchten Sammlerstücken und können erheblich höher liegen als moderne Ware im Farahan-Stil. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem originalen alten Stück und einer späteren Nachbildung aus einer anderen Region oder aus indischer Produktion.
Im Handel werden gut erhaltene Antikstücke mit klarer Provenienz, Naturfarben und feinem Herati-Muster besonders geschätzt. Ähnliche regionale Klassiker wie Mahal oder Mir helfen bei der vergleichenden Einordnung. Für eine fundierte Bewertung lohnt der Blick auf Wertvolle Perserteppiche erkennen, die Übersicht Alte Teppiche werden wertvoller, die allgemeine Wertübersicht und die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Farahan-Teppich?
Typische Hinweise auf einen echten Farahan sind:
- Durchgehendes Herati-Muster: feines, gleichmäßig wiederholtes Feld aus Rosetten, Palmetten und fischähnlichen Blättern.
- Asymmetrischer persischer Knoten: Farahan verwendet den Senneh-Knoten, passend zur zentralpersischen Tradition.
- Kurz geschorener Flor: niedrige Florhöhe, die die Zeichnung scharf hervortreten lässt.
- Gedämpfte Palette: Indigoblau, gedecktes Rot, Elfenbein und der typische Pistazienton.
- Naturfarben mit Patina: bei alten Stücken weiche, gereifte Farben statt greller Töne.
- Handgeknüpfte Rückseite mit Baumwollgrund: klar ablesbares Muster, Fransen als verlängerte Kettfäden.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Prüfung gibt Ist mein Teppich echt?, eine allgemeine Hilfe zur Einordnung der Ratgeber zum Erkennen.
Pflege
Regelmäßiges Saugen in Florrichtung und gelegentliche professionelle Reinigung erhalten die Qualität eines Farahan. Flecken sollten sofort mit klarem Wasser aufgenommen werden, ohne zu reiben. Bei antiken Exemplaren ist besondere Vorsicht geboten: Solche Stücke sollten nur von erfahrenen Fachbetrieben gereinigt und repariert werden, um Flor und Kanten zu schonen. Lange direkte Sonneneinstrahlung lässt die Farben verblassen. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen echten Farahan-Teppich?
Ein echter Farahan zeigt das durchgehende Herati-Muster aus feinen Rosetten und fischähnlichen Blättern, einen kurz geschorenen Flor und eine gedämpfte Palette aus Indigoblau, Rot und Elfenbein. Antike Stücke sind mit Naturfarben gefärbt, handgeknüpft mit dem persischen Knoten und zeigen eine gereifte Patina.
Was kostet ein Farahan-Teppich?
Der Preis hängt vor allem von Alter, Echtheit und Zustand ab. Echte antike Farahan-Teppiche aus dem 19. Jahrhundert sind gesuchte Sammlerstücke und liegen deutlich über modernen Nachbildungen. Späte Adaptionen aus anderen Regionen oder aus indischer Produktion sind erschwinglicher.
Was ist der Unterschied zwischen Farahan und Sarough?
Beide stammen aus der Arak-Region, unterscheiden sich aber im Muster. Sarough-Teppiche zeigen meist ein zentrales Medaillon mit floralem Allover und kräftigem Rot, während der Farahan das durchgehende Herati-Muster in gedämpfter Palette aufweist. Der historische Farahan-Sarough verbindet beide Merkmale.
Was bedeutet das Herati-Muster bei einem Farahan?
Das Herati-Muster ist ein durchgehendes, sich wiederholendes Feld aus kleinen Rosetten und Palmetten, die von gebogenen Blättern umrahmt werden. Im deutschen Handel wird es wegen der Blattform auch Fischgrätmuster genannt. Es ist das zentrale Erkennungsmerkmal des Farahan.
Sind moderne Farahan-Teppiche noch erhältlich?
Neue Teppiche im Farahan-Stil werden heute vor allem in anderen Regionen Persiens oder als Indo-Sarough in Indien gefertigt. Sie orientieren sich am klassischen Herati-Muster, erreichen aber selten die Feinheit und Patina der historischen Originale aus der Arak-Region.
Warum sind antike Farahan-Teppiche so gesucht?
Die ursprüngliche Produktion ging im frühen 20. Jahrhundert stark zurück, weshalb echte alte Farahan-Teppiche selten sind. In Verbindung mit dem feinen Herati-Muster, der Naturfärbung und der gereiften Patina macht sie das zu begehrten Sammlerstücken.
Wie pflege ich einen Farahan-Teppich richtig?
Regelmäßig in Florrichtung saugen und Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, ohne zu reiben. Antike Stücke sollten ausschließlich von erfahrenen Fachbetrieben gereinigt und repariert werden. Lange direkte Sonne meiden, damit die Naturfarben nicht verblassen.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Farahan-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.


