Teppich FibelTeppich Fibel

Medaillon

Das zentrale Medaillon ist das vermutlich bekannteste Kompositionsprinzip im klassischen Perserteppich. Es ordnet das gesamte Stück um eine zentrale Figur, die wie ein Anker für Blick und Komposition wirkt. Diese Seite zeigt, was ein Medaillon ist, woher es kommt und in welchen Knüpftraditionen es besondere Ausprägungen hat.

#Was das Medaillon technisch ist

Das Medaillon ist eine zentrale, oft elliptische oder achteckige Figur im Hauptfeld eines Teppichs. Es kann mehrere Schichten haben, etwa einen inneren Kern, einen mittleren Ring und eine äußere Kontur, die jeweils eigene Ornamentik tragen.

Komplementär zum Medaillon stehen die vier Eckfelder. Diese füllen die Ecken des Hauptfeldes mit gespiegelten Vierteln des Medaillon-Designs oder mit eigenständigen Ornamentmotiven. Zusammen bilden Medaillon und Eckfelder eine Komposition, die symmetrisch um beide Achsen ist.

Um dieses zentrale Spiel herum laufen die Bordüren, meist drei bis fünf, die das Stück einrahmen. Die Hauptbordüre ist breiter und trägt das prägendste Motiv, oft Boteh, Herati oder ein Floralband. Nebenbordüren sind schmaler und führen Übergänge zu Hauptbordüre und Hauptfeld.

#Historischer Ursprung

Das Medaillon als Designprinzip entstand in den persischen Manufakturen der Safawiden-Zeit (16. bis 17. Jahrhundert). Die berühmten Ardabil-Teppiche aus den 1530er Jahren, heute im Victoria & Albert Museum London und im Los Angeles County Museum, sind frühe Beispiele dieses Prinzips.

Die Inspiration kam aus der persischen Buchmalerei. Iranische Manuskripte des 14. und 15. Jahrhunderts hatten Buchdeckel mit zentraler Kartusche und Eckornamentik, die Designsprache wurde direkt auf den Teppich übertragen. Diese Verbindung zwischen Buch- und Teppichgestaltung erklärt, warum die feinsten Manufakturen oft Designer aus den königlichen Buchwerkstätten beschäftigten.

Im 19. Jahrhundert wurde das Medaillon Standard für Exportteppiche, weil europäische Käufer das klare zentrale Designprinzip schätzten. Es passt zu europäischer Wohngestaltung mit zentralem Couchtisch oder Esstisch, weil das Medaillon dort sichtbar bleibt.

#Regionale Ausprägungen

Tabriz-Medaillons sind groß, oft mehrschichtig, mit klaren geometrischen Konturen. Die Eckfelder spiegeln genau ein Viertel des Medaillons. Tabriz-Stücke erscheinen oft mit elfenbeinfarbenem Hintergrund.

Kashan-Medaillons sind kleiner und eleganter, oft mit floralen Innenfeldern. Der charakteristische Kashan-Hintergrund ist tief Bordeauxrot oder Indigo-Blau, gegen den das hellere Medaillon kraftvoll wirkt.

Isfahan-Medaillons sind die feinsten, mit hoher Knotendichte und detailreichen Innenmustern. Manche signierte Isfahan-Stücke aus den großen Manufakturen (Seyrafian, Davari) zeigen Medaillons mit dutzenden inneren Verschachtelungen.

Kaukasische Medaillons sind streng geometrisch, ohne Floralelemente. Hier wird das Medaillon oft mehrfach untereinander wiederholt, in zwei oder drei Reihen, statt als einzelnes zentrales Element.

Kurdische und Stammes-Medaillons sind oft kantig und kraftvoll, mit klaren symbolischen Funktionen statt rein dekorativer.

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