Teppich FibelTeppich Fibel

Perserteppich vs. Orientteppich

Im Sprachgebrauch werden die Begriffe oft synonym verwendet. Im Handel sind sie es nicht. Ein Perserteppich ist eine Untergruppe der Orientteppiche, definiert durch geografische Herkunft. Diese Seite klärt, was genau dazu gehört, was nicht, und warum die Unterscheidung beim Kauf wichtig ist.

Perser
Perser
Orient
Orient

Die Begriffe in der Übersicht

Eine kompakte Definition, gefolgt von den ausführlichen Erklärungen weiter unten.

KriteriumPerserteppichOrientteppich
Definitionin Iran (vormals Persien) handgeknüpftim erweiterten Orient handgeknüpft (Iran, Türkei, Kaukasus, Zentralasien, Afghanistan, Indien, Pakistan, Nepal, China)
Bekannteste StileBidjar, Isfahan, Nain, Tabriz, Heriz, Hamadan, Qumalle Perserstile plus Hereke, Kayseri, Yagcibedir, Beluch, Kazak, Yomud, Tibetan
Knüpftraditionasymmetrischer Senneh-Knoten überwiegtverschiedene Traditionen, türkischer Ghiordes, persischer Senneh, tibetischer Loop-Knoten
MaterialSchurwolle, gelegentlich Seide, Baumwoll-Kettewie Persisch, plus Yak-Wolle (Tibet), Ziegenhaar (Beluch), reine Seide (Hereke)
Designsprachekurvige Floralmuster, Medaillons, Boteh, persische Gärtengeometrisch (Kaukasus, Beluch), floral (Persien, Indien), abstrakt (Berber-Bezug)
Politische Lageseit 1979 Sanktionen, schwankende Verfügbarkeitdiverse Lieferländer, Verfügbarkeit insgesamt stabil

#Was Perserteppich genau bedeutet

Ein Perserteppich ist ein Teppich, der innerhalb der heutigen Grenzen Irans handgeknüpft wurde. Iran hieß bis 1935 Persien, und der Begriff Perserteppich hat sich seit den europäischen Importen des 19. Jahrhunderts gehalten. Die geografische Definition ist eindeutig: stammt der Teppich aus Tabriz, Isfahan, Qum, Kashan oder einem anderen iranischen Knüpfzentrum, ist er ein Perserteppich.

Wichtig: maschinell gefertigte Teppiche aus Iran zählen nicht. Im Sprachgebrauch und im Handel meint Perserteppich immer einen handgeknüpften Teppich aus Persien. Maschinell gefertigte Stücke aus Iran werden, wenn sie überhaupt exportiert werden, schlicht als persische Maschinenteppiche gehandelt.

Innerhalb der Perserteppiche gibt es Hunderte regionaler Stile, oft benannt nach der Stadt oder Region. Jeder Stil hat eigene Knüpftraditionen, Farbvorlieben und Mustersprache.

#Was Orientteppich umfasst

Der Begriff Orientteppich ist deutlich weiter gefasst. Er meint jeden handgeknüpften Teppich aus dem erweiterten Orient. Der erweiterte Orient ist im Teppichkontext: Iran, die Türkei, der Kaukasus, Zentralasien (Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan), Afghanistan, Indien, Pakistan, Nepal, Tibet und China.

Jeder Perserteppich ist also ein Orientteppich, aber ein Orientteppich kann viele andere Herkünfte haben. Ein Hereke aus der Türkei, ein Yomud aus Turkmenistan, ein Beluch aus Afghanistan oder ein Tibet-Teppich aus Nepal sind alle Orientteppiche, aber keine Perserteppiche.

Im europäischen Handel war der Sammelbegriff Orientteppich lange üblicher als Perserteppich, weil er marktgerecht war. Erst als der iranische Anteil am Markt nach 1979 schrumpfte, wurde die Differenzierung wieder geschäftsrelevant.

#Warum die Unterscheidung beim Kauf wichtig ist

Erstens: Preis. Echte Perserteppiche aus iranischer Produktion sind seit den US-Sanktionen knapper geworden, der Preis für hochwertige Stücke ist über die letzten zehn Jahre deutlich gestiegen. Wer eine Investition wünscht, die ihren Wert hält, sollte gezielt nach Perserteppichen fragen.

Zweitens: Charakter. Persische Designs unterscheiden sich klar von türkischen, kaukasischen oder indischen. Wer das floral-kurvige der persischen Schule sucht, will keinen geometrischen Beluch. Wer eine geometrische Strenge mag, ist mit einem Kazak besser bedient als mit einem Isfahan.

Drittens: Provenienz. Im Sammlerbereich gilt: ein Teppich mit klar dokumentierter Herkunft, etwa eine signierte Manufaktur in Qum oder Nain, hat einen messbaren Aufschlag gegenüber einem stilistisch ähnlichen, aber nicht zuordenbaren Stück.

#Häufige Verwechslungen

Indo-Perser. Indien knüpft seit Jahrzehnten Teppiche im persischen Stil. Ein Indo-Bidjar oder Indo-Isfahan kann optisch fast identisch zum iranischen Original sein, ist aber kein Perserteppich. Im Handel werden diese Stücke meist als Indo-Perser oder Indo-Persisch geführt. Sie sind günstiger und haben oft synthetische Färbungen.

Pakistani-Stücke im persischen Stil. Ähnlich wie indische Knüpfungen werden in Pakistan persisch anmutende Designs hergestellt. Der Begriff Perserteppich ist hier irreführend, korrekt wäre persisch inspirierter pakistanischer Teppich.

Maschinelle Imitate. Maschinelle Teppiche aus Belgien, der Türkei oder China werden mit persischen Mustern hergestellt. Diese Stücke sind weder Perser noch Orient im traditionellen Sinn, weil sie nicht handgeknüpft sind. Bezeichnung Perserteppich-Optik oder maschineller Orientteppich.

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