Nain · 20. Jahrhundert
Fathollah Habibian gilt als Begründer der modernen Nain-Knüpftradition mit charakteristischer Blau-Beige-Farbgebung.
Foto: Morgenland Teppiche
Fathollah Habibian (ca. 1903 bis 1995) gilt als Begründer der modernen Nain-Knüpftradition. Die Stadt Nain in der Provinz Isfahan war bis in die 1930er Jahre vor allem für Wollproduktion und Aba-Umhänge bekannt. Habibian, selbst Spross einer lokalen Weberfamilie, begann in den 1930er Jahren, die feine Isfahan-Tradition auf Nain zu übertragen. Binnen weniger Jahrzehnte wurde Nain dadurch zu einem der führenden Zentren feiner Perserteppichkunst.
Die Palette, die Habibian entwickelte, setzt tiefes Indigoblau gegen helles Elfenbein und Beige und lässt Rot und Gold nur als sparsame Akzente zu. Diese zurückgenommene Farbgebung gilt heute als die Palette der Nain-Teppiche überhaupt und trennt sie auf den ersten Blick von der volleren Farbigkeit eines Isfahan. Die Umrisse der Musterelemente werden in Seide nachgezogen, was den Kontrast trägt, ohne dass es weiterer Farben bedarf.
Habibians feinste Arbeiten werden im Handel als 4 La geführt, die feinste Stufe der Nain-Skala, mit 700.000 bis über einer Million Knoten pro Quadratmeter und hohem Seidenanteil im Flor. La zählt keine Knoten, sondern die Kettfäden, die zu einem Bündel zusammengefasst sind, über das der Knüpfer den Knoten legt. Deshalb läuft die Skala andersherum, als die meisten Käufer erwarten: 4 La ist feiner als 6 La, und 12 La ist mit 200.000 bis 350.000 Knoten die gröbste der gängigen Stufen. Dass die La-Klassifizierung auf Habibian zurückgeht, wird im Handel gesagt, ist aber nicht belegt. Die Rechnung hinter den Stufen führt La-Stufen erklärt im Einzelnen durch.
Habibians Werkstatt in Nain bildete Knüpfer aus, die später eigene Ateliers gründeten; Söhne und Schüler führen die Tradition fort, und zeitgenössische Nain-Meister berufen sich auf seine Lehre. Signierte Arbeiten aus der Frühzeit der Werkstatt sind selten. Für 1984 nennt die Handelsliteratur den Ehrentitel „Meisterknüpfer erster Klasse“ der Islamischen Republik Iran, ohne ihre Quelle dafür anzugeben.
Den Wert eines Habibian-Nain tragen die La-Stufe, der Seidenanteil im Flor und vor allem die Qualität der Wolle. Ein 4 La aus mittelmäßiger Wolle steht hinter einem 6 La aus guter Korkwolle, weil die Wolle darüber entscheidet, wie der Flor nach fünfzehn Jahren Nutzung aussieht: ob er noch Glanz hat oder stumpf und filzig geworden ist. Alter, Erhaltungszustand und die Zuschreibung an die Werkstatt kommen hinzu. Eine Garantie für Wertsteigerung gibt es nicht.
Zugehöriger Stil
Nain-Teppiche bestechen durch ihr elegantes Farbspiel in Blau und Beige und ihre filigrane Musterung.