Isfahan · 20. Jahrhundert bis heute
Die Familie Seirafian zählt zu den berühmtesten Knüpferdynastien Isfahans und steht für höchste Qualität in feinster Wolle und Seide.
Foto: Hamed Sanei / Beauty Glance Photography, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Als Begründer der Werkstatt gilt Haj Mohammad Seirafian, der in den 1930er Jahren in Isfahan eine Knüpferei einrichtete und seine Söhne in der klassischen Isfahan-Tradition ausbildete. Die Familie gehört damit zu den berühmtesten Knüpferdynastien Isfahans. Die Werkstatt entstand genau in der Phase, in der die Isfahan-Produktion nach dem Bruch der Safawidenzeit wieder in Gang kam und in den 1960er und 1970er Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Heute wird der Name von mehreren Familienzweigen mit eigenen Ateliers weitergeführt, die alle unter der Signatur „Seirafian“ produzieren. Wie viele Generationen das inzwischen sind, ist nicht belegt.
Seirafian-Teppiche erreichen 800.000 bis über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter und liegen damit am feinen Ende der Spanne, die für Isfahan-Teppiche mit 400.000 bis über einer Million Knoten pro Quadratmeter angegeben ist. Geknüpft wird mit dem asymmetrischen Senneh-Knoten, der einen Kettfaden ganz und den zweiten nur halb umschließt und dadurch die feine Auflösung der Ranken erst möglich macht. Nachprüfen lässt sich die Dichte auf der Rückseite, wo die Knoten sehr klein und gleichmäßig sitzen und die Zeichnung scharf lesbar bleibt.
Seirafian verarbeitet Korkwolle, die weiche Wolle vom Hals junger Schafe, häufig ergänzt durch Seide in Konturen und Blütenzentren. Bei den feinsten Stücken wird die Kette aus Naturseide gezogen, und das lässt sich an den Fransen ablesen: fein und glänzend bei Seidenkette, matt bei Baumwollkette.
Die Farbgebung folgt der klassischen Isfahan-Palette, mit Elfenbein oder gedecktem Rot als Grund, Indigoblau und Rotbraun in der Zeichnung und schmalen Goldtönen in den Bordüren. Die Muster gehen auf safawidische Vorbilder zurück: zentrale Medaillons, Schah-Abbas-Palmetten, Herati-Felder und Gartenteppich-Kompositionen.
Nahezu jeder Seirafian-Teppich trägt eine eingeknüpfte Signatur am unteren Bordürenrand, meist in persischer Schrift. Die Signatur nennt den jeweiligen Zweig der Familie, etwa „Seirafian, Mohammad“. Dazu kommen die extrem feine, ruhige Zeichnung auf elfenbeinfarbenem Grund und bei Spitzenstücken der seidene Kettfaden. Echte signierte Seirafian kommen im Handel selten vor.
Den Wert eines Seirafian bestimmen die Knotendichte, das Material in Flor und Kette, der Erhaltungszustand und das Alter, dazu die Zuschreibung an einen bestimmten Zweig der Familie. Die Werkstatt hält die Produktion klein, entsprechend selten treten signierte Arbeiten am Markt auf. Eine Garantie für Wertsteigerung gibt es nicht: über die Einordnung eines einzelnen Stücks entscheiden Seltenheit, Zustand und Provenienz, nicht der Name allein.
Zugehöriger Stil
Isfahan-Teppiche gelten als Meisterwerke persischer Knüpfkunst mit außergewöhnlich feinen Mustern und edlen Materialien.