Touiserkan-Teppiche: Hamadan-Dorfware aus dem Süden der Provinz
Touiserkan-Teppiche aus der Provinz Hamadan zeigen klassische kurdisch beeinflusste Designs in robuster Qualität.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 60.000 – 150.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Iran — Touiserkan, Provinz Hamadan
- Flormaterial
- Wolle auf Baumwolle
- Knotendichte
- 60.000 – 150.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Kurdisch, geometrisch, solide Alltagsqualität




Foto: Morgenland Teppiche
Touiserkan-Teppiche sind robuste handgeknüpfte Perserteppiche aus der Kleinstadt Touiserkan im Süden der Provinz Hamadan im Westen Irans. Das Datenblatt dieser Seite führt sie mit 60.000 bis 150.000 Knoten pro Quadratmeter, Wolle auf Baumwolle und den Merkmalen kurdisch, geometrisch, solide Alltagsqualität. Sie gehören zur großen Familie der Hamadan-Teppiche und zeigen deren geometrische Dorfzeichnung in Rot und Marineblau, gebaut als langlebige Gebrauchsteppiche für stark genutzte Räume. Dieser Beitrag erklärt Herkunft, Muster, Material und Knüpftechnik, den Wert und die Echtheitsmerkmale eines Touiserkan-Teppichs.
Was ist ein Touiserkan-Teppich?
Ein Touiserkan, im Handel auch Tuyserkan geschrieben, ist ein handgeknüpfter Dorf- und Werkstattteppich aus der gleichnamigen Kleinstadt im Alvand-Vorland südlich der Stadt Hamadan. Er trägt ein zentrales, meist stufig gezeichnetes Medaillon in Rauten- oder Sechseckform mit passenden Eckzwickeln, eine Baumwoll-Kette, einen Wollflor und die für die Region übliche Einzelschuss-Bauweise, bei der zwischen zwei Knotenreihen nur ein einziger Schussfaden liegt. Geknüpft wird mit dem symmetrischen türkischen Knoten, der die gesamte Hamadan-Gruppe prägt.
Das Datenblatt nennt als erstes Merkmal kurdisch. Gemeint ist damit die Handschrift und kein Nomadenstamm: Touiserkan ist ein fester Ort mit Heimarbeit und kleinen Werkstätten, dessen teils kurdisch geprägte Bevölkerung die geometrische Mustersprache des kurdischen Westirans in eine sesshafte Dorfknüpfung überführt hat. Unter dem Namen laufen Stücke unterschiedlicher Ausführung, von der einfachen, kräftig gemusterten Gebrauchsware bis zur sorgfältiger gezeichneten Arbeit.
Wo liegt Touiserkan und wie kam der Ort zu einem eigenen Namen?
Touiserkan liegt im Alvand-Vorland im Süden der Provinz Hamadan im westlichen Persien und ist einer der wenigen Orte dieses Gürtels, die sich unter eigenem Namen aus dem Sammelbegriff der Provinz gelöst haben. Die Region gehört zum großen Hamadan-Teppichgürtel, in dem mehrere hundert Ortschaften knüpfen und ihre Ware traditionell über die Märkte der Region absetzen. Geknüpft wird dort seit Jahrhunderten, eng verbunden mit dem bäuerlichen Leben am Fuß des Alvand-Gebirges.
Was der eigene Name benennt, ist der Knüpfort. Über die Feinheit sagt er nichts: Touiserkan wird mit derselben Knotenspanne geführt wie der Sammelname Hamadan, während Ortsprovenienzen wie Nahavand oder Malayer höher ansetzen. Verwandt und benachbart sind außerdem das kurdisch geprägte Koliai und die übrige Dorfware des Gürtels, mit der ein Touiserkan Bauart, Knoten und Materialaufbau teilt.
Welche Muster und Farben trägt ein Touiserkan-Teppich?
Ein Touiserkan trägt eine geometrische Dorfzeichnung, in deren Mitte meist ein stufig aufgebautes Medaillon in Rauten- oder Sechseckform steht, gerahmt von kleineren geometrischen Motiven und passenden Eckzwickeln. Daneben kommen durchgehende Allover-Anordnungen und das Herati-Muster vor. Die Bordüren sind mehrfach gestaffelt und nehmen stilisierte Blüten oder Zickzackbänder auf.
Rot und Marineblau führen die Palette an, ergänzt durch Beige, Creme und gelegentlich Grün; die hier abgebildeten Brücken bleiben dabei in helleren Rottönen. Für Rot kam historisch der Farbstoff Krapp zum Einsatz, für Blau Indigo. Die Zeichnung bleibt gröber als in der städtischen Manufakturware und lebt von klaren Flächen und geraden Kanten statt von feinen Rundungen.
Wie ist ein Touiserkan-Teppich gebaut?
Ein Touiserkan ist aus einer Kette aus Baumwolle, einem Schuss aus Baumwolle oder Wolle und einem Flor aus Schurwolle gebaut; das Datenblatt führt als Material Wolle auf Baumwolle. Die Florwolle stammt aus lokalen Herden und wird für ihre Robustheit und natürliche Fettung geschätzt. Einen Überblick über die eingesetzten Fasern bietet die Übersicht zu den Materialien.
Geknüpft wird mit dem symmetrischen türkischen Knoten, auch Ghiordes-Knoten genannt, der beide Kettfäden gleich umschlingt. Der asymmetrische Knoten, der einen Kettfaden ganz und den zweiten nur halb umschließt, heißt Senneh-Knoten oder persischer Knoten und trägt den Namen der kurdischen Stadt Senneh. Das ist eine Bezeichnung für eine Knotenart und keine Aussage über die Teppiche jenes Ortes: Die kurdisch geprägte Knüpfung des iranischen Nordwestens arbeitet traditionell symmetrisch, und dazu zählt auch der Touiserkan.
Das prägende technische Merkmal ist der Einzelschuss. Zwischen zwei Knotenreihen liegt nur ein einziger Schussfaden, woraus der flache, feste Aufbau entsteht, der sich an der Rückseite ablesen lässt. Gefärbt wird teils mit natürlichen, teils mit synthetischen Farbstoffen. Den Ablauf vom Spannen der Kette bis zum Scheren beschreibt der Beitrag zur Teppichherstellung.
Was sagt die Knotendichte eines Touiserkan-Teppichs aus?
Für einen Touiserkan werden 60.000 bis 150.000 Knoten pro Quadratmeter angegeben, und das ist an beiden Enden exakt die Spanne des Sammelnamens Hamadan. Die Knotenzahl hält die beiden also gar nicht auseinander. Was sie trennt, sind der Knüpfort, die Zeichnung und die Rolle, die der Handel dem Namen zuweist.
Auch zu den übrigen Nachbarn gibt es keinen sauberen Abstand. Koliai und Nahavand werden mit 80.000 bis 160.000 Knoten geführt und überschneiden sich damit von 80.000 bis 150.000 mit dem Touiserkan. Malayer reicht von 120.000 bis 250.000 und liegt zwischen 120.000 und 150.000 in derselben Zone. Bidjar beginnt bei genau 150.000 und berührt die Touiserkan-Spanne damit an ihrem oberen Punkt, statt sich sauber davon abzusetzen. Klar darüber stehen erst die Stadtmanufakturen: Nain ab 200.000, Ghom ab 300.000 und Isfahan ab 400.000 Knoten. Was die Knotendichte über Feinheit und Qualität aussagt und was nicht, behandelt der eigene Beitrag.
Den niedrigen Einstieg bei 60.000 teilt der Touiserkan mit Hamadan, Gholtogh und Hosseinabad. Das ist ein Merkmal der Bauart und keine Abwertung, denn Einzelschuss und symmetrischer Knoten brauchen zwischen den Knotenreihen mehr Platz als die feine Stadtknüpfung. Über die Qualität entscheiden neben der Dichte die Wollqualität, die Klarheit der geometrischen Zeichnung, die Sattheit der Farben und der Erhaltungszustand.
Wie ordnet sich der Touiserkan zwischen Hamadan, Malayer und Bidjar ein?
Der Touiserkan steht als Ortsprovenienz im Hamadan-Gürtel, mit derselben Bauart wie die Nachbarn ringsum und einer Knotenspanne, die ihn von keinem sauber abgrenzt. Die Spalte Knotendichte übernimmt den Wert wörtlich aus dem Datenblatt der jeweiligen Stilseite; eine Rangfolge ergibt sich daraus nicht, dafür überschneiden sich die Spannen zu stark.
| Provenienz | Verhältnis zu Touiserkan | Knotendichte laut Datenblatt | Typische Merkmale |
|---|---|---|---|
| Touiserkan | diese Provenienz im Hamadan-Gürtel | 60.000 – 150.000 Knoten/m² | kurdisch, geometrisch, solide Alltagsqualität |
| Hamadan | Oberbegriff und Region | 60.000 – 150.000 Knoten/m² | einfacher Schuss, robuste Alltagsteppiche, Herati- und Medaillon-Muster |
| Nahavand | nahe Region, verwandter Stil | 80.000 – 160.000 Knoten/m² | kurdischer Einfluss, Medaillon-Muster, kräftige Farbpalette |
| Malayer | benachbarte Provenienz | 120.000 – 250.000 Knoten/m² | zentrales Medaillon, Herati- oder Boteh-Muster, gute Qualität |
| Koliai | westiranisch, kurdisch verwandt | 80.000 – 160.000 Knoten/m² | kurdisch, geometrische Muster, kräftige Rottöne, robust |
| Bidjar | benachbarte kurdische Knüpfregion | 150.000 – 400.000 Knoten/m² | extrem dicht und schwer, Herati-Muster, sehr langlebig |
Bidjar und Koliai stehen in dieser Übersicht als kurdische Nachbarn und knüpfen wie der Touiserkan mit dem symmetrischen türkischen Knoten. Der asymmetrische Knoten trägt zwar den Namen der kurdischen Stadt Senneh, ist aber nicht die Technik dieser Region.
Was bestimmt den Wert eines Touiserkan-Teppichs?
Den Wert eines Touiserkan-Teppichs bestimmen Material, Knüpfung, Alter, Zustand, Farbe und Format. Konkret sind das die Qualität der Wolle im Flor, die Festigkeit der einschüssigen Knüpfung, die Klarheit des Medaillons und der Bordüren, die Sattheit und Natürlichkeit der Farben, der Zustand von Flor, Kanten und Enden sowie die Größe des Stücks. Beim Format zählt, ob eine kleine Brücke, ein Läufer oder eine Zimmergröße vorliegt; die auf dieser Seite gezeigten Touiserkan sind kleine Brücken.
Die Knotendichte trägt zu dieser Einschätzung weniger bei, als der Name der Kennzahl vermuten lässt. Sie trennt den Touiserkan nicht einmal vom Sammelnamen Hamadan, weil beide dieselbe Spanne führen. Beurteilt wird deshalb das Stück selbst: Wolle, Zeichnung, Farbe, Zustand. An den Maßstäben der feinen Stadtmanufakturen aus Nain, Isfahan oder Ghom wird ein Touiserkan dabei nicht gemessen, denn dort beginnt die Feinheit erst, wo seine Spanne längst endet.
Wie lange ein einzelner Touiserkan an der Kette hängt, lässt sich nicht seriös in Monaten pro Quadratmeter beziffern. An großen Formaten arbeiten mehrere Knüpferinnen nebeneinander, und wie schnell eine Reihe wächst, hängt stark von der Erfahrung ab. Verlässlich ist nur die Richtung: Je feiner geknüpft wird, desto mehr Knotenreihen liegen auf derselben Strecke und desto länger dauert die Arbeit.
Gut erhaltene ältere Stücke mit handgesponnener Wolle, natürlichen Farben und klarer geometrischer Zeichnung stehen deutlich über einfacher neuer Handelsware. Für eine fundierte Einschätzung lohnt der Blick auf die Übersicht Was ist mein Teppich wert? sowie auf den Beitrag Wertvolle Perserteppiche erkennen. Praktische Hinweise zu Auswahl und Kauf gibt die Kaufberatung. Aktuelle Stücke mit Maßen und Preisen zeigt das Touiserkan-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Woran erkennt man einen echten Touiserkan-Teppich?
Einen echten, handgeknüpften Touiserkan erkennt man am symmetrischen türkischen Knoten auf der Rückseite, an der Einzelschuss-Struktur, am stufigen geometrischen Medaillon und an Fransen als verlängerten Kettfäden.
- Symmetrischer türkischer Knoten: Touiserkan nutzt wie die gesamte Hamadan-Region den Ghiordes-Knoten, anders als viele zentral- und ostpersische Provenienzen.
- Einzelschuss-Struktur: Zwischen den Knotenreihen liegt nur ein Schussfaden, was sich an der Rückseite ablesen lässt.
- Handgeknüpfte Rückseite: Das Muster ist spiegelbildlich klar erkennbar, einzelne Knoten sind sichtbar.
- Echte Fransen: Die Fransen sind die verlängerten Kettfäden aus Baumwolle, nicht nachträglich angenäht.
- Stufiges geometrisches Medaillon mit Eckzwickeln in Rot und Marineblau.
- Wollflor auf Baumwollgrund mit robuster, dörflicher Ausstrahlung.
Da Touiserkan zum weiten Hamadan-Umfeld gehört und oft schlicht als Hamadan gehandelt wird, sollte die Einordnung Muster, Rückseite, Material und Zustand zusammen betrachten. Eine allgemeine Schritt-für-Schritt-Prüfung bietet Ist mein Teppich echt?, eine Übersicht der Merkmale handgeknüpfter Teppiche findet sich unter Handgeknüpft erkennen.
Touiserkan-Teppich richtig pflegen
Touiserkan-Teppiche aus robuster Wolle sind pflegeleicht und alltagstauglich. Regelmäßiges Saugen mit mittlerer Saugkraft in Florrichtung und eine gelegentliche professionelle Reinigung erhalten Farben und Flor. Flecken sollten sofort mit klarem Wasser aufgenommen werden, ohne zu reiben. Eine professionelle Reinigung empfiehlt sich je nach Beanspruchung etwa alle drei bis fünf Jahre. Lange direkte Sonneneinstrahlung lässt die Farben verblassen und sollte vermieden werden. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Woher kommt ein Touiserkan-Teppich?
Aus der Kleinstadt Touiserkan im Alvand-Vorland, südlich der Stadt Hamadan in der gleichnamigen Provinz im Westen Irans. Die Region gehört zum großen Hamadan-Teppichgürtel und ist teils kurdisch geprägt.
Was unterscheidet einen Touiserkan von anderen Hamadan-Teppichen?
Der Knüpfort und die Zeichnung, nicht die Technik und nicht die Knotenzahl. Bauart, symmetrischer Knoten und Einzelschuss teilt der Touiserkan mit der Region, und mit 60.000 bis 150.000 Knoten pro Quadratmeter führt er sogar dieselbe Spanne wie der Sammelname Hamadan. Was ihn erkennbar macht, ist die kurdisch geprägte, stufig aufgebaute Medaillonzeichnung eines benannten Ortes statt anonymer Ware aus dem Gürtel.
Mit welchem Knoten wird ein Touiserkan-Teppich geknüpft?
Mit dem symmetrischen türkischen Knoten, auch Ghiordes-Knoten genannt, der beide Kettfäden gleich umschlingt. Das gilt für die gesamte Hamadan-Region und ist nicht mit der Stadt Senneh zu verwechseln, nach der der asymmetrische persische Knoten benannt ist. Die Unterschiede erläutert die Übersicht zu den Knotenarten.
Was kostet ein Touiserkan-Teppich?
Einen festen Preis gibt es nicht. Was ein Touiserkan kostet, hängt von Größe, Alter, Zustand, Knotendichte, Wollqualität und Färbung ab, und gut erhaltene ältere Stücke mit handgesponnener Wolle und Naturfarben liegen deutlich über einfacher Handelsware. Konkrete Preise gelten immer für das einzelne Stück und stehen mit Maßen und Zustand im Touiserkan-Sortiment von Morgenland Teppiche.
Sind Touiserkan-Teppiche für stark frequentierte Bereiche geeignet?
Ja. Durch die flache Einzelschuss-Struktur und die robuste, natürlich gefettete Wolle sind Touiserkan-Teppiche widerstandsfähig und eignen sich für Wohnräume mit normaler bis starker Beanspruchung.
Welche Größen sind bei Touiserkan-Teppichen üblich?
Eine Größenspanne nennt das Datenblatt dieser Seite nicht. Belegt sind die Maße der hier abgebildeten Stücke: rund 125 bis 130 cm Länge bei 75 bis 81 cm Breite, also kleine Brücken. Als Dorf- und Werkstattware entstehen daneben auch Läufer und Zimmergrößen.
Wie pflege ich einen Touiserkan-Teppich richtig?
Regelmäßig mit mittlerer Saugkraft in Florrichtung saugen, Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, ohne zu reiben, und je nach Beanspruchung alle drei bis fünf Jahre professionell reinigen lassen. Lange direkte Sonne meiden und den Teppich gelegentlich drehen.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Touiserkan-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.
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