Keschan · 19. Jahrhundert
Mohtesham-Keschans aus dem späten 19. Jahrhundert gehören zu den feinsten persischen Teppichen überhaupt und sind in Auktionen hoch begehrt.

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Mohtesham (auch „Mohtasham" oder „Motasham" geschrieben) war ein Meisterknüpfer und Werkstattbetreiber in Keschan (Kashan) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, etwa 1850 bis 1900. Sein Name steht bis heute für die höchste Qualitätsstufe antiker Keschan-Teppiche: Sammler und Auktionshäuser sprechen schlicht von einem „Mohtesham-Keschan" als Gütesiegel.
Mohtesham-Teppiche sind sofort erkennbar an einer spezifischen Farbpalette: tiefer, pflaumenfarbener Weinrot (gewonnen aus Laccifer-Schildläusen, dem sogenannten Lac-Farbstoff), kombiniert mit gebrochenen Indigoblautönen, reinem Elfenbein und gedecktem Ocker. Die Farbtiefe dieser Teppiche ist unverwechselbar — durch die natürliche Alterung der PflanzenfarbenPflanzenfarbenNatürliche Farbstoffe aus Pflanzen wie Krapp (rot), Indigo (blau), Reseda (gelb) oder Walnussschale (braun). Erzeugen lebendige, mit der Zeit sanft verblassende Töne.Im Glossar lesen → entstehen sanfte AbrashAbrashNatürliche Farbabweichungen innerhalb einer Teppichfläche, die durch unterschiedliche Färbechargen oder Wollsorten entstehen. Bei handgeknüpften Teppichen ein Qualitätsmerkmal.Im Glossar lesen →-Effekte, die heutigen Reproduktionen fehlen.
Das verwendete Material ist extrem feine Korkwolle vom Hals junger Schafe, oft auf einer Baumwoll- oder sogar Seidenkette. Die KnotendichteKnotendichteAnzahl der Knoten pro Quadratmeter. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal — höhere Dichte ermöglicht feinere Muster und deutet auf aufwendigere Handarbeit hin.Im Glossar lesen → erreicht 400.000 bis 800.000 Knoten pro Quadratmeter.
Mohtesham knüpfte überwiegend klassische MedaillonMedaillonZentrales Motiv im Teppichfeld, meist oval oder rautenförmig. Eines der häufigsten Designelemente in persischen Teppichen.Im Glossar lesen →-Teppiche mit floraler BordüreBordüreUmlaufender Rahmen eines Teppichs, meist aus mehreren parallelen Streifen mit unterschiedlichen Mustern, der das Mittelfeld einfasst.Im Glossar lesen →, oft mit den aus Safawiden-Manuskripten übernommenen Shah-Abbas-Palmetten und HeratiHeratiKlassisches Muster aus einem Rautenrahmen mit zentraler Rosette und vier gebogenen Blättern (Fisch-Motiv). Sehr verbreitet in persischen Dorfteppichen.Im Glossar lesen →-Feldern. Eine Untergruppe sind figurale „pictorial Keschans" mit biblischen, mythologischen oder höfischen Szenen — etwa der abgebildete Teppich mit einer Darstellung Josefs bei seinen Brüdern. Solche Bildteppiche waren Auftragsarbeiten für persische, europäische und amerikanische Kunden der damaligen Zeit.
Signierte Mohtesham-Keschans befinden sich in allen großen Orient-Teppich-Sammlungen, darunter dem Metropolitan Museum, dem Victoria & Albert Museum und dem Museum für Angewandte Kunst Wien. Auf Auktionen bei Christie's und Sotheby's gehören sie zu den regelmäßig fünf- bis sechsstellig gehandelten Stücken; außergewöhnliche Bildteppiche haben bereits siebenstellige Preise erzielt.
Nach 1900 ging die Werkstatttradition Mohteshams verloren, seine spezifische Farbqualität wurde nie wieder erreicht. Moderne Keschan-Teppiche übernehmen die Muster und nennen sich teilweise selbst „Kashan Mohtesham"-Qualität, doch Sammler unterscheiden streng zwischen einem originalen Mohtesham aus dem 19. Jahrhundert und einer späteren Adaption.
Zugehöriger Stil
Keschan-Teppiche zählen zu den Klassikern unter den Perserteppichen und sind für ihre eleganten Medaillon-Designs bekannt.