Tufting
Tufting ist ein modernes Verfahren, bei dem Garn in ein Trägergewebe geschossen wird. Entweder per Hand mit einer Tufting-Pistole oder vollautomatisch auf einer Mehrnadelmaschine. Das Ergebnis ist ein Teppich mit Flor, aber ohne Knoten. Diese Seite erklärt, wie Tufting funktioniert, woran Sie es erkennen und wann es die richtige Wahl ist.
#Wie Tufting funktioniert
Beim Tufting wird das Garn in ein gespanntes Trägergewebe geschossen. Keine Knoten, keine Verflechtung, sondern eine Aneinanderreihung von gleichmäßigen Garn-Schlingen. Damit der Flor nicht herausrutscht, wird die Rückseite mit Latex bestrichen. Auf den Latex wird ein zweites Trägergewebe geklebt, das den Teppich begehbar und formstabil macht. Das Ergebnis: ein Teppich mit weicher Flor-Oberfläche, der schneller gefertigt ist als ein geknüpfter und entsprechend günstiger in der Anschaffung.
#Handgetuftet versus maschinell getuftet
Beim handgetufteten Teppich führt ein Knüpfer eine Tufting-Pistole, eine Art elektrisches Schussgerät, über das Trägergewebe und folgt einem aufgezeichneten Muster. Das ermöglicht individuelle Designs, Farbübergänge und auch Reliefstrukturen, bei denen unterschiedliche Florhöhen kombiniert werden. Maschinengetuftet bedeutet vollautomatische Fertigung auf Mehrnadelmaschinen mit hunderten parallelen Nadeln. Hier entstehen Teppiche im Sekundentakt, mit absolut gleichmäßiger Oberfläche, aber ohne die Variation eines handgefertigten Stücks. Preis und Lebensdauer sind die wichtigsten Unterschiede: Handgetuftet kostet das Drei- bis Fünffache und hält 15 bis 30 Jahre. Maschinengetuftet hält 5 bis 15 Jahre.
#Die Latex-Rückseite und ihre Folgen
Die Latex-Schicht auf der Rückseite ist die Achillesferse des Tufting-Verfahrens. Sie hält den Flor in Position, ist aber kein lebendes Material wie Wolle oder Baumwolle. Mit der Zeit, typischerweise nach zehn bis zwanzig Jahren, wird der Latex spröde und beginnt zu bröckeln. Der Teppich verliert dann an Form, der Flor lockert sich, und eine Reparatur ist meistens nicht wirtschaftlich. Aus diesem Grund werden getuftete Teppiche im Gegensatz zu geknüpften nicht über Generationen vererbt. Sie sind ein Verbrauchsgut mit endlicher Lebensdauer.
#Wie Sie ein Tufting erkennen
Drehen Sie den Teppich um. Sie sehen entweder die ungleichmäßige Latex-Schicht direkt oder ein gröberes Trägergewebe, das auf den Latex aufgeklebt wurde. Knoten gibt es keine zu sehen. Nur die Garn-Schlingen, die durch das Trägergewebe geschossen sind. Die Fransen sind nachträglich angenäht oder geklebt; sie sind kein konstruktiver Teil des Teppichs. An der Vorderseite zeigen handgetuftete Stücke leichte Unregelmäßigkeiten in der Florhöhe, weil die Tufting-Pistole von Hand geführt wurde. Maschinengetuftete Teppiche sind absolut gleichmäßig.
#Wann sich Tufting lohnt
Tufting ist die ehrliche Wahl, wenn ein Teppich pflegeleicht sein soll, ein begrenztes Budget vorhanden ist, ein bestimmtes Design gewünscht wird, das es als Knüpfteppich nicht gibt, und der Teppich nicht über Generationen halten muss. Handgetuftet bietet hier ein gutes Mittelfeld: deutlich günstiger als geknüpft, aber mit individuellem Design und akzeptabler Lebensdauer. Maschinengetuftet macht Sinn für stark beanspruchte Räume, in denen ein Teppich häufig ausgetauscht wird. Mietwohnungen, Kinderzimmer, Eingangsbereiche.
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