Mir
Mir-Teppiche aus der Sarouk-Region sind berühmt für ihr charakteristisches Allover-Boteh-Muster.
- Region
- Persien / Iran
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Knotendichte
- 120.000 – 300.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft
- Herkunft
- Iran — Region Sarouk / Serabend, Provinz Markazi
- Flormaterial
- Wolle auf Baumwolle
- Knotendichte
- 120.000 – 300.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Allover-Boteh-Muster (Mir-e-boteh), feine Qualität, warme Rottöne




Foto: Morgenland Teppiche
Mir-Teppiche sind klassische Perserteppiche aus der Region Saraband im Westen Irans, die für ein einziges, unverwechselbares Muster berühmt sind: das über die gesamte Fläche wiederholte Boteh. Diese tropfenförmigen Paisley-Motive, dicht und diagonal versetzt angeordnet, machen den Mir zu einem der am leichtesten erkennbaren persischen Stile. Dieser Aufsatz erklärt Herkunft, das Boteh-Muster, Material und Knüpftechnik, den Wert und die Echtheitsmerkmale eines Mir-Teppichs und grenzt ihn von verwandten Stilen ab.
Was ist ein Mir-Teppich?
Ein Mir-Teppich ist ein handgeknüpfter Perserteppich, dessen Feld vollständig von einem kleinteiligen, gleichmäßig wiederholten Boteh-Muster bedeckt ist. Der Begriff Mir ist eng mit dem Landstrich Saraband verbunden, weshalb die Stücke im Handel oft als Mir-Saraband bezeichnet werden. Der Name leitet sich vom persischen Wort für Fürst oder Herr ab und verweist auf den gehobenen Ruf, den diese feinen Dorf- und Werkstattteppiche traditionell genießen.
Charakteristisch ist die strenge, fast textile Ordnung des Musters: lauter kleine Boteh in versetzten Reihen, meist auf rotem Grund, eingefasst von einer markanten, oft weißgrundigen Bordüre mit einer Kette aneinandergereihter Boteh. Diese Kombination aus Allover-Boteh im Feld und Boteh-Bordüre gilt als das klassische Mir-Schema. Neben den persischen Originalen gibt es Nachbildungen aus anderen Ländern, etwa den Indo-Mir aus Indien, der das Design außerhalb Irans aufgreift.
Herkunft
Mir-Teppiche stammen aus der Landschaft Saraband südlich von Arak (dem früheren Sultanabad) im Westen Persiens. Die Region war im 19. Jahrhundert ein bedeutendes Knüpfgebiet und belieferte über die Handelszentren der Provinz den europäischen Markt. Schon antike Mir-Saraband aus dieser Zeit waren in Europa als feine, fein gemusterte Gebrauchsteppiche begehrt und prägten das Bild, das man im Westen vom Boteh-Teppich hatte.
Die Bezeichnung Mir hat sich vom konkreten Herkunftsort gelöst und steht heute vor allem für das Muster. Dadurch wird der Begriff auch auf Teppiche angewendet, die das Boteh-Allover in der typischen Mir-Manier zeigen, ohne zwingend aus der historischen Saraband-Region zu stammen. Bekannte Nachbarprovenienzen und Verwandte des Mir liegen ebenfalls in Westiran, etwa im Umfeld von Arak und in der weiteren Hamadan-Region. Wer ein Stück einordnen will, sollte daher Muster, Knüpfung und Material gemeinsam betrachten und sich nicht allein am Namen orientieren.
Muster und Farben
Das prägende Element ist das Boteh, ein tropfen- oder mandelförmiges Motiv mit gebogener Spitze, im Westen als Paisley bekannt. Beim Mir ist dieses Motiv klein gehalten und über das gesamte Feld wiederholt, ein sogenanntes Rapport- oder Allover-Muster. Die Boteh stehen in Reihen, wobei jede Reihe gegenüber der nächsten leicht versetzt ist. So entsteht ein ruhiger, gleichmäßiger Rhythmus, der dem Teppich eine dezente optische Bewegung gibt und ihn von Medaillonteppichen unterscheidet.
Die Farbgebung ist traditionell gedämpft und harmonisch. Das Grundfeld ist meist in einem warmen Rot oder Tiefrot gehalten, seltener in Blau oder Elfenbein. Die einzelnen Boteh sind mit dunklen Konturen in Blau, Schwarzbraun oder Elfenbein gezeichnet und mit feinen Innenmustern gefüllt. Die Bordüre greift das Boteh oft erneut auf und reiht es auf hellem, häufig elfenbeinfarbenem Grund zu einem umlaufenden Band. Diese zurückhaltende, durchgehend gemusterte Gestaltung macht den Mir vielseitig kombinierbar.
Material und Knüpftechnik
Mir-Teppiche werden traditionell aus Schurwolle geknüpft, die Kette besteht meist aus Baumwolle. Die Wolle stammt aus regionalen Herden und ist für ihre Strapazierfähigkeit geschätzt. Der Flor ist üblicherweise niedrig bis mittelhoch geschoren, was die feine Zeichnung der vielen kleinen Boteh erhält. Einen Überblick über die eingesetzten Fasern gibt die Übersicht zu den Materialien.
Geknüpft wird mit dem asymmetrischen persischen Knoten, dem Senneh-Knoten, der im westiranischen Knüpfgebiet des Saraband verbreitet ist und die saubere Ausarbeitung der kleinteiligen Boteh erlaubt. Die Unterschiede zwischen asymmetrischem und symmetrischem Knoten erläutert die Übersicht zu den Knotenarten, den gesamten Herstellungsweg beschreibt der Aufsatz zur Teppichherstellung. Für die Färbung kamen traditionell natürliche Farbstoffe zum Einsatz, vor allem Krapp für die Rottöne und Indigo für die Blautöne. Moderne Produktionen verwenden auch hochwertige synthetische Farben mit guter Lichtechtheit.
Knotendichte und Qualität
Die Knotendichte von Mir-Teppichen schwankt je nach Herkunft und Qualität erheblich, üblich sind rund 100.000 bis über 400.000 Knoten pro Quadratmeter. Feine antike Mir-Saraband liegen am oberen Ende dieser Spanne und zeigen besonders kleine, exakt gezeichnete Boteh, während einfachere Dorfqualitäten gröber gearbeitet sind. Was die Knotendichte konkret aussagt und warum sie nicht der einzige Qualitätsmaßstab ist, behandelt der eigene Aufsatz.
Über die Güte eines Mir entscheiden neben der Dichte vor allem die Gleichmäßigkeit des Boteh-Rapports, die Klarheit der Konturen, die Wollqualität und die Harmonie der Farben. Ein gutes Stück hält das Muster über die gesamte Fläche in ruhiger, regelmäßiger Ordnung, ohne dass die Boteh verlaufen oder unsauber werden.
| Stil | Verhältnis zum Mir | Typisches Muster |
|---|---|---|
| Mir (Saraband) | Ausgangsstil, Westiran | kleinteiliges Boteh-Allover, rotgrundig |
| Indo-Mir | indische Nachbildung | Boteh-Allover nach persischem Vorbild |
| Hamadan | benachbarte Region | geometrisches Medaillon, gröber, Einzelschuss |
| Malayer | benachbarte Provenienz | oft feiner, florale und geometrische Motive |
| Bidjar | westiranisch, kurdisch | sehr dicht und schwer, oft Herati-Muster |
| Ghom | feines Manufakturzentrum | florale Medaillons, auch Boteh, sehr fein |
Was ist ein Mir-Teppich wert?
Der Wert eines Mir-Teppichs richtet sich nach Alter, Herkunft, Knotendichte, Feinheit des Boteh-Rapports, Wollqualität, Färbung, Größe und Erhaltungszustand. Antike Mir-Saraband aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert mit feiner Knüpfung und natürlichen Farben sind bei Sammlern gesucht und erzielen entsprechend höhere Preise. Neuere oder gröbere Dorfqualitäten und der Indo-Mir liegen deutlich darunter und bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Für eine fundierte Einschätzung lohnt der Blick auf die Übersicht Was ist mein Teppich wert? sowie auf den Aufsatz Wertvolle Perserteppiche erkennen. Praktische Hinweise zu Auswahl und Kauf gibt die Kaufberatung.
Woran erkennt man einen echten Mir-Teppich?
Typische Hinweise auf einen echten, handgeknüpften Mir sind:
- Durchgehendes Boteh-Allover: Das gesamte Feld ist mit kleinen, versetzt angeordneten Boteh gefüllt, ohne zentrales Medaillon.
- Boteh-Bordüre: Die Hauptbordüre reiht oft erneut Boteh aneinander, häufig auf hellem, elfenbeinfarbenem Grund.
- Handgeknüpfte Rückseite: Das Muster ist spiegelbildlich klar erkennbar, einzelne Knoten sind als feines Raster sichtbar.
- Echte Fransen: Die Fransen sind die verlängerten Kettfäden, nicht angenäht.
- Gedämpfte, harmonische Farben mit rotem Grund und dunklen Boteh-Konturen, bei alten Stücken mit natürlichen Farbnuancen.
- Leichte Unregelmäßigkeiten im Rapport und in der Farbe (Abrasch) sprechen für handwerkliche, gewachsene Arbeit.
Eine allgemeine Schritt-für-Schritt-Prüfung auf Echtheit und Handknüpfung bietet Ist mein Teppich echt?, eine Übersicht der Merkmale handgeknüpfter Teppiche findet sich unter Handgeknüpft erkennen.
Pflege
Mir-Teppiche aus Wolle sind robust und alltagstauglich. Regelmäßiges Saugen in Florrichtung und eine gelegentliche professionelle Reinigung erhalten Farben und Flor. Flecken sollten sofort mit klarem Wasser aufgenommen werden, ohne zu reiben, damit sie nicht in den Flor einziehen. Lange direkte Sonneneinstrahlung lässt die Farben verblassen und sollte vermieden werden. Ein gelegentliches Drehen des Teppichs verteilt die Beanspruchung gleichmäßig. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht.
Häufige Fragen
Was ist das Boteh-Muster beim Mir?
Das Boteh ist ein tropfen- oder mandelförmiges Motiv mit gebogener Spitze, im Westen als Paisley bekannt. Beim Mir-Teppich ist es klein gehalten und über das gesamte Feld in versetzten Reihen wiederholt. In der persischen Tradition wird das Boteh als Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft gedeutet und unter anderem als stilisierte Zypresse, Flamme oder Träne interpretiert. Es gehört zu den ältesten Ornamenten der persischen Kunst.
Was bedeutet Mir-Saraband?
Saraband ist die westiranische Landschaft, aus der die Mir-Teppiche stammen, weshalb sie im Handel häufig Mir-Saraband heißen. Der Zusatz nennt also die Herkunftsregion des Musters. Mit der Zeit hat sich der Name Mir vom Ort gelöst und steht heute vor allem für das typische Boteh-Allover.
Wie unterscheidet sich ein Mir von einem Buchara-Teppich?
Beide zeigen ein über die Fläche wiederholtes Muster, doch die Motive sind verschieden. Der Buchara reiht oktogonale Medaillons, sogenannte Göls, auf meist rotbraunem Grund, ein Stammesmuster turkmenischen Ursprungs. Der Mir dagegen wiederholt das tropfenförmige Boteh und ist ein westpersischer Stil. Auch die Farbwelt unterscheidet sich, der Mir ist in den Konturen oft variantenreicher.
Was ist der Unterschied zwischen einem persischen Mir und einem Indo-Mir?
Der persische Mir stammt aus der Saraband-Region in Westiran und ist mit dem asymmetrischen persischen Knoten gearbeitet. Der Indo-Mir ist eine indische Nachbildung, die das Boteh-Allover übernimmt, aber in Knüpfung, Wolle und Farbgebung den indischen Produktionen folgt und meist günstiger ist.
Sind Mir-Teppiche für stark frequentierte Räume geeignet?
Ja. Durch die robuste Wolle und oft hohe Knotendichte sind Mir-Teppiche strapazierfähig und für Wohnräume mit normaler bis hoher Beanspruchung gut geeignet. Der eher niedrige Flor und das durchgehende Muster kaschieren zudem Gebrauchsspuren.
Wie pflege ich einen Mir-Teppich richtig?
Regelmäßig in Florrichtung saugen, Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, ohne zu reiben, und alle paar Jahre professionell reinigen lassen. Lange direkte Sonne meiden und den Teppich gelegentlich drehen, damit sich die Beanspruchung gleichmäßig verteilt.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Mir-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.


