Meymeh-Teppiche: robustes Medaillonmuster aus der Provinz Isfahan
Meymeh-Teppiche aus der Provinz Isfahan zeigen das typische Joshaghan-Rautenmuster in höherer Qualität.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 150.000 – 300.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Iran — Meymeh, Provinz Isfahan
- Flormaterial
- Wolle auf Baumwolle
- Knotendichte
- 150.000 – 300.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Rautengitter-Muster, feine Knüpfung, verwandt mit Joshaghan




Foto: Morgenland Teppiche
Meymeh-Teppiche kommen aus dem Ort Meymeh, rund 100 Kilometer nördlich von Isfahan im Zentraliran. Das Feld füllt kein großes Rankenwerk, sondern ein Rautengitter mit stilisierten Blütenzweigen nach dem Vorbild des benachbarten Joshaghan, geknüpft in dichter Wolle auf Baumwollkette, meist über tiefem Rot oder Indigo. Mit 150.000 bis 300.000 Knoten pro Quadratmeter sitzt der Meymeh in der oberen Mittelklasse der Perserteppiche: sauber gezeichnet, alltagstauglich, weit entfernt von der Manufakturfeinheit der Provinzhauptstadt. Wer im Handel einen Joshaghan sucht, hat deshalb oft einen Meymeh vor sich.
Was ist ein Meymeh-Teppich?
Ein Meymeh ist ein handgeknüpfter Wollteppich aus dem Ort Meymeh und den Werkstätten seines Umlands in der Provinz Isfahan. Kette und Schuss bestehen aus Baumwolle, der Flor aus Schurwolle der Region, ohne Seidenanteil. Das namensgebende Muster ist das Rautengitter: gleich große, reihenweise versetzte Rautenfelder, die die ganze Fläche überziehen und jeweils einen kleinen Blütenzweig tragen. Daneben entstehen in Meymeh auch Kompositionen mit Zentralmedaillon, wie sie die Nachbarorte der Provinz knüpfen. Festmachen lässt sich die Provenienz aber am Gitter. Auf Etiketten und in Katalogen begegnen die Schreibweisen Maimeh, Meime und Meymey, gemeint ist derselbe Ort.
Wo liegt Meymeh im Iran?
Meymeh liegt im nördlichen Teil der Provinz Isfahan, auf der Nord-Süd-Achse zwischen der Provinzhauptstadt und Teheran. Joshaghan liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich, Golpayegan rund 80 Kilometer westlich auf gleicher Höhe, Najafabad dicht westlich der Provinzhauptstadt. Diese vier Orte und die Provinzhauptstadt bilden den Knüpfbezirk, in dem ein Meymeh eingeordnet werden muss.
Der ältere und bekanntere Name dieser Gruppe ist Joshaghan, schon in der Safawidenzeit als Knüpfzentrum belegt, dessen Rautengitter sich über Jahrhunderte kaum verändert hat. Meymeh übernahm dieses Gitter und knüpft es in dichterer Wolle und in engeren Knotenreihen. Für den Handel hat das eine unangenehme Folge: weil das Muster praktisch identisch aussieht, laufen Meymeh-Teppiche häufig unter dem geläufigeren Namen des Nachbarorts. Die gesamte Tradition gehört zur Familie der persischen Teppiche.
Welches Muster und welche Farben hat ein Meymeh-Teppich?
Ein Meymeh zeigt ein durchlaufendes Rautengitter in einer engen Palette aus tiefem Rot, Indigo und Elfenbein, und dieses Gitter arbeitet mit einem einzigen Grundmodul: eine Raute, darin ein stilisierter Blütenzweig, dazu ein schmaler Steg zur nächsten Raute. Dieses Modul wird reihenweise versetzt wiederholt, bis das Feld gefüllt ist. Weil die Rauten die Fläche gleichmäßig teilen, hat ein Meymeh keine Vorzugsrichtung. Er wirkt von allen vier Seiten gleich, was ihn für Räume mit mehreren Zugängen praktisch macht.
Die Bordüren sind mehrfach gestuft, meist eine breite Hauptbordüre mit laufender Blütenranke zwischen zwei schmalen Begleitstreifen. Ein Meymeh mit Zentralmedaillon behält das Gitter in den Feldresten neben dem Medaillon. Genau daran trennt man ihn von einem reinen Medaillonteppich der Nachbarorte.
Tiefes Rot und Indigoblau tragen die Zeichnung, Elfenbein steht in den Blütenkonturen und in den Bordürenstegen. Die Palette bleibt eng. Welche Bedeutung die einzelnen Farben im persischen Teppich haben, ist gesondert beschrieben. Ältere Stücke sind mit Pflanzenfarben gefärbt, neuere Produktionen arbeiten mit chromgefärbten Garnen. Beide können farbecht sein, sie altern nur unterschiedlich. Den Unterschied behandelt Naturfarben oder Chemiefarben.
Woraus besteht ein Meymeh-Teppich und wie wird er geknüpft?
Ein Meymeh besteht aus Baumwolle in Kette und Schuss und Schurwolle im Flor, geknüpft mit dem asymmetrischen persischen Senneh-Knoten. Seide kommt in dieser Provenienz nicht vor, weder im Flor noch in der Kette. Wer sie angeboten bekommt, hat einen anderen Teppich vor sich. Die Wolle der Region ist kräftig und fettreich, der Flor wird mittelhoch geschoren. Diese Kombination steht hinter dem, was Kunden am Meymeh schätzen: er drückt sich unter Möbeln nicht platt und nimmt Laufstraßen langsam an.
Geknüpft wird mit dem asymmetrischen persischen Knoten, dem Senneh-Knoten, wie in der zentralpersischen Werkstatttradition insgesamt. Er umschließt einen Kettfaden ganz, den zweiten nur halb, und löst die Rundungen der Blütenzweige feiner auf als der symmetrische türkische Knoten. Die Übersicht der Knüpfweisen steht unter Knotenarten, der Ablauf von der Kettvorbereitung bis zum Scheren unter Herstellung.
Wie hoch ist die Knotendichte eines Meymeh-Teppichs?
Ein Meymeh liegt bei 150.000 bis 300.000 Knoten pro Quadratmeter. Auf der Rückseite entspricht das knapp vier bis gut fünf Knoten pro Zentimeter in jeder Richtung, und das kann jeder mit einem Lineal nachzählen. Am unteren Ende der Spanne bleibt der Blütenzweig in der Raute klar lesbar, seine Rundungen treppen aber sichtbar ab. Am oberen Ende laufen die Bögen glatt durch, und die Rautenstege behalten ihre Binnenzeichnung. Feine Schattierungen innerhalb einer einzelnen Blüte, wie sie ein Isfahan zeigt, gehören nicht in diese Klasse und sind auch nicht ihr Ziel.
Die Knotenzahl allein entscheidet nichts. Zwei Stücke gleicher Dichte können sich in der Wolle deutlich unterscheiden, und eine gleichmäßige Knotung ohne wandernde Musterkanten hält im Alltag länger als zwanzigtausend Knoten mehr. Was die Zahl aussagt und was nicht, erklärt Knotendichte erklärt.
| Qualität | Knoten/m² (ca.) | Material | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Gebrauchsqualität | 150.000 bis 200.000 | Wolle auf Baumwolle | klares Gitter, sichtbar abgetreppte Rundungen |
| Standard | 200.000 bis 250.000 | Wolle auf Baumwolle | gleichmäßige Knotung, saubere Blütenzweige |
| Fein | 250.000 bis 300.000 | feine Wolle auf Baumwolle | glatte Bögen, Binnenzeichnung in den Stegen |
| Älteres Stück | variabel | handgesponnene Wolle auf Baumwolle | gereifte Patina, Pflanzenfarben, Sammlerinteresse |
Was bestimmt den Wert eines Meymeh-Teppichs?
Den Wert eines Meymeh bestimmen vier Dinge: die Feinheit innerhalb der Spanne von 150.000 bis 300.000 Knoten, die Wollqualität im Flor, die Färbung und der Erhaltungszustand von Flor, Kanten und Fransen. Format und gesicherte Provenienz kommen hinzu.
Am Zustand entscheidet sich mehr, als Käufer erwarten. Ein fein geknüpftes Stück mit abgelaufenem Flor in der Mitte und geflickten Kanten steht unter einem gleichmäßig erhaltenen Standardstück derselben Größe. Bei älteren Meymeh mit handgesponnener Wolle und Pflanzenfarben zählt zusätzlich die Patina: ein gleichmäßig gereiftes Farbbild ist gesucht, fleckiges Ausbleichen durch Sonne nicht.
Eine Werkstattsignatur, wie sie feine Isfahan tragen, gehört nicht zum Bild dieser Provenienz. Als Wertmerkmal spielt sie beim Meymeh keine Rolle.
Wie lange ein einzelner Teppich in der Herstellung ist, lässt sich nicht seriös angeben. An einem Stück arbeiten je nach Format mehrere Knüpfer gleichzeitig, und das Tempo hängt stark von der Erfahrung ab. Belastbar ist nur die umgekehrte Richtung: je feiner die Knüpfung, desto mehr Knotenreihen pro Zentimeter und desto länger die Arbeit.
Für die Einordnung helfen Wertvolle Perserteppiche erkennen, die Wertübersicht und die Kaufberatung. Aktuelle Stücke mit Maßen zeigt das Meymeh-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Woran erkennt man einen echten Meymeh-Teppich?
Einen echten Meymeh erkennt man am durchlaufenden Rautengitter mit Blütenzweigen, an knapp vier bis gut fünf Knoten pro Zentimeter auf der Rückseite, am mittelhohen Schurwollflor auf Baumwollkette ohne jeden Seidenanteil und an der engen Palette aus tiefem Rot, Indigo und Elfenbein.
- Rückseite umdrehen: Jeder Knoten muss als einzelner Punkt sichtbar sein, und das Rautengitter muss von hinten so scharf stehen wie von vorn.
- Knoten zählen: Lineal auf die Rückseite legen und eine Reihe abzählen. Knapp vier bis gut fünf Knoten pro Zentimeter in jeder Richtung passen zur Provenienz.
- Fransen prüfen: Sie sind die verlängerten Baumwollkettfäden und laufen aus dem Gewebe heraus. Angenähte Fransen sprechen gegen einen handgeknüpften Teppich.
- Eine Rautenreihe verfolgen: Von Kante zu Kante durchgehen. Handarbeit zeigt kleine Abweichungen in Größe und Achse der Rauten, ein Druck oder eine Maschinenware wiederholt millimetergenau.
- Flor teilen: Mit dem Finger den Flor auseinanderdrücken. Wolle fühlt sich trocken und leicht fettig an und federt zurück, Seidenglanz gehört nicht in einen Meymeh.
- Kanten und Enden abtasten: Seitenkanten umwickelt, Enden verwoben. Lose Kanten und gerissene Fransen sind Zustandsmängel, keine Stilmerkmale.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ist mein Teppich echt?, die Grundlagen stehen unter Orientteppich erkennen.
Welche Teppiche werden mit einem Meymeh verwechselt?
Vier Provenienzen derselben Provinz werden regelmäßig mit einem Meymeh verwechselt, nämlich Joshaghan, Golpayegan, Najafabad und Isfahan. Bei einer davon gelingt die Trennung nicht immer. Joshaghan arbeitet dasselbe Rautengitter, und die Knotendichten überlappen breit. Was bleibt, ist der Feinheitsschwerpunkt: ein Meymeh setzt am unteren Ende dort an, wo ein Joshaghan sich der Mitte seiner Spanne nähert. Wer ein einzelnes Stück ohne Herkunftsnachweis vor sich hat, sollte diese Unsicherheit benennen statt sie zu überspielen.
Golpayegan und Najafabad sind leichter abzugrenzen. Beide zeichnen ein florales Zentralmedaillon mit gespiegelten Eckzwickeln, kein durchlaufendes Gitter.
| Provenienz | Herkunft | Flor und Kette | Knotendichte | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|---|---|
| Meymeh | Meymeh, Provinz Isfahan | Wolle auf Baumwolle | 150.000 bis 300.000 | Rautengitter, dichte Wolle, Rot und Indigo |
| Joshaghan | Joshaghan, Provinz Isfahan | Wolle auf Baumwolle | 120.000 bis 250.000 | dasselbe Rautengitter, warme Palette |
| Golpayegan | Golpayegan, Provinz Isfahan | Wolle auf Baumwolle | 100.000 bis 250.000 | florales Zentralmedaillon statt Gitter |
| Najafabad | Najafabad, Provinz Isfahan | Wolle auf Baumwolle | 150.000 bis 350.000 | an Isfahan angelehnte florale Medaillons |
| Isfahan | Stadt Isfahan | Korkwolle auf Baumwolle, feinste auf Seide | 400.000 bis über 1.000.000 | kurvilineare Ranken, oft signiert |
Meymeh-Teppich richtig pflegen
Ein Meymeh verträgt regelmäßiges Saugen in Florrichtung, ohne rotierende Bürste. Was ihm schadet: Dampfreiniger, Teppichschaum aus dem Baumarkt und jahrelange direkte Sonne auf derselben Stelle, die die Farben ungleichmäßig ausbleicht. Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen und nicht reiben. Den Teppich alle zwei Jahre um 180 Grad drehen, damit Laufstraßen und Möbeldruck nicht immer dieselben Stellen treffen. Die dichte Wolle nimmt Wasser langsam auf, deshalb gehört die Wäsche in einen Betrieb, der den Teppich anschließend vollständig durchtrocknet. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Meymeh und einem Joshaghan?
Beide kommen aus dem Norden der Provinz Isfahan, arbeiten dasselbe Rautengitter mit Blütenzweigen und Wolle auf Baumwolle. Der Unterschied liegt in der Feinheit: ein Meymeh liegt bei 150.000 bis 300.000 Knoten pro Quadratmeter, ein Joshaghan bei 120.000 bis 250.000. Die Spannen überlappen, deshalb ist ein einzelnes Stück nicht immer sicher zuzuordnen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Meymeh und einem Isfahan?
Ein Isfahan wird in der Provinzhauptstadt geknüpft, erreicht 400.000 bis über eine Million Knoten pro Quadratmeter, hat Korkwolle im Flor und zeigt kurvilineare Rankenwerke, oft mit Werkstattsignatur. Ein Meymeh kommt aus einem Ort im Norden der Provinz, liegt bei 150.000 bis 300.000 Knoten und zeichnet ein geometrisch gefasstes Rautengitter.
Wie erkenne ich einen echten Meymeh-Teppich?
Am durchlaufenden Rautengitter, das von hinten so scharf steht wie von vorn, an knapp vier bis gut fünf Knoten pro Zentimeter in jeder Richtung, an Fransen als verlängerten Baumwollkettfäden und am mittelhohen Wollflor ohne Seidenglanz.
Enthält ein Meymeh-Teppich Seide?
Nein. Ein Meymeh ist Wolle auf Baumwolle, in Flor und Kette. Seide gehört nicht zu dieser Provenienz, auch nicht als Kontur oder Akzent.
Sind Meymeh-Teppiche für den Alltag geeignet?
Ja. Die kräftige, fettreiche Wolle der Region und der mittelhohe Flor stecken Laufwege und Möbeldruck gut weg. Das Rautengitter hilft zusätzlich, weil es keine Vorzugsrichtung hat und der Teppich in jeder Ausrichtung gleich aussieht.
In welchen Formaten gibt es Meymeh-Teppiche?
Die Stücke, die im Handel durchlaufen, liegen überwiegend im mittleren Bereich, etwa zwischen 200 x 138 cm und 248 x 168 cm. Kleinere Formate und Zimmergrößen kommen vor, sind aber seltener.
Wie pflege ich einen Meymeh-Teppich richtig?
Regelmäßig in Florrichtung saugen, ohne rotierende Bürste. Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen und nicht reiben. Direkte Dauersonne meiden, den Teppich alle zwei Jahre drehen und die Wäsche einem Fachbetrieb überlassen, der vollständig durchtrocknet.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Meymeh-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.


