Keschan · 19. Jahrhundert
Mohtesham-Keschans aus dem späten 19. Jahrhundert gehören zu den feinsten persischen Teppichen überhaupt und sind in Auktionen hoch begehrt.
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Mohtesham, auch „Mohtasham“ oder „Motasham“ geschrieben, war Meisterknüpfer und Werkstattbetreiber in Keschan (Kashan) und arbeitete nach der Handelsliteratur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, etwa zwischen 1850 und 1900. Dieselbe Literatur führt ihn mit vollem Namen als Hadji Mollah Mohammed Hassan Mohtasham, nennt ihre Quellen aber nicht: als Zuschreibung im Handel ist der Name belastbar, als dokumentierte Biografie nicht. Er steht bis heute für die Referenzqualität antiker Keschan-Teppiche, und Sammler wie Auktionshäuser sprechen vom „Mohtesham-Keschan“ als Gütesiegel.
Ein Mohtesham-Keschan lebt von einem tiefen, ins Pflaumenfarbene gehenden Weinrot, das aus dem Lac-Farbstoff der Schildlaus gewonnen wurde, dazu von gebrochenem Indigoblau, reinem Elfenbein und gedecktem Ocker. Das Lac-Rot altert warm und leicht ungleichmäßig; diese Bahnen unterschiedlicher Sättigung, im Handel Abrash genannt, fehlen heutigen Reproduktionen mit durchgehend gleichem Grundton.
Das Material ist sehr feine Korkwolle vom Hals junger Schafe auf einer Kette aus Baumwolle, bei einzelnen Stücken aus Seide. Die Korkwolle dieser Jahre glänzt anders als spätere Wolle, und darauf beruht der Ruf der Werkstatt mindestens so stark wie auf der Zeichnung.
Mohtesham zugeschriebene Arbeiten liegen am oberen Ende der Keschan-Spanne, bei etwa 400.000 bis 500.000 Knoten pro Quadratmeter. Für Keschan-Teppiche insgesamt sind 150.000 bis 500.000 Knoten pro Quadratmeter angegeben; höhere Zahlen, die im Handel für Mohtesham-Stücke umlaufen, liegen über dieser Spanne und sind hier nicht belegt. Über die Qualität entscheidet die Knotenzahl ohnehin nicht allein: beim Keschan tragen Wolle und Färbung mindestens so viel.
Mohtesham knüpfte überwiegend klassische Medaillonteppiche mit floraler Bordüre, oft mit Schah-Abbas-Palmetten und Herati-Feldern nach safawidischen Vorlagen. Eine Untergruppe sind figurale Bildteppiche mit biblischen, mythologischen oder höfischen Szenen. Diese Bildteppiche waren Auftragsarbeiten für persische, europäische und amerikanische Kunden und bleiben selten.
Nach der Handelsliteratur endete die Werkstatttradition Mohteshams um 1900, und die spätere Produktion habe seine Farbtiefe nicht wieder erreicht. Moderne Keschan-Teppiche übernehmen die Muster und werden teilweise selbst als „Mohtesham-Qualität“ angeboten; Sammler unterscheiden streng zwischen einem Stück aus dem 19. Jahrhundert und einer späteren Adaption. Signierte Mohtesham-Arbeiten sind nach derselben Literatur die Ausnahme und nicht die Regel, und eine Signatur macht ein Stück nicht automatisch zum künstlerisch stärkeren. Was zählt, sind Wolle, Farbe, Zeichnung und der Erhaltungszustand: originaler Flor, feste Kanten, intakte Kopfenden.
Zugehöriger Stil
Keschan-Teppiche zählen zu den Klassikern unter den Perserteppichen und sind für ihre eleganten Medaillon-Designs bekannt.