Indo Bidjar
Indo-Bidjar-Teppiche werden in Indien im Stil der persischen Bidjars geknüpft, robust, dicht und mit Herati-Muster.
- Region
- Indien
- Kategorie
- Perserteppiche
- Herstellung
- Handgeknüpft in Indien
- Knotendichte
- 120.000 – 300.000 Knoten/m²
Steckbrief
- Herstellung
- Handgeknüpft in Indien
- Herkunft
- Indien — nach persischem Bidjar-Vorbild
- Flormaterial
- Wolle auf Baumwolle
- Knotendichte
- 120.000 – 300.000 Knoten/m²
- Besonderheiten
- Dichte Knüpfung, Herati-Muster, Bidjar-Stil aus indischer Produktion




Foto: Morgenland Teppiche
Indo-Bidjar-Teppiche sind handgeknüpfte indische Teppiche, die das Vorbild des persischen Bidjar aufgreifen: das dichte, schwere Gewebe und das durchgehende Herati-Muster. Geknüpft werden sie in den großen Knüpfzentren Nordindiens, nicht im iranischen Kurdistan. Wer den Unterschied kennt, bekommt einen sehr robusten Gebrauchsteppich im Stil des berühmten Originals zu einem deutlich niedrigeren Preis. Dieser Ratgeber erklärt, was den Indo-Bidjar ausmacht, wie er sich vom echten Bidjar unterscheidet und worauf Sie beim Kauf achten.
Was ist ein Indo-Bidjar-Teppich?
Ein Indo-Bidjar ist die indische Nachknüpfung eines persischen Bidjar. Der echte Bidjar stammt aus der Stadt Bidjar in der iranischen Provinz Kordestan und gilt als der schwerste und dichteste aller Perserteppiche, oft als "Eisen Persiens" bezeichnet. Indische Werkstätten haben dieses Erscheinungsbild übernommen, das straffe Gewebe, das tiefe Rot und Marineblau, das Herati-Allover, und fertigen es in großer Stückzahl für den Export.
Der Indo-Bidjar gibt also den Stil wieder, nicht die Herkunft. Er ist ehrlich betrachtet ein indischer Teppich nach persischem Muster, nicht ein Perser aus Bidjar. Diese Unterscheidung ist für Wert und Einordnung entscheidend und zieht sich durch den gesamten Beitrag.
Herkunft
Indo-Bidjar-Teppiche werden in den nordindischen Knüpfregionen hergestellt, vor allem im sogenannten Teppichgürtel um Bhadohi und Mirzapur im Bundesstaat Uttar Pradesh sowie in Agra und teils in Kaschmir. Bhadohi gilt als das größte Teppichknüpfzentrum Asiens und ist auf handgeknüpfte Ware für den Weltmarkt spezialisiert.
Die indo-persische Teppichproduktion hat eine lange Vorgeschichte: Bereits unter den Moguln im 16. Jahrhundert entstanden in Agra und Lahore Hofteppiche nach persischem Vorbild. Die heutige Exportindustrie für Indo-Bidjars formte sich allerdings erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 und verstärkt seit den 1970er Jahren bauten Händler die Knüpfzentren gezielt aus, um die internationale Nachfrage nach klassischen Designs wie Bidjar, Sarough oder Keschan zu bedienen. Der echte Bidjar hat seine Wurzeln dagegen bei den Kurden der iranischen Region Persien.
Muster und Farben
Der Indo-Bidjar reproduziert das klassische Bidjar-Repertoire. Prägend ist das durchgehende Herati-Muster, auch Mahi (Fisch im Wasser) genannt: eine kleine Rosette in einer Raute, flankiert von gebogenen Blättern, die wie Fische wirken. Daneben kommen kräftige Zentralmedaillons mit floralen Eckzwickeln vor.
Die Farbpalette folgt dem Original: tiefes Rot und Marineblau als Grundtöne, dazu Elfenbein, Beige und gedämpftes Grün als Kontraste. Indische Werkstätten setzen die Farben meist mit hochwertigen, lichtechten Chromfarbstoffen um, was ein sehr gleichmäßiges, sattes Farbbild ergibt. Die Muster wirken oft etwas regelmäßiger und weniger eigenwillig als bei einem gewachsenen kurdischen Dorf- oder Stadtteppich, weil sie nach einer festen Knüpfvorlage gearbeitet werden.
Material und Knüpftechnik
Der Flor besteht aus Schurwolle, Kette und Schuss aus Baumwolle. Diese Kombination liefert die Stabilität, die ein Bidjar-Stil braucht. Geknüpft wird mit dem asymmetrischen persischen Knoten, auch Senneh-Knoten genannt, denselben Knoten, den auch das iranische Original verwendet.
Das namensgebende Merkmal des Bidjar ist die nasse Stopftechnik mit extrem festem Anschlag: Die Schussfäden werden so kräftig eingeschlagen, dass ein besonders dichtes, hartes und schweres Gewebe entsteht. Gute Indo-Bidjars greifen dieses Prinzip auf und sind entsprechend fest und langlebig, erreichen aber selten die Härte und das Gewicht eines echten Bidjar. Nach dem Knüpfen werden die Teppiche geschoren und gewaschen, häufig mit einer Glanzwäsche, die der Wolle Schimmer verleiht. Mehr zu den Abläufen steht unter Herstellung und Knüpfen.
Knotendichte und Qualität
Die Knotendichte von Indo-Bidjars liegt meist zwischen 120.000 und 300.000 Knoten pro Quadratmeter. Das ist solide, bleibt aber unter den Spitzenwerten echter Bidjars, die deutlich dichter und schwerer ausfallen können. Die Dichte allein sagt jedoch wenig: Wollqualität, Garnspinnung, Sauberkeit der Knotung und Musterklarheit entscheiden mit. Wie die Knotendichte Qualität und Preis beeinflusst, behandelt der eigene Ratgeber.
| Merkmal | Indo-Bidjar | Echter Bidjar (Persien) |
|---|---|---|
| Herkunft | Indien (Bhadohi, Mirzapur, Agra) | Bidjar, Provinz Kordestan, Iran |
| Knoten | asymmetrischer persischer Knoten | asymmetrischer persischer Knoten |
| Gewebe | dicht und fest, mittelschwer | extrem dicht, hart, sehr schwer |
| Wolle | indische Schurwolle, oft glanzgewaschen | robuste Hochlandwolle der Region |
| Knotendichte | ca. 120.000 – 300.000/m² | oft höher, sehr fest gestopft |
| Preis | günstig bis mittel | deutlich höher, teils Sammlerwert |
Was ist ein Indo-Bidjar-Teppich wert?
Indo-Bidjars sind preiswerte bis mittelpreisige Gebrauchsteppiche. Sie kosten in der Regel einen Bruchteil eines vergleichbaren echten Bidjar und bieten dafür ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: viel robuste Fläche im klassischen Stil für wenig Geld. Den Wert bestimmen Größe, Knotendichte, Wollqualität, Zustand und Musterklarheit.
Eine Wertsteigerung wie bei alten persischen Stücken ist nicht zu erwarten. Indo-Bidjars sind keine Geldanlage, sondern langlebige Teppiche für den Alltag. Wer in einen echten Perser investieren möchte, findet Orientierung unter Teppichwert und in der Kaufberatung. Für die Abgrenzung wertvoller Originale lohnt der Blick auf wertvolle Perserteppiche erkennen.
Woran erkennt man einen echten Indo-Bidjar?
Mit ein paar Prüfschritten lässt sich ein Indo-Bidjar einordnen und vom persischen Original abgrenzen:
- Rückseite prüfen: Handgeknüpft zeigt die Rückseite das Muster spiegelbildlich klar, einzelne Knoten sind sichtbar. Maschinenware hat eine vergleichmäßigte, oft verklebte Rückseite.
- Gewebe wiegen: Ein Indo-Bidjar ist fest und schwer, aber meist etwas leichter und flexibler als ein echter Bidjar, der sich ungewöhnlich hart und steif anfühlt.
- Regelmäßigkeit der Knotung: Sehr gleichmäßige Knoten und ein makellos symmetrisches Herati-Muster deuten auf indische Manufakturarbeit nach Vorlage hin.
- Wolle und Glanz: Glanzgewaschene, sehr einheitlich gefärbte Wolle ist typisch für indische Produktion.
- Fransen: Echte handgeknüpfte Teppiche tragen die Fransen als verlängerte Kettfäden, nicht angenäht.
Eine systematische Anleitung bietet Herkunft erkennen. Grundlagen zur Echtheitsprüfung liefern die Übersicht Teppich erkennen und Ist mein Teppich echt?.
Pflege
Indo-Bidjars sind dank festem Gewebe und robuster Wolle pflegeleicht und für stark genutzte Räume geeignet. Regelmäßiges Saugen in Florrichtung, sofortiges Abtupfen von Flecken mit klarem Wasser ohne Reiben und gelegentliche professionelle Reinigung erhalten die Qualität. Lange direkte Sonne lässt die Farben verblassen. Ausführliche Hinweise stehen in der Pflegeübersicht und unter Wollteppich reinigen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Indo-Bidjar und einem echten Bidjar?
Der echte Bidjar stammt aus der Stadt Bidjar im iranischen Kordestan und ist als schwerster, dichtester Perserteppich bekannt. Der Indo-Bidjar wird in Indien nach diesem Vorbild geknüpft. Beide nutzen den asymmetrischen persischen Knoten, doch das indische Stück ist meist etwas weniger dicht und leichter, dafür deutlich günstiger.
Sind Indo-Bidjar-Teppiche echte Perserteppiche?
Nein. Ein Perserteppich muss im Iran geknüpft sein. Indo-Bidjars geben den persischen Bidjar-Stil wieder, sind aber indische Teppiche. Sie sind handgeknüpft und qualitativ solide, dürfen aber nicht als Perser verkauft werden.
Was kostet ein Indo-Bidjar-Teppich?
Indo-Bidjars gehören zum günstigen bis mittleren Preissegment und kosten meist nur einen Bruchteil eines echten Bidjar. Der genaue Preis hängt von Größe, Knotendichte, Wollqualität und Zustand ab.
Sind Indo-Bidjar-Teppiche für stark genutzte Räume geeignet?
Ja. Das feste, dichte Gewebe und die strapazierfähige Wolle machen Indo-Bidjars sehr alltagstauglich. Sie eignen sich gut für Wohnzimmer, Flure und Esszimmer mit hoher Beanspruchung.
Woran erkenne ich die Qualität eines Indo-Bidjar?
Achten Sie auf eine gleichmäßige, dichte Knüpfung, ein sattes Farbbild ohne grelle Töne, eine saubere Rückseite und feste Kanten. Höhere Knotendichte und handgesponnene Wolle sprechen für bessere Qualität.
Welche Größen sind bei Indo-Bidjar üblich?
Indo-Bidjars werden überwiegend in gängigen Wohnzimmerformaten gefertigt, etwa 200 x 300 cm, 250 x 350 cm und 300 x 400 cm. Läufer und kleinere Brücken kommen ebenfalls vor.
Wie pflege ich einen Indo-Bidjar richtig?
Regelmäßig in Florrichtung saugen, Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen ohne zu reiben und alle paar Jahre professionell reinigen lassen. Lange direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, um Ausbleichen zu verhindern.
Eindrücke aus der Herkunft
Orte, Landschaften und Bauwerke rund um die Herkunft der Indo Bidjar-Teppiche. Klicken Sie auf ein Bild für die Detailansicht.
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