Ghom
Ghom-Teppiche gehören zu den feinsten persischen Teppichen und werden häufig aus reiner Seide gefertigt.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 300.000 – 1.000.000+ Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Iran — Stadt Ghom (Qom)
- Flormaterial
- Seide auf Seide oder Wolle auf Baumwolle
- Knotendichte
- 300.000 – 1.000.000+ Knoten/m²
- Besonderheiten
- Höchste Feinheit, oft reine Seide, florale und figurale Muster




Foto: Morgenland Teppiche
Ghom-Teppiche sind feinste handgeknüpfte Perserteppiche aus der iranischen Stadt Qom und stehen vor allem für hochwertige Seidenteppiche. Obwohl die Produktion erst in den 1930er Jahren begann, zählen reine Seiden-Ghom heute zu den wertvollsten Knüpfarbeiten der Welt. Kennzeichnend sind die außergewöhnlich feine Knüpfung, die detailreichen floralen und figürlichen Muster und der intensive Glanz der verwendeten Seide.
Was ist ein Ghom-Teppich?
Ein Ghom ist ein handgeknüpfter Teppich aus der Stadt Qom (auch Ghom oder Qum geschrieben) südlich von Teheran. Geknüpft wird er mit dem asymmetrischen persischen Knoten, bei den feinsten Stücken vollständig aus Seide für Kette und Flor. Es gibt auch Varianten mit Baumwollkette und Seidenflor sowie reine Wollteppiche. Die Knotendichte liegt meist zwischen 400.000 und über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter, was die sehr feine, fast malerische Musterzeichnung ermöglicht.
Herkunft: Stadt Qom südlich von Teheran
Qom liegt rund 150 Kilometer südlich von Teheran und ist einer der bedeutendsten schiitischen Wallfahrtsorte des Iran. Die Teppichproduktion begann hier erst in den 1930er Jahren und ist damit, verglichen mit alten Zentren wie Tabriz oder Kaschan, sehr jung. Etabliert wurde sie von Knüpfern aus anderen traditionellen Zentren, die ihr Können nach Qom brachten, unter anderem aus Kaschmar und Isfahan. Auch das berühmte Medaillon- und Rankenrepertoire von Keschan, das mit Meisterknüpfern wie Mohtesham verbunden ist, wirkte auf die Formensprache der Stadt.
Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich Qom zu einem der wichtigsten Zentren für feine Seidenteppiche. Da die Stadt keine eigene jahrhundertealte Knüpftradition hatte, konnte sie sich von Anfang an auf das obere Qualitätssegment ausrichten. Heute produziert Qom sowohl klassische als auch moderne Designs, und reine Seiden-Ghom gehören zu den teuersten persischen Teppichen überhaupt. Sie gelten als Statussymbole und werden häufig als Sammler- und Anlageobjekte betrachtet.
Typische Merkmale
Ghom-Teppiche zeichnen sich durch ihre außergewöhnlich feine Knüpfung und detailreiche Musterung aus. Das Repertoire ist breit und reicht von geometrischen über florale bis zu figürlichen und Bildmotiven. Verbreitet ist das zentrale Medaillon auf einem ruhigen, oft einfarbigen Grund, daneben stehen Jagd-, Garten- und Vasenmuster sowie Allover-Kompositionen aus kleinen Bildfeldern. Der Flor ist meist kurz geschoren, was die Präzision der Zeichnung betont. Besonders charakteristisch sind die seidigen Glanzeffekte, die je nach Lichteinfall changieren und einem Seiden-Ghom seine lebendige Tiefe geben.
Muster und Farben
Die Farbpalette eines Ghom ist meist reich und fein abgestuft. Häufig treten tiefes Rot, Blau, Beige und Elfenbein auf, bei Seidenstücken auch zarte Pastelltöne, die das Material besonders zur Geltung bringen. Der Glanz der Seide lässt dieselbe Farbe je nach Blickwinkel heller oder dunkler erscheinen, ein Effekt, der bei reinen Seidenteppichen besonders ausgeprägt ist. Diese optische Tiefe unterscheidet den Ghom von wollenen Provenienzen und macht ihn auch als Wandbehang beliebt.
Material und Knüpftechnik
Die bekanntesten Ghom-Teppiche werden vollständig aus Seide gefertigt, sowohl für die Kette als auch für den Flor. Verwendet wird meist Maulbeerseide, die dem Teppich seinen unverwechselbaren Glanz verleiht. Daneben gibt es Varianten mit Baumwollkette und Seidenflor sowie reine Wollteppiche aus Schurwolle. Die Faserkunde behandelt der Bereich Materialien, die Seide im Besonderen die Seite Seide.
Die Knüpfung erfolgt mit dem asymmetrischen Senneh-Knoten, dem persischen Knoten. Er erlaubt die feine, fast malerische Musterauflösung, für die Ghom berühmt ist, und ist die Voraussetzung für die sehr hohen Knotendichten reiner Seidenstücke. Den vollständigen Ablauf der Fertigung beschreibt der Bereich Herstellung.
Knotendichte und Qualität
Die Knotendichte gehört zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines Ghom. Sie reicht von etwa 400.000 Knoten pro Quadratmeter bei guten Qualitäten bis weit über 1.000.000 Knoten bei feinsten Seidenstücken. Je feiner die Knüpfung, desto detaillierter lassen sich Muster und Schattierungen ausarbeiten und desto höher ist der Arbeitsaufwand. Anders als Tabriz mit dem Raj-System oder Nain mit den La-Stufen wird die Feinheit eines Ghom meist als reine Knotenzahl angegeben. Was diese Zahl konkret aussagt, erklärt der Aufsatz Knotendichte erklärt.
| Qualität | Material | Knoten/m² (ca.) | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Wolle | Wolle auf Baumwolle | 300.000 bis 500.000 | robuster Gebrauchsteppich, klare Muster |
| Wolle-Seide | Wolle mit Seidenakzenten | 400.000 bis 600.000 | seidiger Schimmer in Konturen und Details |
| Seide auf Baumwolle | Seidenflor, Baumwollkette | 500.000 bis 800.000 | feine Zeichnung, hoher Glanz |
| Seiden-Ghom | reine Seide | 800.000 bis über 1.000.000 | feinst, Sammlerqualität, oft signiert |
| Indo-Ghom | Wolle oder Seide | 150.000 bis 400.000 | persisches Muster, in Indien geknüpft |
Was ist ein Ghom-Teppich wert?
Ghom-Teppiche, vor allem reine Seidenstücke, gehören zu den wertvollsten Perserteppichen am Markt. Der Preis hängt von Material, Knotendichte, Größe, Alter, Erhaltungszustand und einer möglichen Signatur ab. Reine Seiden-Ghom mit sehr hoher Knotendichte erzielen ein Vielfaches einfacher Wollqualitäten, und ein einzelner feiner Teppich kann mehrere Jahre in der Herstellung beanspruchen. Signierte Stücke gelten als gesuchte Sammler- und Wertobjekte.
Ob ein Ghom eine Wertanlage darstellt, hängt von Seltenheit, Material und Zustand ab, eine Garantie für Wertsteigerung gibt es nicht. Für die Einordnung helfen Wertvolle Perserteppiche erkennen und die allgemeine Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Ghom-Teppich?
Typische Hinweise auf einen echten Ghom sind:
- Sehr feine, präzise Rückseite: Das Muster zeichnet sich auch von hinten scharf ab, einzelne Knoten sind bei Seidenstücken extrem klein.
- Asymmetrischer Senneh-Knoten: Ghom wird mit dem persischen Knoten geknüpft, der die feine Musterauflösung ermöglicht.
- Changierender Seidenglanz: Bei reinen Seidenstücken wechselt die Farbe je nach Blickwinkel, ein Echtheitshinweis gegenüber glanzlosem Kunstfasergarn.
- Signatur des Knüpfers: Viele hochwertige Ghom tragen eine eingewebte Signatur.
- Charakteristische Farbkombinationen mit fein abgestuften Tönen und detailreichem Muster.
- Seidenfransen bei reinen Seidenstücken: Die Fransen sind die verlängerten Kettfäden und bestehen aus Seide.
Abzugrenzen ist der Ghom von Indo-Ghom, also in Indien nach persischem Vorbild geknüpften Teppichen, sowie von maschinell gefertigter Kunstseidenware, die den Glanz nachahmt, aber keine echte Seide ist. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen.
Pflege
Seidenteppiche aus Ghom benötigen besonders schonende Pflege. Sie sollten vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und ausschließlich von Fachleuten gereinigt werden. Für die tägliche Pflege genügt vorsichtiges, regelmäßiges Absaugen, am besten mit reduzierter Saugkraft und ohne rotierende Bürste. Flecken auf Seide nicht selbst behandeln, sondern umgehend einen Fachbetrieb hinzuziehen. Wollene Ghom sind etwas robuster, profitieren aber ebenfalls von schonender Behandlung. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Warum sind Ghom-Teppiche so teuer?
Die hohen Preise ergeben sich aus der aufwendigen Handarbeit, der sehr hohen Knotendichte und der Verwendung hochwertiger Seide. Ein einzelner feiner Seiden-Ghom kann mehrere Jahre in der Herstellung beanspruchen, was sich im Wert niederschlägt.
Was kostet ein Ghom-Teppich?
Der Preis richtet sich nach Material, Knotendichte, Größe, Alter und Zustand. Wollene Ghom liegen im Rahmen guter Perserteppiche, reine Seidenstücke mit hoher Dichte sind um ein Vielfaches teurer, signierte Sammlerstücke noch deutlich darüber.
Wie erkenne ich einen echten Ghom?
An der sehr feinen, präzisen Rückseite, dem asymmetrischen Senneh-Knoten und, bei Seidenstücken, am changierenden Glanz, der mit dem Blickwinkel wechselt. Viele Ghom tragen eine eingewebte Signatur des Knüpfers.
Sind alle Ghom-Teppiche aus Seide?
Nein. Seidenteppiche aus Ghom sind am bekanntesten und wertvollsten, es gibt aber auch Varianten aus Wolle sowie Mischungen aus Wolle und Seide. Reine Wollqualitäten sind robuster und günstiger als die feinen Seidenstücke.
Was ist der Unterschied zwischen Ghom und einem indischen Ghom?
Ein echter Ghom stammt aus dem Iran und wird, in der Spitze, aus reiner Maulbeerseide geknüpft. Indo-Ghom-Teppiche werden in Indien nach persischem Vorbild gefertigt, sind günstiger und erreichen meist nicht die Feinheit und Materialqualität der Originale.
Worin unterscheidet sich Ghom von Ghom-Seide?
Im Handel meint Ghom die gesamte Provenienz, während Ghom-Seide ausdrücklich die reinen Seidenteppiche bezeichnet. Diese sind feiner, glänzender und teurer als die wollenen oder seidengemischten Stücke aus derselben Stadt.
Wie pflege ich einen Ghom-Teppich richtig?
Vor direkter Sonne schützen und nur von Fachleuten reinigen lassen. Für die tägliche Pflege genügt vorsichtiges Absaugen ohne rotierende Bürste. Flecken auf Seide nicht selbst behandeln, sondern sofort einen Fachbetrieb einschalten.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Ghom-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.
Meisterknüpfer
Diese Meister und Manufakturen haben die Ghom-Tradition geprägt.